Der Hamburger Verlag „Handwerk und Technik“ führt Erzieher in die Grundlagen der Waldorfpädagogik ein. Die zugrunde liegende esoterische Weltanschauung bleibt unerwähnt, der Schulgründer wird zum Universalgenie verklärt.
Literatur aus einem Erzieher-Seminar in Wiesbaden, Hessen, September 2020
Mit den Worten „Rudolf Steiners Leben ist geprägt von vorwärtsstrebendem Schaffen“ eröffnet der Verlag für Berufsbildung Handwerk und Technik ein Kapitel über Waldorfpädagogik im „Lehrerhandbuch Erzieherausbildung„, das im September 2020 an einem Wiesbadener Erzieher-Seminar zum Einsatz kam.
„Vorwärtsstrebendes Schaffen“? Das ist nur eine der verklärenden Phrasen, die der Verlag der esoterischen Weltanschauung Anthroposophie des Hellsehers und Okkultisten Rudolf Steiner entnommen hat. Erwähnt werden die Anthroposophie oder die hellseherischen Grundlagen der Reformpädagogik jedoch nicht. Offenbar versteht der Verlag sein eigenes pädagogisches Handwerk nicht.
Standbild „Wie gut sind Waldorfschulen?“ aus der SWR-Reihe „betrifft“, 2006
2006 zeigte eine kritische SWR-Dokumentation Missstände im System Waldorfschule auf. Noch während des Drehs wollte der Waldorf-Bund Einfluss nehmen.
„Wie gut sind Waldorfschulen?“. Der Film des Grimme-Preis-Trägers Dietrich Krauß fragt, was Waldorfschulen so attraktiv macht – und ob sie wirklich die bessere Alternative sind?
Der Film ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten. In der ARD-Mediathek ist er zwar nicht zu finden, seit kurzem kann man ihn aber im Video-Portal YouTube sehen (Teil 1/3 | Teil 2/3 | Teil 3/3).
Dokumentation „Wie gut sind Waldorfschulen?“ aus der SWR-Reihe „betrifft“, 2006 Auf Youtube: Teil 1/3 | Teil 2/3 | Teil 3/3
Der Bund der Freien Waldorfschulen hatte noch während der Entstehung des Films versucht, auf die Darstellung Einfluss zu nehmen. Das ist bezeichnend für den Umgang der Waldorfschule mit Kritik:
„Das Vorgehen ist jedesmal das gleiche: Sobald in einer größeren Zeitung oder einem Fernsehsender ein Beitrag über Waldorfschulen läuft, der nicht ausschließlich affirmativ berichtet, setzt die Dachorganisation der Waldorfschulen alle Hebel in Bewegung, die Berichterstattung zu unterbinden oder, falls sich dies als unmöglich erweist, die betreffenden Journalisten zu diffamieren.„ (Gunnar Schedel, „Waldorfschulen gegen Informationsfreiheit„, Humanistischer Pressedienst, 2007)
Die gut recherchierte Dokumentation bietet ungewohnte Einblicke in das System Waldorfschule. Es ist an der Zeit, sie noch einmal ausführlich zu besprechen.
Stellen Sie sich folgende Szene vor: Vierzig in Rottönen gekleidete Kinder sitzen auf roten Kissen in einem roten Raum mit roten Vorhängen und roten Türen. Im Chor sprechen die Kinder einen Text über „der Seele Geistesmacht“:
„Der Sonne liebes Licht, Es hellet mir den Tag; Der Seele Geistesmacht, Sie gibt den Gliedern Kraft; Im Sonnen Lichtes Glanz Verehre ich, 0 Gott, Die Menschenkraft, die Du In meine Seele mir So gütig hast gepflanzt, Daß ich kann arbeitsam Und lernbegierig sein. Von Dir stammt Licht und Kraft, Zu Dir ström‘ Lieb‘ und Dank.“
Vielleicht vermuten Sie zuerst, hier dem Treffen einer Sekte zuzusehen. Und damit lägen sie nicht mal ganz falsch. Die dargestellte Schule ist eine Steiner-Schule, eine Waldorfschule. Den von den Kindern auswendig gelernten, christlichen Ritualtext hat der Schulgründer verfasst: Der Hellseher und Okkultist Rudolf Steiner. Die Kamera dringt hier in eine Welt vor, die die Waldorfschulen sonst nur sehr ungern zeigen. Doch die Waldorfschule allein entscheidet, was wir von ihr sehen dürfen.
„Was an der Waldorf-Schule in Zagreb entdeckt wurde, ist skandalös. Die
Eltern der Schülerinnen und Schüler sprachen über die Traumata ihrer
Kinder, verursacht durch den Missbrauch an dieser alternativen
Pädagogikschule. (…)
Nach
Angaben der Eltern der Schüler der Waldorfschule in Zagreb wurden die
Kinder in Toiletten oder anderen Räumen eingeschlossen, sie erhielten
Klapse, sie
erlaubten Gewalt unter Kindern, zwangen sie, Hakenkreuze und Kirchen
mit einem umgedrehten Kreuz zu zeichnen.
Im
Religionsunterricht waren die Kinder davon überzeugt, dass es Zwerge
gab, dass die Kristalle die Macht hatten und dass “Satan ein guter Gott
ist, der die
Welt mit dem anderen Gott teilte”, sagen Eltern.
“In
Religion wurde meinem kleinen Mädchen beigebracht, dass zwei
Jesuskinder geboren wurden. Und als ein Junge von ihr geschlagen wurde,
wurde der Versuch
eines anderen Jungen, ihr zu helfen, mit den Worten verhindert: "Lass
sie, sie hat sicherlich etwas getan.“. "Sie indoktrinieren Kinder auf
nebulöse weise“, sagte einer der Eltern.
Vecernji
List schreibt, dass sowohl das Ministerium für Wissenschaft, Bildung
und Sport zahlreiche Beschwerden von Eltern über Ereignisse an der
Waldorfschule
erhalten habe. (…) Der provisorische Direktor Ivančica Puškarić,
nannte die Anschuldigungen
"böswillige Erfindungen”.“
(Index.hr)
“Es hat auch keinen Sinn, die Tür zu schließen, wenn das Kind sie alleine aufmachen kann. Man muss mit Bedacht zuschließen oder einen Besenstiel für die Türklinke bereithalten. (…)
Kinder, die das Licht selber anmachen, hindert man durch das Abschalten der Sicherung daran. (…)
Die Behandlung (…): Bei Kerzenschein wird ein Lied gesungen oder ein Stück auf der Kinderharfe oder Kantele gespielt oder auf der Flöte geblasen.” (Michaela Glöckler)
Quelle:
Die führende “anthroposophischen Ärztin” Michaela Glöckler über Kinder von 18 Monaten, die beim Einschlafen “Theater machen”. Aus: “Kindersprechstunde” von Michaela Glöckler und Wolfgang Goebel, Seiten 508-509.
Kritik an Spitzers abstrusen Thesen gibt es schon lange. Nun
hat sich die Süddeutsche Zeitung dem Schaffen des Medienverdammers gewidmet.
Titel: „Über
einen, der aus Ängsten Geld macht“
„Spitzers Thesen sind wissenschaftlich mindestens
umstritten, oft interpretiert er Zahlen einfach so, wie es ihm passt. (…) Nach
Abgleich mit Dutzenden Meta-Analysen fänden sich “keine Belege” für
die meisten von Spitzers Thesen. (…) Manfred Spitzer scheint Fakten nur noch
als wabernden Hintergrund für die Präsentation seiner Wahrheit zu brauchen.“
(Süddeutsche Zeitung)
Wenig Beachtung findet leider Spitzers Verbrüderung mit der verschrobenen
Glaubensgemeinschaft der Anthroposophen, die mit Ihren Waldorfschulen und –kindergärten,
Demeter-Biohöfen und der esoterischen Weleda-Kosmetik großen Einfluss auf viele
„alternative“ Familien hat. Schon der Gründer der Anthroposophie, der Hellseher
und Okkultist Rudolf Steiner, befürchtete dass neumodische Telegrafenmasten die
„Kommunikation mit höheren Welten“ stören würden. Folgerichtig sind seinen Jüngern TV und PC, Smartphone und Tablet verhasst.
Da wächst zusammen, was zusammen gehört – ist es doch in der
technikfeindlichen Waldorfbewegung teilweise noch immer verpönt, einen
Fernseher zu besitzen. Computer sind im schlimmsten Fall „des Teufels“, oder im
besten Fall von Geistern bewohnt. Und dieses „Internet“ sollte Schulkindern
höchstens ab der 12. Klasse näher gebracht werden – aber auf Anraten des Bundes
der Freien Waldorfschulen selbstredend „nur in der Theorie“.
“Tatsächlich sind der Rassismus, die Entwicklungslehre, die
Geschichtsphilosophie und die übrigen Bausteine des Zeitgeists des
späten 19. Jahrhunderts, die Steiner zu einer eigenen Weltanschauung
amalgamiert hat, so eng verbunden, dass man da nicht nur ein ‘bisschen’
Waldorf sein kann. Allerdings machen die Waldorfschulen das schon
geschickt: Sie fallen nicht mit der Tür ins Haus, sie unterrichten nicht
direkt aus Steiners Werken, sondern sie lassen ihre Weltanschauung eher
still und heimlich in ihre Arbeit einfließen, in ihre
Kinderwahrnehmung, in ihre Auswahl der Unterrichtsinhalte usw. Ähnlich
wie auch bei anderen Sekten ist das ein schleichendes Gift, dessen
Wirkung man oft erst merkt, wenn es fast zu spät ist. (…)” (Stefan T. Hopman)
Quelle: Der Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Stefan T. Hopman im Interview. (via Ruhrbarone)
„Ich
beabsichtige, Pädagogik, Psychologie und Germanistik zu studieren. Zur
Begründung dieses Studiums möchte ich sagen, daß ich in Oldenburg eine
katholische Schwesternschule
besuchte, da die städtische Mädchenoberschule bei meinem Eintritt in
die höhere Schule, Ostern 1946, bereits überfüllt war, und daß ich im
Winter 1950/51 die Rudolf-Steiner-Schule in Wuppertal besuchte. Beide
Schulen haben mich durch die Eigenwilligkeit ihrer
Erziehungsform aufmerksam gemacht auf die Wichtigkeit der
Erziehungsfragen überhaupt. (…)
Ich glaube, daß ein fruchtbares
Studium der Pädagogik nur möglich ist, wenn man es auf der Grundlage der
Erkenntnisse der Psychologie aufbaut. (…)
Außerdem glaube
ich, daß die Fragen der Erziehung und Menschenbildung nicht zu trennen
sind von ihren geistesgeschichtlichen Herkünften und Zusammenhängen.“
(Ulrike Meinhof)
“Vor fast 180 Jahren schrieb Johann Nestroy ein Stück über die vier
Temperamente, die sich in Form von vier verschiedenen Familien auf ein
Haus verteilen: die Choleriker, die Melancholiker, die Sanguiniker und
die Phlegmatiker. Die achte Klasse der
Waldorfschule Wernstein brachte dieses Stück nun auf die Bühne des
Kulmbacher Mönchshofs, traditionell zum Ende der Klassenlehrerzeit.
(…)
Ein ganzheitliches Schulprojekt, an das sich sicher noch alle Beteiligten lange erinnern werden.“ (InFranken)
“Sehen Sie, die Waldorfschule, und überhaupt jede Schule, die aus
anthroposophischer Bewegung hervorgehen würde, legt natürlich keinen
Wert darauf, etwa Anthroposophie den Kindern beizubringen, in
der Form wie sie heute da ist. (…)
Wenn also der
Lehrer als Anthroposoph in die Schule kommt, so ist er ein geschickter
Mensch geworden, und er handhabt eine pädagogisch-didaktische Kunst,
und auf diese pädagogisch-didaktische Kunst kommt es an. Also eine
methodische Schule soll gerade die Waldorfschule sein, und das
Methodische soll herausgeholt werden aus der anthroposophischen
Weltanschauung.” (Rudolf Steiner)
Quelle:
Rudolf Steiner – “Die gesunde Entwickelung des Menschwesens” (Gesamtausgabe Band 303, S.143f)
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