Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 3)

Wie kämpfen Anthroposophen gegen moderne Technik?

Natürlich können Anthroposophen als Argument gegen Technik heute nicht überall offen die Störung ihrer Hellseherfähigkeiten anführen oder von Naturwesen, Geistern und Dämonen sprechen. Solches bespricht man lieber nur intern, liest dazu in anthroposophischer Fachliteratur oder im hauseigenen Waldorf-Magazin. In der Öffentlichkeit müssen dann ganz andere Argumente gegen die bösen Medien gefunden, oder oftmals auch: erfunden werden.

Petition „Digital-KITA? NEIN!“

Die „Vereinigung der Waldorfkindergärten“ startete 2016 eine Petition mit dem Namen „Digital-KITA? NEIN!“. Nicht nur die kreative Verwendung von Versalien überrascht hier, auch der Inhalt ist brisant: Digitales muss man mit aller Macht aus den Kindergärten fernhalten – ob Computer dort überhaupt ein existierendes Problem sind, darf bezweifelt werden. Aber!

Die negativen Folgen „zu früher Gewöhnung an digitale Medien“ seien „wissenschaftlich längst erwiesen“, die Folge sei nicht weniger als „kriminelles Verhalten“ und „Suchtverhalten“. Gut, geschenkt: Da heute mehr als 95% der Deutschen einen Fernseher besitzen, wird man schwerlich einen Drogenabhängigen finden, der als Kind nicht ferngesehen hat.

Der Vorstand der „Vereinigung der Waldorfkindergärten“, Michael Wetenkamp, behauptet zudem in seiner Petition:

„Die am häufigsten von 6-Jährigen in Deutschland verwendete App ist Facebook.“ (Michael Wetenkamp, „Digital-KITA? NEIN!„, 2016)

Auch auf Nachfrage können die Initiatoren der Petition keinen Quellennachweis für diese steile These beibringen. Mit immerhin mehr als 67.000 Unterschriften scheint die esoterische Panikmache aber einen Nerv getroffen zu haben – auch wenn die meisten Unterschriften offensichtlich aus dem eigenen Waldorf-Umfeld stammen. Interessant ist, dass die Petition nichts Konkretes fordert. Man wolle „ein Netzwerk aufbauen“. Was man genau erreichen will und was man fordert, ist den Initiatoren offenbar selbst völlig unklar.

Schützenhilfe vom Schwindler Spitzer: 40.000 Tote jährlich durch Computer und Fernsehen!

Um den eigenen esoterischen Glauben in ein wissenschaftliches Gewand zu hüllen, tun sich die Anthroposophen mit anderen Mediengefahr-Schwurblern zusammen. Erstunterzeichner der Anti-Digital-Petition ist der umstrittene Mediengegner und Autor von „Vorsicht Bildschirm!“, Prof. Dr. Manfred Spitzer. Spitzer, der auf zahllosen Waldorf-Veranstaltungen auftritt, gilt bei seinen Kritikern als „unseriös“, seine Theorien gelten als „Mythen“:

„Mitte der Nullerjahre schrieb [Spitzer] „Vorsicht Bildschirm!“. Darin rechnete er vor, dass die Nebenwirkungen von Fernsehern und Computern schon bald jährlich 40 000 Menschen umbringen würden. Es folgten die Bestseller „Digitale Demenz“ und „Cyberkrank!“. Dort schrieb Spitzer der Nutzung von Videospielen, sozialen Netzwerken und Smartphones ebenso apokalyptische Folgen zu. Angesehene Forscher nennen die Bücher „unseriös“ und „irreführend“ (…) Spitzers Thesen sind wissenschaftlich mindestens umstritten, oft interpretiert er Zahlen einfach so, wie es ihm passt. (…) [Spitzers Thesen] werden in dem Papier „Mythen“ genannt. Spitzer habe sich einzelne Ergebnisse herausgepickt, die zu seinen Thesen passten, und alles andere ignoriert. “ (Süddeutsche Zeitung, „Über einen, der aus Ängsten Geld macht“, 2018)


Petition: Waldorfschulen fordern einen Analog-Pakt gegen den „Hipe“

Der Bund der Freien Waldorfschulen, die im Schnitt zu 72% staatlich finanziert werden, würde gerne Gelder aus dem geplanten, staatlichen Digitalpakt zur Ausstattung ihrer eigenen Schulen erhalten. Das Geld will man aber bis zur Oberstufe für rein „analogen“ Unterricht verwenden. Die Waldorflehrerin Prof. Dr. Paula Bleckmann, tätig an der anthroposophischen Alanus-Hochschule fordert, parallel zum geplanten „Digitalpakt“ einen gleichwertigen „Analogpakt“ zu beschließen. Sie warnt in einem radebrechenden Versuch einer Art Jugendsprache, vor einer „zu frühen Mediennutzung“:

„Der sogenannte Early High Tech Hipe [sic!] schadet den Kindern mehr, als dass er ihnen nutzt.“ (Prof. Dr. Paula Bleckmann in „Struwwelpeter 2.0“)

Der „so genannte Hype“? Wer nennt diesen so, und warum ist er nicht real, sondern eben ein „Hype“? Und warum kann Frau Bleckmann „Hype“ nicht buchstabieren? Der Begriff ist eine reine Erfindung der Waldorfbewegung: Google findet dazu sage und schreibe 65 Treffer – und alle davon stammen aus der Waldorf-Welt. Der Suchbegriff „Hype“ liefert übrigens 185 Millionen (!) Treffer.

Wie auch bei der Kita-Petition wird hier also gegen Probleme polemisiert, die man vorher eigens selbst erfinden musste.


Broschüre „Struwwelpeter 2.0“: Die Welt wird durch Medien atomisiert

Die Propagandamaschine läuft, und die esoterischen Mediengegner vergaloppieren sich bis ins Irrwitzige. In der Broschüre „Struwwelpeter 2.0“ behauptet man ungeachtet der sonstigen Bemühungen um Verteufelung, man wolle die „Technik niemals verdammen“, sondern „vorurteilsfrei beobachten“. Am Ende kommt man aber doch zum immergleichen Resultat, denn folgendes haben die esoterischen „Medien-Experten“ herausgefunden: Die Bildpunkte des Fernsehers, die Pixel des Computerbildschirms, die Millisekunden-Taktung der Handymasten führten zu einer „Atomisierung“, gar zu einer „Zersplitterung der Welt“! Dazu Prof. Dr. Edwin Hübner, Professor für „Medienpädagogik“ an der anthroposophischen Freien Hochschule Stuttgart:

„Diese der Medientechnik innewohnende Signatur der Atomisierung wirkt sich auch auf die Inhalte aus. Es ist ein Grundmerkmal aller Medienformen, dass sie aus der lebendigen Wirklichkeit der Welt Einzelheiten herauslösen und festhalten, die dadurch aber ihren Bezug zum Ganzen des Lebens verlieren. Die uns umgebende Medienwelt liefert uns eine zersplitterte Welt einzelner Informationen, die durch sich selbst keinen Zusammenhang mehr haben.“ (Dr. Edwin Hübner in „Struwwelpeter 2.0“, 2015)

Als wenn schwere Krankheiten, Gewalt und Drogenmissbrauch nicht schlimm genug wären – nun zerbricht an unserem Medienkonsum sogar der gesamte Planet. Auch in der anthroposophischen Wikipedia „Anthrowiki“ geht man von nicht weniger als der „Atomisierung der lebendigen Wahrnehmung“ aus:

„Bei der Fernsehtechnik geht diese Atomisierung und Erstarrung der lebendigen Wahrnehmung noch wesentlich weiter und konfrontiert dadurch unser Unterbewusstsein mit einer völlig grotesken Welt. (…) Würde man das, was das Unterbewusstsein dabei ertragen muss, bewusst erleben, verginge den meisten wohl die Lust aufs Fernsehen.“ (Anthrowiki.at, Artikel „Audiovisuelle Medien„, 2019)

Internet im Unterricht ab der 12. Klasse – aber nur die Theorie

Man will das Internet also nicht gar verschweigen, sondern es den Kindern doch irgendwie beibringen. Zuallererst und ausführlich soll also unterrichtet werden: Die Gefahren des Internets. Dazu der Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, Henning Kullack-Ublick:

„Haltet die Kinder bis zum 12. Lebensjahr von Computern fern!“ (Henning Kullack-Ublick bei Xing)

Es soll also auch die Nutzung des Internets unterrichtet werden, sobald sich am Ende des „dritten Jahrsiebtes“ der „Astralleib“ voll entwickelt hat – also ab der 12. Klasse. Und dann auch nur in der Theorie:

„In der 12. Klasse ist dann auch das Internet in seinem prinzipiellen Aufbau zu behandeln.“ (Henning Kullack-Ublick bei Xing)


Aktion „Medienfasten“: Esoterik, Pseudomedizin und ein fragwürdiges Institut

Anthroposophische Pseudomediziner versuchen vehement, allen Formen von digitalen Medien durch Spekulationen und Falschaussagen zu verteufeln. Der neueste Coup ist die Aktion „Medienfasten gegen die Mediensucht“. Das „Medienfasten-Team“ besteht sowohl aus Ärzten, die dem esoterischen Glauben der Anthroposophie anhängen, als auch Ärzten des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, die wiederum in Teilen ebenfalls anthroposophische „Mediziner“ sind. Die auf Hellseherei basierende Anthroposophie hat dabei natürlich mit herkömmlicher Wissenschaft nichts zu tun.

„Zurzeit haben die meisten Kinder schon im Grundschulalter ein eigenes Handy; Tendenz steigend. Mit den großen Chancen der Digitalisierung gehen für Kinder allerdings erhebliche gesundheitliche Risiken einher. Kinder sind in der Entwicklung ihrer kognitiven, sensomotorischen und emotionalen Fähigkeiten gefährdet, bis hin zur Entstehung von Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes und ADHS.“ (Aktion Medienfasten, 2019)

Ob es dafür wohl einen Beleg gibt? Spoiler-Alarm: Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Nicht die „meisten“, sondern die „wenigsten“ Grundschüler haben ein Handy. Laut dem führenden Statistik-Portal Statista besaßen 2017 nur 6% der Grundschüler von 6-7 Jahren ein Handy, in der Altersgruppe 8-9 Jahre waren es 18%.

  • Betrachten wir die Aussage: „Durch die Digitalisierung entsteht Fettsucht“. Fakt ist: Das ist falsch. Adipositas ist eine Stoffwechsel- und Ernährungskrankheit. Passives Verhalten kann, wie Bewegungsmangel, Adipositas höchstens „begünstigen“. Es wird nicht einbezogen, dass digitale Medien auch zum Bewegen anregen können (Pokemon Go, WII Sports etc.).
  • Aussage: „Durch die Digitalisierung entsteht Diabetes“. Fakt: Das ist falsch. Diabetes ist eine weitgehend genetisch bedingte Stoffwechselstörung. Anders als Typ 1 kann Diabetes Typ 2 durch regelmäßige leichte Bewegung positiv beeinflusst werden. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass man sich aufgrund von Medienkonsum gar nicht mehr bewegen würde.
  • Aussage: Durch die Digitalisierung entsteht ADHS. Fakt: Das ist falsch. ADHS ist zu 70-80% vererblich. Als weitere Ursache gelten biologische Faktoren sowie Umwelteinflüsse.

Weiter heißt es:

 „91 Prozent der befragten Lehrer und Lehrerinnen bezeichneten (…) die mediale Reizüberflutung durch Fernsehen, Computer und Co. als wichtigsten Stressfaktor. Nicht zuletzt deshalb orientiert sich die Waldorfpädagogik an dem Leitsatz, dass eine frühe Medienabstinenz die Grundlage für spätere Medienmündigkeit darstellt.“ (Erziehungskunst)

Die zitierten „Studien“ der Krankenkasse DAK sind das Ergebnis einer telefonischen „Lehrer-Befragung“, die das Meinungsforschungsinstitut „Forsa“ unter der Leitung von Prof. Manfred Güllner durchgeführt hat. Dass Güllners Name auf Seite 1 seiner eigenen Forsa-Präsentation falsch geschrieben ist, kann man als Hinweis auf die Qualität der Befragung verstehen. Der Leiter von „Forsa“ ist umstritten – seine Aussagen gelten bei Kritikern als „polemisch“, „unseriös“ und „bizarr“, als „grotesk“ oder schlicht als „Unfug“. Güllner „vermische die ermittelten Daten mit persönlichen Ansichten, woraus sich ein Cocktail ergebe, der seriös und unabhängig aussehe, doch voller Meinung stecke.“ (Der Spiegel, „Zahlen aus der Hexenküche“, 2007).

Umfragen von Forsa sind mit äußerster Vorsicht zu genießen“, urteilt die Tagesschau. Schon mehrfach wurde Forsa vorgeworfen, Telefonumfragen zu manipulieren.

Die DAK selbst gilt als eine der Esoterik am stärksten nahestehenden Krankenkassen, da sie die Kosten für eine große Anzahl pseudomedizinischer Mittelchen und Verfahren übernimmt: Akupunktur, Chiropraktik, Homöopathie, Kinesio-Taping, Osteopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Tai-Chi und Qi Gong, und natürlich auch die anthroposophische „Medizin“.

Interessant sind auch die Gegensätzlichkeiten in der Pressemitteilung zur Studie. So beginnt ein Abschnitt mit „Besonders alarmierend sei der Zusammenhang zwischen Social-Media-Sucht und Depressionen“, um dann im nächsten Satz zu schließen: „Über Ursache und Wirkung haben wir noch keine Erkenntnisse“.

Was für eine Mischung: Zweifelhafte Pseudomediziner esoterischen Glaubens, eine den Hokuspokus finanzierende Krankenkasse und ein in Verruf geratenes Institut. Aber gehen wir von Ideal aus: Die Umfrage wäre korrekt durchgeführt und würde repräsentativ die Meinung der deutschen Lehrer wiedergeben. Sind diese ausgebildet, über den Gesundheitszustand der Kinder zu urteilen? Und auch über die Ursachen dieser vermeintlichen Krankheiten?

Die Initiatorin vom „Medienfasten“, Dr. Silke Schwarz von der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte, empfiehlt im Internet ihrerseits die Meditationstechniken nach Rudolf Steiner („Sternenwege“, „Adlerflug“, „Pusteblumen-Zauber“).

Hier schließt sich der Kreis: Rudolf Steiner ging davon aus, dass man durch Techniken, wie auch Frau Schwarz sie empfiehlt, zum Hellseher werden könnte (Rudolf Steiner, „Aus der Akasha-Chronik“). Und dabei, wir erinnern uns, stören die bösen „Strahlen“ die Botschaften aus „höheren Welten“.


Internationale Waldorf-Konferenz – Vorsicht vor den Kinderphishern

Auch die „Internationale Konferenz der waldorfpädagogischen Bewegung“ diskutierte im November 2018 über Medien. Das Ergebnis stand wohl schon vorher fest, denn das Motto lautete: „Erst die reale Welt, dann die analoge und dann die digitale“.

Man setzt sich dabei für eine „entwicklungsorientierte Medienpädagogik“ ein. Verklausuliert meint man hier wohl wieder die anthroposophischen „Entwicklungsstufen“ mit Ätherleib, Astralleib und Co. sowie die esoterische Jahrsiebtelehre.

„Digitale Technologien haben ein faszinierendes Potenzial. Zu ihnen gehören gleichzeitig Missbrauch durch Mobbing oder Phishing sowie Risiken wie Suchtverhalten. Die waldorfpädagogische Bewegung setzt sich für eine Medienpädagogik ein, die Kinder und Jugendliche schrittweise für die digitale Welt reif macht.“ (Waldorf International)

Wie immer sind stehen also „Gefahren“ im Vordergrund. Dass gerade die Waldorfschulen mit ihrem massiven hausgemachten Mobbing-Problem vor Mobbing warnen, ist ironisch genug. Die Waldorfpädagogik meint: Hätte das Kind nicht selbst in seinen vorherigen Leben Verfehlungen begannen, würde es heute ja nicht gemobbt werden – und zur Reinigung seines Karmas darf man das Mobbing auch nicht unterbinden.

Wer aber meint, Kinder könnten Ziel von Phishing-Attacken werden, beweist nachdrücklich, dass er vom Internet keine Ahnung hat, keine Ahnung haben will und auf trotzige Weise obendrein noch stolz darauf ist. Kurz: Beim „Phising“ versuchen Hacker zum Beispiel, mittels gefälschter E-Mails Zugangsdaten zum Onlinebanking zu stehlen. Es gibt wohl kaum ein Problem im Internet, von dem Kinder weniger betroffen sind.


Medienkonferenz gegen Finanzamerikanertum und androide Roboter

Auf einer Medien-Konferenz im Mai 2018 in Prag diskutierte man bei Waldorfs nicht weniger als den „Angriff“ der „kommerziellen Digitalisierung auf das Bildungswesen“. Wie schlimm die Bedrohung ist, wurde gleich am Anfang klar: Hier ist der Teufel ist im Spiel!

„In einem einleitenden Beitrag stellte Dusan Plestil ein Bild des heiligen St. Prokop hin, der mit Hilfe des Teufels pflügt und erläuterte daran die Bildungssituation in Tschechien.“ (Pädagogische Sektion am Goetheanum, 2018

Wie sehr muss man sich als Esoteriker von Technik bedroht fühlen, um im wahrsten Sinne des Wortes den Teufel an die Wand zu malen?

Weiter rief man in Prag nach einem „Aufbruch“, nach einer „Charta der Freiheit in Kultur und Bildung“. Man forderte „Freiräume“, um „entsprechend der kindlichen Entwicklung“ den Umgang beispielsweise mit den, Achtung und festhalten bitte, „Androiden Robotern“ zu erlernen. Kurze Denkpause: Wann hatten Sie selbst den letzten Kontakt mit so einem täuschend menschlich aussehenden Roboterwesen? Befürchten die Anthroposophen hier eine Art garstigen Homunkulus, einen künstlichen Menschen also, der als dämonischem Helfer dient?

Leise klopft hier auch der Antiamerikanismus an: Die europäische Bildungspolitik wird laut den Waldorfs von finanzmächtigen Amerikanern und Ihren Medienkonzernen bestimmt:

„Bildungspläne werden immer weniger von Lehrern, Eltern oder dem Staat entwickelt., Sie werden vielmehr aus Marktbedürfnissen und medieneigenen ”Zeitforderungen” diktiert. Globalen Medienkonzernen formulieren sie überzeugend. (…)  Das Bild eines Menschen entstand, der nur noch Data ist, intelligent erscheint, aber steuerbar und manipulierbar ist.“ (Pädagogische Sektion am Goetheanum, 2018


Anthroposophen-Lobby gegen „Zwangsdigitalisierung“ und „Maschinensklaven“

Die anthroposophische Lobby-Organisation ELIANT fordert unter der Führung von Michaela Glöckler Bildschirm-, Smartphone-, Tablet- und WLAN-freie Schulen und Kindergärten.

Die verquere Esoterik dringt dabei durch jeden Satz: „Wahlmöglichkeiten in Gefahr!“ meint, die Wahl, Digitales eben nicht zu nutzen. Man fordert „sich an den Gesetzmäßigkeiten der körperlichen und seelischen Entwicklung zu orientieren“, also an den eigenen Vorstellungen von Reinkarnation und übersinnlichen Entwicklungsstufen. Kinder sollen sich „Gesund in Raum und Zeit verankern“ – ja, anstelle von was bitte? Dem unkontrollierten Schweben durch alle vier Dimensionen? Mit weniger als „Zwang“ und „Sklaventum“ wird auch hier nicht argumentiert:

„Nein zur Zwangsdigitalisierung des Unterrichtes!“ (ELIANT, 2019)

„Wir wollen unser Kinder [sic!] nicht zu technisch versierten Maschinensklaven erziehen.“ (Paula Bleckmann, 2012)

„Der menschliche Körper ist nicht digital, sondern gehört der realen Welt an. Er wird missbraucht, wenn er sich einer virtuellen Welt anzupassen hat – bevor der sich in ihm entwickelnde Mensch seine seelischen und geistigen Potentiale entfalten konnte. Das befürchten wir bei einer Digitalisierung von Kitas und Grundschulen.

Kein Mensch wird satt von Bits und Bytes. Genauso wenig kann ein Kind im virtuellen Raum eine gesunde körperliche, seelische und geistige Reifung vollziehen.“ (Eliant, 2019)

Die Verweigerungshaltung ist bei „Eliant“ Programm: „Es geht uns um die Entscheidungsfreiheit, Medien zu nutzen oder nicht zu nutzen.“. Initiator Peter Hensinger stellt fest:

„Noch mehr wäre der Gesetzgeber gefragt, der bisher leider nach der Pfeife der Konzerne tanzt.“ (Peter Hensinger, „Heimliche Krankmacher“, Erziehungskunst, 2017)

Die Petition, die bis Ende 2019 eine Million Unterschriften sammeln will, fand bis März 2019 rund 30.000 UnterzeichnerInnen.

Es bleibt dabei: Offenbar wollen junge Menschen gar keine digitale Technik. Vielmehr wird ihnen diese von gierigen und mächtigen Lobbygruppen aufgezwungen:

„Erwin Hübner: Wir haben sozusagen eine offizielle [Diskussion], die durch das Marketing der großen IT-Unternehmen beherrscht wird (…).

Erziehungskunst: Das heißt, Lobbyisten haben ihre Finger im Spiel, und es geht um ganz viel Geld.

Erwin Hübner: Ja, und dagegen wenden sich auch die öffentlichen Aktionen.“ (Erziehungskunst, „Die Digitalisierung fordert die Waldorfpädagogik als Ganzes heraus“, 2019)


Fazit: Digital-STEINER? NEIN!

Digital-Experten anthroposophischen Glaubens sind sich sicher: Die „Medien“ sind böse. Die „Bildschirme“ sind es auch. Ihr Guru, der Hellseher-Rudi, hat es vorausgesehen. Digitales ist schlecht für die Seele und schlecht für Astral-, Äther- und sonstige Leiber. Dämonen, Geister und Naturwesen bevölkern unsere technischen Geräte. Der einzig sichere Weg für Kinder und Jugendliche, technische Geräte ohne Gefahr zu nutzen ist: es nicht zu tun. Nutzen sie sie doch, drohen Gewalt und Verbrechen, Krankheit und Drogensucht.

Arhrimanisch-technische Computer

Vielleicht sollte man Kinder und Jugendliche zu allererst vor dem schizophrenen Geschwafel des Hellsehers Rudolf Steiner fernhalten. Dessen Gesamtwerk steht ja kostenlos im Internet zur Verfügung, was eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle darstellt: Es drohen Realitätsverlust und das Abrutschen in okkulte Esoterik.

„Gelegentlich wird von sich besonders esoterisch gebenden Anthroposophen der Standpunkt vertreten, man dürfe etwas so Heiliges und Kostbares wie das lebendige Geisteswort Rudolf Steiners nicht so einem “ahrimanisch-technischen” Medium wie dem Computer und dem Internet anvertrauen.“ (Günter Kreidl, „Das Werk Steiners im Computerzeitalter“)

Dem kann man sich nur anschließen.


Siehe auch:

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 1) – Telefgrafie, elektrisches Licht, Grammophone und Schreibmaschinen

Technikfeindlichkeit bei Waldor und Co. (Teil 2) – Der Fernseher

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 3) – Computer, Smartphone, Internet und WLAN

2 Gedanken zu “Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 3)

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