Rudolf Steiner – Unfehlbar oder Unzurechnungsfähig?

Rudolf Steiner. Begründer der Anthroposophie, der Waldorfpädagogik, der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, der anthroposophischen Medizin. Tausende Einrichtungen berufen sich auf ihn. Die von ihm initiierte Esoterik-Branche macht Umsätze in Milliardenhöhe.

Muss dieser Mensch, der Erfinder des anthroposophischen Glaubens, nicht unweigerlich ein Genie gewesen sein? Ein charismatischer Guru mit übermenschlichen, ja vielleicht sogar göttlichen Kräften? Oder war er einfach nur geisteskrank?

In seiner Selbstbeschreibung war Steiner jedenfalls nicht weniger als der Wahrer des geheimen Wissens, ein Okkultist, ja ein „Hellseher, Hellhörer und Hellschmecker„. Manchen seiner Anhänger gilt der verehrte „Doktor“ als leibhaftige Reinkarnation von Jesus Christus.

Betrüger oder Bekloppter?

Es kann im Grunde nur zwei Deutungen geben: Entweder war Steiner ein genialer Betrüger, der die von ihm postulierten „höheren Welten“, all die Auren und Fabelwesen und Ätherleibe nur aus Geltungs- und Profitsucht erfunden hat.

Oder Steiner glaubte selbst an seinen hanebüchenen Esoterik-Mix, den er aus Buddhismus, Christentum, Theosophie, Goethes Lehren, Freimaurertum, Science-Fiction-Romanen und vielem anderen zusammenrührte.

Angereichert mit seinen Erkenntnissen aus dem legendären, aber leider unsichtbaren Buch aller Weltengeheimnisse, der „Akasha-Chronik“, kam dabei am Ende die Anthroposophie heraus. Diese krude, überwürzte Melange ist für seine Anhänger nicht weniger als die wirklich echte Wahrheit (™) , an der sie noch heute unverrückbar festhalten.

Einmal alles mit allem, bitte

Wer von Steiner gehört – oder, schlimmer noch, – gelesen hat, merkt schnell: Der Prophet war ein Großmeister im Vermischen. Alles wird bei ihm mit allem vermengt, und alles hat immer mit allem zu tun. Der Mensch ist ein Kosmos, der Kosmos ist ein Mensch; die Entwicklungsgeschichte eines Kindes entspricht der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Alles ist mit allen verwoben, mit allem verbunden.

Steiners Spezialität: Salbaderndes Schwurbeln

In seinen Vorträgen war Steiner oft nicht in der Lage, eine prägnante Aussage zu treffen. Seine Argumentation mäandert in endlosen Bandwurmsätzen von Thema zu Thema, von Assoziation zu Assoziation. So schwurbelt und salbadert Steiner, bis der letzte Zuhörer benebelt abdriftet oder die eigene geistige Verwirrung als mangelnde Spiritualität missinterpretiert. Denn: Wer es nicht versteht, so Steiner, dem fehlt ein wichtiges Organ, der hat seine Hellseherorgane noch nicht genügend weit entwickelt.

Ähnliches stellte Kurt Tucholsky fest, nachdem er einen Vortrag Rudolf Steiners besuchte:

Rudolf Steiner, der Jesus Christus des kleinen Mannes, ist in Paris gewesen und hat einen Vortrag gehalten. Ich habe so etwas von einem unüberzeugten Menschen überhaupt noch nicht gesehen. Die ganze Dauer des Vortrages hindurch ging mir das nicht aus dem Kopf: Aber der glaubt sich ja kein Wort von dem, was er da spricht! (Und da tut er auch recht daran.)  (…)

Die Zuhörer schliefen reihenweise ein; dass sie nicht an Langeweile zugrunde gingen, lag wohl an den wohltätigen Folgen weißer Magie. Immer wenn übersetzt wurde, dachte ich über diesen Menschen nach.

Was für eine Zeit -! Ein Kerl etwa wie ein armer Schauspieler. Alles aus zweiter Hand, ärmlich, schlecht stilisiert … Und das hat Anhänger -!“ (Kurt Tucholsky über Rudolf Steiner, 1924)


Das stellen wir uns mal ganz dumm und fragen: Was ist ein Dreieck?

Vor Mitgliedern der anthroposophischen Gesellschaft hielt Steiner 1921 einen Vortrag mit dem Titel „Das Dreieck“ – eigentlich kein so komplexes Thema. Trotzdem faselte der Prophet weit- bis allumfassend von den Freimaurern und dem allsehenden Auge, vom Buddhismus und Atma, Budhi und den Manas, von den Weiten des Weltenalls und vom Mond, er kam auf den Dämon Ahriman zu sprechen und leitete über zu übersinnlichen Astral- und Ätherleiben, fabulierte über das Gehirn, ja über die Moral an sich – und immer so weiter und immer so fort.

Man kann durchaus davon ausgehen, dass Rudolf Steiner Geisteskrank war.


Schizophrener oder Scharlatan?

Steiners vorgebliches Talent, höhere Welten wahrzunehmen, die Aura von Menschen sehen zu können und die Geschichte der gesamten Welt mehrere tausend Jahre im Voraus zu kennen, hat wohl schon in seiner Kindheit begonnen.

„Bereits als Kind will Steiner erste Erfahrungen mit Hellsichtigkeit gehabt haben. So habe er im Alter von sieben Jahren in einer Vision seine Tante gesehen, die fast zeitgleich an einem weiter entfernten Ort Selbstmord begangen hatte. Da er diese inneren Erfahrungen mit niemandem teilen konnte, zog er sich oft in sich selbst zurück und interessierte sich zunehmend für Esoterik.“ (Wikipedia-Artikel „Rudolf Steiner„)

Der Münchener Psychologe Colin Goldner interpretiert Steiners „übersinnliche Fähigkeiten“ in der Süddeutschen Zeitung als „schizoide Persönlichkeitsstörung„:

„Schon in früher Kindheit, so die Legende, sei Steiners “primäre Erfahrung die der Welt des Seins hinter der sinnlichen Welt“ gewesen.

Demnach hätte der junge Steiner übersinnliche Fähigkeiten besessen. Aus heutiger psychiatrischer Sicht würde man die Symptome, die er als junger Erwachsener entwickelte, allerdings als Hinweise auf den Beginn einer schizoiden Persönlichkeitsstörung interpretieren.“ (Colin Goldner, „Offenbart in mystischer Schau„, Süddeutsche Zeitung, 2010)

Ausführlich befasste sich der Psychiater Wilhelm Lange-Eichbaum in seiner Buchserie „Genie, Irrsinn und Ruhm“ mit Rudolf Steiner. Er attestierte ihm handfeste Halluzinationen, die seine „höheren Welten“ für ihn real werden ließen:

Wie unzählig andere Schizophrene vor und nach ihm hat Rudolf Steiner in seiner Psychose das Erlebnis des Sterbens gehabt. Es unterscheidet ihn von vielen Kranken, daß ihm die Kraft blieb, dieses Erlebnis darzustellen und so zu objektivieren, daß gerade der davon handelnde Teil seiner Werke die größte Anziehungskraft auf seine Anhängerschaft ausübte.

Er erlebt ja seine höheren Welten wirklich, er steht offenbar in offener (halluzinatorischer) Sinnenverbindung mit ihnen und erfährt daher fortwährend etwas Neues. Steiner litt an jener besonderen Verlaufsform der Schizophrenie, deren verschiedene Varianten Emil Kraepelin unter dem Namen Paraphrenien zusammenfaßte: Paraphrenia expansiva, confabulans und phantastica. Alle drei Untergruppen erfüllt Steiner in ihren
Merkmalen.” (Wilhelm Lange-Eichbaum, „Genie, Irrsinn und Ruhm„, Band 7, S.534, 1967/1979)

Auch der Hannoveraner Soziologe Dr. Utz Anhalt kommt zum Fazit, dass Steiner an einer „schizophrenen Erkrankung“ litt:

„Solche Fantasien kennen wir von Fieberkranken, oder auch von paranoid Schizophrenen in akuten Psychosen. Tatsächlich diagnostizierten spätere Psychologen bei Steiner eine schizophrene Erkrankung.” (Dr. Utz Anhalt über „Naturheilverfahren: Germanische neue Medizin„, 2015)

Dr. Erich Eder, Biologe an der Universität Wien befand in seinem Vortrag für „Das goldene Brett 2018“, Steiner sei „im wahrsten Sinne des Wortes durchgeknallt“ gewesen:

„Wenn Ihnen diese Zeilen vollkommen irrsinnig vorkommen, dann haben Sie schon recht. Sie stammen von niemand geringerem als von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. (…)  Ganz plötzlich um 1902 kam es zu einer radikalen Wende seiner Ansichten, und er trat der Theosophischen Gesellschaft bei – einer okkult-esoterischen Mystikergruppe – und wurde durch seine dortige Vortragstätigkeit rasch zum Star.

Was war der Grund für diese radikale Wende? Manche Zeitgenossen unterstellten ihm finanzielle Gründe. (…) Wahrscheinlicher aber ist, das Steiner – im wahrsten Sinn des Wortes – durchgeknallt ist. So erschien ihm Jesus Christus in einer Offenbarung. Aber nicht genug damit, er selbst sei zusammen mit Goethe eine der beiden Reinkarnationen Jesus Christus. Und er glaubte, hellseherische Einsicht in ein imaginäres, okkultes tibetisches Buch, die „Akasha-Chronik“ zu haben.

Nach der aktuellen Version der International Classification of Diseases (ICD-10) litt Rudolf Steiner ganz offensichtlich unter einer wahnhaften Störung. „F22.0“ charakterisiert durch die Entwicklung eines einzelnen Wahns oder, in seinem Fall, mehrerer aufeinander bezogener Wahninhalte, die im Allgemeinen lange, manchmal lebenslang andauern. Der Inhalt solcher Wahnsysteme ist sehr unterschiedlich, gelegentliche oder vorübergehende Halluzinationen schließen, besonders bei älteren Patienten, die Diagnose nicht aus, solange die Symptome nicht typisch schizophren erscheinen.

Derartige wahnhafte Denksysteme, und ich glaube wir alle können ein Lied davon singen, finden sich bei vielen Menschen, die der Esoterik anhängen. Wir sollten daher durchaus vorsichtig sein, uns über solche Menschen lustig zu machen, die in vielen Fällen schwere psychiatrische Erkrankungen haben. Es entbehrt jedoch nicht einer gewissen Komik, dass der Wahn Rudolf Steiners so viele Anhänger gefunden hat.“ (Erich Eder, Vortrag für „Das goldene Brett“ [im Video ab 01:15h], 2018)

In der Presse ist Steiner über die Jahre viel gescholten worden, und das oft mit deutlich drastischeren Worten:

Steiner sei ein „bekloppter Spinner“ gewesen (SüdWest-Presse), ein „geistiger Gelegenheitsarbeiter“ (Die Zeit), er sei der „Anthroposophie-Gründer mit Wahnvorstellungen“ (Telepolis) oder gar „einer der großen Irren der deutschen Kulturgeschichte (Der Spiegel).

Der große Schriftsteller Harry Rowohlt hielt Steiners Aussagen in einem Interview mit Bernd Durstewitz gar für „Töne wie aus einer undichten Gummizelle„.


Die Fabelwesen in Steiners Kopf – für Anthroposophen sind sie Realität

Für Anthroposophen sind Steiners Erkenntnisse wahr. Gerade bei dogmatischeren Gläubigen gilt der Prophet als unfehlbar. Als Beispiel können die vielen Fabelwesen dienen, die in Waldorfschulen und Demeter-Höfen noch immer für Realität gehalten werden: Astralische Wesenheiten, Elfen, Engel, Erz- und Ur-Engel, Feuergeister, Forstriesen, Gnome, Mondbrüller, Undinen und Sylphen, Volksgeister und Wichtelmänner.

Fakten oder Fiktion?

Gibt es also die „höheren Welten“? Eine zusätzliche, verborgene geistige Welt, die Uneingeweihte nur nicht wahrnehmen? Das ist schwer zu beweisen oder entkräften. Viele konkretere Aussagen Steiners sind jedoch leicht zu widerlegen. So war Steiner sicher: Der Planet Vulkan existiert (er tut es nicht), das Herz ist keine Pumpe (ist es doch) und Spektralfarben gibt es nicht (es gibt sie). Steiners Anhängerschaft ficht all das jedoch bis heute nicht an.

Wichtel und Wahnsinn bei Demeter, Waldorf und Co.

Da der Prophet nichts als unverrückbare Wahrheiten postuliert habe, muss eben alles, was die Wissenschaft in den letzten 100 Jahren erarbeitet hat, falsch sein – oder zumindest grob unvollständig. So forschen biologisch-dynamische Landwirte nach verborgenen „Ätherkräften“ im Gemüse, anthroposophische Evolutionsbiologen wollen die „Abstammung des Tieres vom Menschen“ beweisen und anthroposophische Mediziner setzen die „Aura der Mistel, dem Pflanzentier des Mondes“ bei Krebserkrankungen ein.

In Sachen „Vermischung von alles mit allem“ sind Steiners Jünger also ebenfalls sehr erfinderisch. Der von Steiner erfundene, esoterische Engelstanz „namens Eurythmie“ wird beispielsweise in der Medizin zur „Heilung“ und in der Landwirtschaft zur „Verbesserung“ der Ernte und zur Besänftigung von „Naturgeistern“ eingesetzt.

Entscheiden Sie selbst…

Mischen Sie einfach mal selbst ein paar anthroposophische Schlagworte (Äther! Arier! Astralleib! Aura! Apfelernte!) und googeln Sie danach. Sie können sicher sein, dass die Anthroposophen bereits am Thema forschen. Es scheint ihnen unvorstellbar, dass sich der Prophet in seiner Weisheit geirrt haben könnte.

Oder meditieren Sie einmal selbst über die tiefsinnigen Wahrheiten, die der Sektengründer von sich gab:

“Geradeso wie der Fisch schwimmt, so würde der Hund fliegen, wenn er ein Vogel wäre.” (Rudolf Steiner)

Rudolf Steiner war „im wahrsten Sinne des Wortes durchgeknallt„. Und es scheint bei seiner Gefolgschaft einer gewissen geistigen Disposition zu bedürfen, um im anthroposophischen Glauben tiefschürfende Wahrheiten zu finden.


Bei den Demeter-Gläubigen: Magische Landwirtschaft

„»Ach, die Schweine, die fetten, sind ja so himmlische ­Tiere! Denn in ihrem fetten Leibe, da haben sie ja, insofern es nicht Nerven-Sinnes-System ist, ganz kosmische Substanz, nicht irdische.«

Das ist ja auch ein bisschen abwegig. Der Mann, dem das trotzdem eingefallen ist, hieß ­Rudolf Steiner, Begründer der Anthro­posophie, der Waldorf­schulen und irgendwie auch, das wissen viele nicht, der Bioland­wirtschaft. Steiner war kein gelernter Landwirt, sondern ein Philosoph oder Guru oder Spinner (hängt davon ab, wen man fragt). (…)

Biologisch-dynamische ist, wenn man so will, magische Landwirtschaft. Mitten im Europa des 21. Jahrhunderts wird gezaubert. Diesen Theorien und Glaubenssätzen begegnen wir ­jedes Mal, wenn wir im Biomarkt oder Reformhaus ein Demeter-Produkt in ­Händen halten. (…)

Das können wir heute mit unserem modern-wissenschaftlichen Denken kaum noch nach­voll­ziehen. Es geht, wenn man so will, um etwas sehr viel Älteres. Die Demeter-Gläubigen interessieren sich weniger für chemische Prozesse und die Mechaniken, die man nur unter dem Mikroskop erkennt, sondern arbeiten eher mit dem Prinzip der Ähnlichkeit, der Allegorie, der Vergleichbarkeit.

Das erinnert manchmal stark an das Mittelalter, und das ist auch der Grund, warum strenge Leute den Demeter-Gläubigen vorwerfen, sie praktizierten Magie.“ (Der Stern)

Quelle: Der Stern – „Kosmisch oder komisch?“, Überschrift: „Demeter-Lebensmittel gelten als das Nachhaltigste und Gesündeste, was es überhaupt gibt. Aber wissen die Kunden, dass die⁸ Bauern die Sonne anbeten und magische Kuhhörner im Acker vergraben?“, 2015

Schulministerin: Karma, Ätherleib und Atlantis-Lehre sind eine „Bereicherung“

Yvonne Gebauer, Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, war Ehrengast beim Festakt der Waldorfschule Aachen. Gefeiert wurde „Waldorf 100“, der hundertste Geburtstag der esoterischen Waldorfschulen. Die Schulen arbeiten auf der Grundlage von Karma sowie Äther- und Astralleiben, Im Geschichtsunterricht wird die Abstammung der Menschheit aus Atlantis gelehrt.

Direkt nach einer Darbietung von eurythmischen Elfen-, Gnomen- und Engelstänzen sprach die Ministerin wohlwollendes – auch über den Gründer der Waldorfschulen, den Hellseher und Okkultisten Rudolf Steiner:

Schulministerin Yvonne Gebauer ist Ehrengast in Aachen bei der Feierstunde der lokalen Waldorfschulen und Kindergärten. In der Aula Carolina feiern sie gemeinsam die Gründung der ersten Waldorfschule vonr 100 Jahren in Stuttgart (…)

„Ich bin nicht bange um die Zukunft der Waldorfschulen in NRW“. Sie seien eine Bereicherung für die Schullandschaft und ergänzten diese mit einem Angebot, das vielen Eltern wichtig sei, sagte sie am Samstagnachmittag.

Gebauer freut sich, dass es 57 gut laufende Schulen im Bundesland gibt, die nach dem Reformpädagogen Rudolf Steiner arbeiten. Die Ministerin führt sich sichtlich wohl und plaudert unbefangen (…).

Die Ministerin lobt den selbstbewussten Auftritt der Schüler. Waldorf helfe, die eigene Persönlichkeit auszubilden.“ (Aachener Zeitung)

Quelle: Aachener Zeitung vom 31. März 2019 – „Aachener Schule gut für die Zukunft aufgestellt„. Im Artikel kommt weiter Waldorf-Lehrer von Wernsdorff zu Wort: Waldorfschüler würden den „Zugang zur eigenen Mitte“ finden, was „gegen den Anstieg von psychischen Krankheiten in der Gesellschaft“ helfe.

Wie „gut“ die Waldorf-Bewegung in Nordrhein-Westfalen „läuft“, kann man hier an einigen Beispielen nachlesen:

Rudolf Steiner: Im wahrsten Sinne durchgeknallt

„Wenn Ihnen diese Zeilen vollkommen irrsinnig vorkommen, dann haben Sie schon recht. Sie stammen von niemand geringerem als von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Dieser Dr. Steiner war durchaus ein interessanter Mensch. Zunächst naturwissenschaftlich interessiert, bezeichnete er sich selbst als Anarchisten und Atheisten und promovierte an der Uni Rostock in Philosophie. Dann ganz plötzlich um 1902 kam es zu einer radikalen Wende seiner Ansichten, und er trat der Theosophischen Gesellschaft bei – einer okkult-esoterischen Mystikergruppe – und wurde durch seine dortige Vortragstätigkeit rasch zum Star.

Was war der Grund für diese radikale Wende? Manche Zeitgenossen unterstellten ihm finanzielle Gründe. Denn sobald er unter adeligen Damen Reden über esoterische Themen hielt, ging es ihm in Geldangelegenheiten bestens – er hatte ausgesorgt. Gutes Geschäftsmodell, auch heute noch, wie wir wissen.

Wahrscheinlicher aber ist, das Steiner – im wahrsten Sinn des Wortes – durchgeknallt ist. So erschien ihm Jesus Christus in einer Offenbarung. Aber nicht genug damit, er selbst [teil fehlt) und Goethe eine der beiden Reinkarnationen Jesus Christus. Und er glaubte, hellseherische Einsicht in ein imaginäres, okkultes tibetisches Buch, die „Akasha-Chronik“ zu haben.

Nach der aktuellen Version der International Classification of Diseases (ICD-10) litt Rudolf Steiner ganz offensichtlich unter einer wahnhaften Störung. „F22.0“ charakterisiert durch die Entwicklung eines einzelnen Wahns oder, in seinem Fall, mehrerer aufeinander bezogener Wahninhalte, die im allgemeinen lange, manchmal lebenslang andauern. Der Inhalt solcher Wahnsysteme ist sehr unterschiedlich, gelegentliche oder vorübergehende Halluzinationen schließen, besonders bei älteren Patienten, die Diagnose nicht aus, solange die Symptome nicht typisch Schizophren erscheinen.

Derartige wahnhafte Denksysteme, und ich glaube wir alle können ein Lied davon singen, finden sich bei vielen Menschen, die der Esoterik anhängen. Wir sollten daher durchaus vorsichtig sein, uns über solche Menschen lustig zu machen, die in vielen Fällen schwere psychiatrische Erkrankungen haben. Es entbehrt jedoch nicht einer gewissen Komik, dass der Wahn Rudolf Steiners so viele Anhänger gefunden hat. Steiner machte okkulte Karriere, wurde bald Präsident der Theosophischen Gesellschaft.“ (Erich Eder)

Quelle: Dr. Erich Eder, Biologe an der Universität Wien im Vortrag für „Das goldene Brett 2018“ (im Video ab ca. 01:15h)

Siehe auch: ICD-Code F22

Gottgesandte Engels-Heilerin auf Waldorf-Tournee

Die Hellseherin Jana Haas ist ein Engels-Medium. Frau Haas kann die Aura von Menschen erblicken und empfängt „Engelsbotschaften“ direkt von den Erzengeln. Sie channelt außerdem zahlreiche Naturwesen und sogar Gott höchstselbst. In Ihren „Cosmogetic„-Kursen bildet sie „Cosmogetische Heiler und Berater“ aus, die für einen dreitägigen Lehrgang rund 4.000 Euro pro Kopf zahlen. Dort lernt man nicht nur, seine „Zellen zu Verjüngen“ – man bekommt auch die Botschaft seines individuellen Schutzengels mitgeteilt. Als Buchautorin, unter anderem für den rechts-esoterischen Kopp-Verlag, schreibt sie, zusammen mit Waldorflehrer und -Ausbilder Dr. Christian Schott, über ihre „Gespräche mit Engeln„.

Jana Haas spricht aber nicht nur mit Gott persönlich, nein: Sie ist auch eine gefragte Vortragsrednerin an deutschen Waldorfschulen. So sprach Haas über „Die Verbindung zwischen Lebenden und Verstorbenen“ an der Waldorfschule Achberg, über „Den Seelenplan“ an der Waldorfschule Offenburg, über das „Heilen mit göttlicher Kraft“ an der Waldorfschule Überlingen, über „Jenseitige Welten“ an der Waldorfschule Wangen, über „Spiritualität in der Erziehung“ an der Waldorfschule Rottweil, über das „Wirken der Engel“ an der Waldorfschule Bodensee und über das „Mysterium der Bäume“ an der Waldorfschule in Offenburg. Weitere Stationen ihrer ausgedehnten Waldorf-Tournee findet man in ihrem Newsletter. Zusammen mit dem Verein „WIR – Waldorfschulen in Russland“ sammelt sie Geld für den Aufbau von weiteren Steiner-Schulen.

Bei den Anthroposophen ist sie also ein gern gesehener Gast und wurde auch im Jahresheft 2013 der Schweizer Anthroposophen interviewt, genauer: „Jana Haas befragt die Engel„.

Zwar gibt es viele Parallelen zum Hellseher Rudolf Steiner, der auch aura-sichtig war und Botschaften von Engeln erhielt – doch es gibt auch kritische Stimmen aus der Waldorf-Welt. So sei Haas laut den Autoren von Anthrowiki.at zwar ein „reines Engel-Medium“, sie könne aber im Gegensatz zum Gründer der Waldorfschulen die „jenseitige Welt nicht richtig beurteilen„. Der Grund dafür ist, dass bei Ihr – anders als Steiner – „keine Spur davon zu finden ist, dass sie den „Hüter der Schwelle“ getroffen hätte“. Und das ist bekanntlich laut Rudolf Steiners aus höheren Welten empfangener „Akasha-Chronik“ nicht weniger als die finale Schwelle, die ein okkulter Geheimschüler erst überschreiten muss.

Der menschliche Körper ist voller sechseckiger Quarz-Kristalle

„Sehen Sie, im Menschen sind alle Kräfte, wie ich Ihnen immer wiederum auseinandergesetzt habe, die in der Erde und die auch im Weltenall sind. Die Erde hat diese Kraft wiederum vom Welten all. Der Mensch hat sie von der Erde. In dem Menschen ist diese Kraft drinnen, die bei der Erde diesen Quarzkristall heraustreibt. Wie ist das da drinnen? Ja, der menschliche Körper ist nämlich voll von Quarz. Jetzt werden Sie sagen: Donnerwetter noch einmal, was der uns da vorredet! (…)
Und darauf beruht ja unser Leben, daß wir fortwährend vom Kopf nach unten sechseckige Kristalle bilden wollen, es aber nicht dazu kommen lassen, sondern aufhören. Da drinnen wollen fortwährend solche Kristalle entstehen. Sie entstehen aber nicht wirklich, sie werden aufgehalten, und wir haben dann sozusagen in ganz starker Verdünnung den Quarzsaft in uns.“ (Rudolf Steiner)

Quelle: Rudolf Steiner – „VORTRÄGE FÜR DIE ARBEITER AM GOETHEANUMBAU“, Gesamtausgabe Band 351, S. 167f.

Bildquelle: Sechseckiges Rudolf-Steiner-Amulett bei Etsy: „1920s Rudolf Steiner Anthropsophy Amulett

Impfen ist Seelenmord

„Die Seele wird man abschaffen durch ein Arzneimittel. Man wird aus einer ‚gesunden Anschauung‘ heraus einen Impfstoff finden, durch den der Organismus so bearbeitet wird in möglichst früher Jugend, möglichst gleich bei der Geburt, dass dieser menschliche Leib nicht zu dem Gedanken kommt: Es gibt eine Seele und einen Geist. – So scharf werden sich die beiden Weltanschauungsströmungen gegenübertreten.

Die eine wird nachzudenken haben, wie Begriffe und Vorstellungen auszubilden sind, damit sie der realen Wirklichkeit, der Geist- und Seelenwirklichkeit gewachsen sind. Die andern, die Nachfolger der heutigen Materialisten, werden den Impfstoff suchen, der den Körper ‚gesund‘ macht, das heißt so macht, dass dieser Körper durch seine Konstitution nicht mehr von solch albernen Dingen redet wie von Seele und Geist, sondern „gesund“ redet von den Kräften, die in Maschinen und Chemie leben, die im Weltennebel Planeten und Sonnen konstituieren. Das wird man durch körperliche Prozeduren herbeiführen. Den materialistischen Medizinern wird man es übergeben, die Seelen auszutreiben aus der Menschheit.“ (Rudolf Steiner)

Quelle: Rudolf Steiner – „Vorträge in Dornach vom 29. September bis 28. Oktober 1917“, Gesamtausgabe Band 177, Seiten 97f.

Via: Susannchen braucht keine Globuli – „Impfskepsis, Impfgegnerschaft – eine Annäherung

Kinderkrankheiten sind gut fürs Karma

„Wer nun meint, Steiner als „von gestern“ abtun zu können, seine Ansichten als „zeitbedingt“ vom Tisch zu wischen und sich nicht vorstellen kann, dass heute Steiners Aussagen wortwörtliche Exegeten finden, der sei auf das Buch „Kindersprechstunde: Ein medizinisch-pädagogischer Ratgeber. Erkrankungen – Bedingungen gesunder Entwicklung – Erziehungsfragen aus ärztlicher Sicht“ verwiesen (inzwischen in 18. Auflage erschienen, zuletzt editiert 2010). Es stammt von Frau Dr. Michaela Glöckler (gemeinsam mit Dr. W. Goebel), bis 2016 langjährige Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum in Dornach und damit eine zentrale Autorität der heutigen Anthroposophischen Medizin.
In diesem Buch wird regelrecht mit Stolz von einer Studie berichtet, nach der Waldorfschüler häufiger an Masern erkranken (!) und weniger Antibiotika verabreicht bekommen. Warum auch nicht? Ist ja schließlich in Steiners Sinne:

„Aufgabe von Medizin und Pädagogik ist es, Bedingungen zu schaffen für eine möglichst gesunde Inkarnation. Dabei spielen die sogenannten Kinderkrankheiten eine wichtige Rolle. Sie helfen, bestimmte Bereiche des Körpers physiologisch ‚durchzuarbeiten‘ und eingehender zu ‚individualisieren‘. Damit wird das Zusammenspiel der Wesensglieder und ihre Gesetzeszusammenhänge neu angeregt und in unterschiedlicher Weise impulsiert.“

Quelle: Susannchen braucht keine Globuli – „Impfskepsis, Impfgegnerschaft – eine Annäherung

WLAN stört bei der Reinkarnation

„Verlockungen eines vielversprechenden technischen Zugewinns verdecken, wie sehr die flächendeckende Funktechnik die Inkarnation stört. Bestätigung finden Steiners Hinweise in wissenschaft­lichen Nachweisen, dass Funkstrahlung Funktionen des Organismus durch Störung der physiologischen Prozesse (Zellstress) beeinträchtigen kann. (…)

Fehlzeiten von Lehrern stiegen an, nachdem ein WLAN-Sender im Lehrerzimmer eingeschaltet worden war. (…) Die segensreichen Hinweise Rudolf Steiners im Landwirtschaftlichen Kurs könnten so auch im pädagogischen und sozialen Arbeits- und persönlichen Lebensumfeld eine lebenserfrischende Wirkung erlangen.“ (Helmut Breunig für „Erziehungskunst“)

Quelle: Helmut Breunig, Erzieher und Kita-Leiter im Waldorf-Hausmagazin „Erziehungskunst„: „Rudolf Steiner warnte vor elektromagnetischen Feldern„.

Hintergrund: Die Sekte der Anthroposophen lernt moderne digitale Technik grundlegend ab. Schon der Waldorf-Gründer und Hellseher Rudolf Steiner gab an, dass Telegrafie die Botschaften aus „höheren Welten“ stören würden. So werden Waldorfschulen gegen gefährliche W-LAN-Strahlung abgeschirmt, man sammelte rund 68.000 Unterschriften gegen Digitales in KITA´s, da Medien in die Drogensucht führen. Einige Anthroposophen glauben, dass geisterhafte Naturwesen in Computern hausen.

Update: Esoterisch isst man besser

“Es gibt deutliche Unterschiede bei Bioprodukten je nach Zugehörigkeit zu einem Verband. EG-Bio ist im Grunde eine konventionelle Landwirtschaft mit Weglassen von Spritzmitteln. Bioland und Demeter achten viel mehr auch auf die Anbaumethoden und allgemeine Bezüge zum Natur-, Landschafts- und Tierschutz, was dem Verbraucher so nicht klar gemacht wird.

Der Verbraucher wird ja regelmäßig aufgeschreckt durch Skandale bei Lebensmitteln, praktisch immer aus dem Bereich konventionell erzeugter Produkte, was dem Biomarkt natürlich in die Hände spielt.” (Thilo Kauf)

Quelle: Interview mit dem “Naturata”-Geschäftsführer Thilo Kauf im Südkurier: “Naturata – Ein Urgestein der Bioszene”. Der sogenannte “biologisch-dynamische Anbau” nach dem Hellseher Rudolf Steiner wird bei Demeter, Alnatura, Rapunzel, Naturata und Co. angewendet und basiert auf okkulten, magischen Ritualen wie dem Vergraben von mit Rindermist gefüllten Kuhhörnern und daraus rituell verrührten, “dynamisierten”, also homöopathischen Tinkturen.

Auch die esoterischen Lebensmittelproduzenten sind entgegen eigener Aussage nicht ohne Skandale:

Rückruf-Aktionen und Lebensmittelskandale bei esoterischen,  “biologisch-dynamischen” Lebensmittelherstellern:

  • 2018: “Alnatura”-Tee: Krebserregendes Pflanzengift PA (Pyrrolizidinalkaloid) nachgewiesen (Norddeutscher Rundfunk)
  • 2018: “Demeter”-Käse „Sommerfreude“ zurückgerufen wegen Verdacht auf Kontaminierung mit EHEC (Bio-Markt.info)
  • 2018: “Demeter”: Angeblich “glutenfreies” Katzenfutter enthält viel Gluten, zudem schädliches Phosphor (Berliner Zeitung)
  • 2017: “Alnatura”-Kartoffelchips wegen Holzsplittern zurückgerufen (T-Online)
  • 2016: “Demeter / Holle: Ungenügend: Milchpulver mit 2,7fach erhöhten Fettschadstoffen als teuerstes Produkt im Test” (Stiftung Warentest)
  • 2016: “Alnatura / Bioland: Milchpulver mit fünffach erhöhten Fettschadstoffen.” (Stiftung Warentest)
  • 2016: “Demeter Tomaten & Reis-Suppe mit Fremdkörpern” (Produktwarnung)
  • 2015: “Alnatura: Tropanalkaloide in Hirsebällchen” (Stiftung Warentest)
  • 2015: “Rapunzel: Tropanalkaloide in Maisgries und Polenta” (Rapunzel)
  • 2015: “Alnatura: Sesam-Mus mit Salmonellen” (T-Online)
  • 2015: “Demeter: Fleckenbühler Käse, Knoblauchkäse und Pfefferkäse mit Listerien” (Heilpraxis.net / Locally)
  • 2014: “Alnatura: Pflanzengift im Hirse-Brei” (Focus)
  • 2014: “Demeter: Holle Babybrei: Rückruf wegen giftiger Substanzen” (Netzfrauen)
  • 2014: “Alnatura: Stechapfel und Tollkirsche im 4-Korn-Brei” (Focus)
  • 2014: “Alnatura: Krebserregende Stoffe im Baby-Kräutertee” (Morgenpost)
  • 2014: “Demeter-Käse mit Listerien-Verdacht” (Demeter)
  • 2014: “Naturata: Bio-Buchweizen-Schnitten von Schnitzer mit Glassplittern” (Luxemburger Wort)
  • 2013: “Alnatura: Glassplitter im Babybrei” (Stiftung Warentest)
  • 2013: “Demeter” und “Holle” – Gentechnik in Produkten festgestellt (Berliner Zeitung) / (CleanKids)
  • 2011: “Alnatura: Schimmelpilze in Spirelli-Nudeln” (T-Online)
  • 2011: “Demeter Naturata Salat-Mayonnaise ohne Ei enthält Ei” (Naturata)
  • 2009: “Bioland: Bio-Puten-Skandal: Rückruf von Babygläschen” (Biohandel Online)
  • 2009: “Rapunzel: Gentechnisch veränderte Organismen in Rapunzels ‘Genfreier Leinsaat’?” (Naturata)
  • 2006: “Naturata: Rückrufaktion wegen Weichmachern im Olivenöl” (Xing / Stiftung Warentest)
  • 2002: “Bioland, Demeter, Alnatura: Pflanzenschutzmittel Chlormequat in Demeter-Babynahrung“ (Facharzt.de / SchrotUndKorn)