Michaela Glöckler über Corona: Freiheitsrechte verteidigen gegen den Überwachungsstaat

Michaela Glöckler im Interview mit campusA Stuttgart

Michaela Glöckler, die führende anthroposophische „Medizinerin“ im Gespräch mit Yair Atala von „campusA Stuttgart“, einer Kooperation anthroposophisch orientierter Ausbildungen.

Frau Glöckler war rund 30 Jahre lang die Leiterin der „Medizinischen“ Sektion am „Goetheanum“, der Schweizer Anthroposophie-Zentrale. Sie gilt als glühende Verehrerin des Hellsehers und Anthroposophie-Begründers Rudolf Steiner, den sie für einen, Zitat, „Propheten“ hält.

Frau Glöckler stellt eine wirre, in der Anthroposophie zurzeit beliebte und fast schon Trump-eske These auf: Das Virus sei lernfähig, quasi intelligent – und es hat eine Botschaft:

Die Pandemie ist die Rache für das von uns Menschen verursachte Tierleid. Doch gegen Viren wie die „Grippe“ (die mit Corona nicht identisch ist!) könne man sein Immunsystem stärken: Zum Beispiel mit Eurythmie – und der Kommunikation mit geistigen Welten. „Virtuelle“ Welten dagegen seien zu meiden, die seien schädlich für das Gehirn.

Über einen großen Teil des Interviews hinweg verbreitet die esoterische Pseudomedizinerin gefährliche Verschwörungsmythen: Es gelte in Zeiten von „Ausgangssperren“ und „Totalüberwachung“, für „Freiheitsrechte“ zu kämpfen.

Hier befeuert die Anthroposophin thematisch die stark wachsende Querfront aus Esoterikern, Verschwörungsideologen und Rechtsextremen.

Wir atmen das Leid der Tiere und das Virus spricht zu uns

„Die Lunge ist ein wunderbares Organ, dass uns mit der gesamten Lufthülle der Erde verbindet. Es ist da sozialste, kommunikativste Organ was wir haben. (…) Wir sind über die Luft nicht nur mit der ganzen Menschheit verbunden, sondern auch mit all unseren Sünden in Richtung Umweltverschmutzung.

Die Luft transportiert die Laute der Tiere, die gequälten Geräusche unserer Massentierhaltung. Das geht auch alles in die Luft, und das atmen wir auch alles ein. Das Leid der Tiere.

Und da sehe ich auch einen Zusammenhang, das eben die Viren, die ja sowieso im Tierreich am meisten vertreten sind, dort auch gelernt haben, wie man die Artgrenzen überspringt.

Dass wir eben jetzt auch immer mehr in die Situation kommen, dass die Viren die Grenze zwischen Tier und Mensch überspringen, um auf die Tierwelt aufmerksam zu machen. Ich kann´s gar nicht anders sagen.“ (Michaela Glöckler, „Das Corona-Virus und Gesundheitskräfte„, YouTube, 2020)

Stärkend wirken fröhliches Gehen und eurythmische Tänze

Zur Stärkung des Immunsystems gegen das Corona-Virus empfiehlt Frau Glöckler viel Schlaf, gute Ernährung und Bewegung, insbesondere „fröhliches Gehen“, und esoterische Eurythmie-Tänze:

„Schon eine halbe Stunde zügiges, motiviertes Gehen draußen wirkt unmittelbar immun-stimulierend. Also fröhliches Gehen, nicht deprimiertes ´rumschleichen! Das darf man nicht unterschätzen, diese ganz normalen Sachen: Schlafen, essen, bewegen.

Und dann gibt es auch sehr gute eurythmische Übungen. Also Eurythmie ist sehr gesund. Für die Leute, die das kennen, da gibt es inzwischen auch Videoclips, wie man sich eurythmische Übungen sozusagen lernen kann [sic], die da helfen.“ (Michaela Glöckler)

Unsichtbare Brücken in geistige Welten der Verstorbenen und der der Engel

Zur Vorbeugung empfiehlt sie auch Gebete, Spiritualismus und geistige Kontakt mit Engeln oder Verstorbenen:

„Eine Sache ist noch wichtig für die Vorbeugung: Im seelischen – da sagen manche, wie kann ich mir positive Gefühle machen, jetzt bin ich da allein zuhause… dann kann man eben beten und man kann meditieren.

Und dadurch entsteht Verehrung, dadurch entsteht `ne gute Stimmung, man kann ´ne Kerze anmachen, einen Text lesen, der einen mit Spiritualität, mit seinem Gottesbild, mit Engeln, mit der geistigen Welt verbindet. Oder mit lieben Verstorbenen.

Denn Gedanken können wir mit Augen nicht sehen, es sind aber unsichtbare Brücken in die geistige Welt. Und dass man sich an die wieder neu erinnert, das finde ich total wichtig.“ (Michaela Glöckler)

Im Verlauf setzt Frau Glöckler noch Corona mit einer „Grippe“ gleich und spricht sich wie so oft gegen fiebersenkende Mittel und Antibiotika aus, die „schädlich“ seien.

Digitalisierung schadet Gehirnen von Kindern und Jugendlichen

Natürlich darf auch die in der Anthroposophie weit verbreitete Verdammung digitaler Medien nicht fehlen, denen Frau Glöckler an anderer Stelle schon schlimmste gesundheitliche Folgen angedichtet hat:

„Und dass wir uns klar machen: [unverständlich] Auch wenn die Digitalisierung durch die Isolierung einen riesen Schub bekommen hat, wir uns klar machen, dass es für Kinder und Jugendliche nicht gesund ist für ihre Gehirnentwicklung. Die brauchen ihre Entwicklungsjahre in der realen Welt, bevor sie sich an die virtuelle gewöhnen.“ (Michaela Glöckler)

Dass man nicht in irgendwelche von der Seniorin zusammenphantasierte „virtuelle Welten“ abtaucht, nur weil man sich mal ein Arbeitsblatt in Word ausdruckt – geschenkt. Doch schlimm wird es, als die Grande Dame des Geschwurbels dazu übergeht, Verschwörungsmythen zu kolportieren:

Totalüberwachung, Ausgangssperre, Grundrechte werden abgeschafft

„Es wird ja jetzt durch das Pandemie-Management die Totalüberwachung geprobt. Und das finde ich auch einen Tatbestand, bis hin zur Ausgangssperre, bis hin zur Überwachung via Handy, ob nun anonym oder nicht – jeder weiß was so etwas wert ist, wenn das gesagt wird -, da finde ich es nicht gut [unverständlich], wenn unsere demokratisch-freiheitlichen Werte mit dieser Pandemie den Bach heruntergehen.“ (Michaela Glöckler)

Fakt ist: Egal wie oft es die zur Zeit sehr lautstarke Querfront aus Anthroposophen, Verschwörungsideologen und Rechtsextremen auch wiederholt: Es gibt in Deutschland keinen „Lockdown“, keine „Ausgangssperren“, keine „Totalüberwachung“ via Handy. Nicht in Vergangenheit, und auch nicht heute, am 13.05.2020.

Freiheitsrechte verteidigen!

Weiter geht es thematisch mit George Orwells „1984“ und Frau Glöcklers Aufruf, die „Freiheit“ zu verteidigen:

„Ich möchte nicht Angst schüren, aber doch eine Sache betonen, die Josef Weizenbaum (…) in einem Interview im Orwell-Jahr 1984 gesagt hat. Da fragt der Interviewer schon 1984, ob die Computerisierung und die Digitalisierung nicht den Überwachungsstaat enorm fördert, diese Orwell-Staat. Da antwortet Weizenbaum: Selbstverständlich tut´s das, nur mit dem Computer ist die Totalüberwachung möglich. (…)

Der Überwachungsstaat wird nur kommen, wenn die Menschen ihre Freiheitsrechte nicht mehr verteidigen. Und das finde ich den wichtigsten Punkt für die Zeit nach Corona.(Michaela Glöckler)

Die schwurbelnde Seniorin stellt die Lage in Deutschland also dar, als ob ein totalitärer Staat wie in der Dystopie „1984“ bereits Realität wäre. Als ob man sich die „Freiheit“ zurückholen müsse:

„Es wird jeder einzelne gebraucht, der ein vertikales Rückgrat hat!“ (Michaela Glöckler)

Das sind exakt die gefährlichen Gedankengänge, die man heute bei den aggressiv protestierenden Corona-Verharmlosern auf sogenannten „Hygiene-Demos“ vorfindet.

In dieser weltweiten Pandemie-Krise enttarnen sich die „Alternativ“-Mediziner immer mehr: Sie haben keine medizinische Kompetenzen, sie sind komplett in ihrer esoterischen Weltsicht gefangen, ja: Sie gefährden die Gesellschaft mit dem Verbreiten ihrer Verschwörungsmythen.

Quelle: Video aus der Themenreihe „Balance – um die Mitte ringen. 100 Jahre Anthroposophische Medizin“ des campusA Stuttgart: „Michaela Glöckler: Das Corona-Virus und Gesundheitskräfte„, YouTube, 07.04.2020.

Mehr zu Michaela Glöckler und ihrem esoterischen Bestseller-Ratgeberbuch „Kindersprechstunde“ gibt es hier im Blog.


3 Gedanken zu “Michaela Glöckler über Corona: Freiheitsrechte verteidigen gegen den Überwachungsstaat

  1. Der Großteil der „Waldorfeltern“ wird doch einfach sagen:

    „Was interessiert mich Michaela Glöckner? Die spielt in meiner Waldorfwirklichkeit doch gar keine Rolle!“

    Der „Bund der Freien Waldorfschulen“ und die „Medizinische Sektion am Goetheanum“ haben im Mai 2020 einen gemeinsamen „feel-good“-Artikel veröffentlicht, eine Übung in „Positivem Denken“:

    https://www.erziehungskunst.de/nachrichten/pandemie/der-bund-der-freien-waldorfschulen-und-die-medizinische-sektion-am-goetheanum-zur-covid-19-pandemie/

    Wenn sich alle lieb haben und gemeinsam das Immunsystem stärken – ist doch prima!

    Wie sieht da eine sinnvolle Kritik aus?

    Liken

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