WDR-Dokumentation: Wenn Rechtsextreme freie Schulen unterwandern

Eine Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks zeigt Fälle auf, in denen Rechtsextreme freie Schulen wie die Waldorfschule unterwandern. Brisant ist der Fall einer Waldorfschule in Minden: Schülerinnen enttarnten einen rechtsextremen Lehrer, doch die Schule reagierte lange Zeit nicht darauf.

An der freien Waldorfschule Minden war ein Lehrer über Jahrzehnte hinweg fest in rechtsextreme, nationalistische und völkische Strukturen eingebunden. Und es ist nicht der einzige Fall an freien Schulen.

Keine Noten, wenig Leistungsdruck, die Entfaltung der Persönlichkeit. Pädagogische Grundsätze freier Schulen. In einer Waldorfschule im nordrhein-westfälischen Minden gerät all das 2015 ins Wanken, als ein Rechtsextremer Lehrer auffliegt.“ (WDR Fernsehen – „die story: Wenn Rechtsextreme freie Schulen unterwandern„, 27.01.2021)

Aufgefallen sei der Rechtsextremismus des Lehrers erst nach Jahrzehnten – nachdem Schülerinnen der Waldorfschule ihn im Internet gefunden hatten. Sein Name tauchte in einem Artikel über einen Friedhof auf, auf dem sich Alt-Nazis beerdigen lassen. Wolf-Dieter Schröppe, Waldorflehrer für „Handwerk und Künstlerisches“ war Vorsitzender des Trägervereins des Friedhofs.

Lehrer und Erzieher, die ihre politische Gesinnung in die Schule tragen. Pädagogen, die als Rechtsextremisten enttarnt werden. Lehrende, die mit Kriegsverbrechern in Verbindung stehen, sich im Umfeld völkischer Gemeinschaften oder auf rechtsnationalen Aufmärschen zeigen – das sind längst keine Einzelfälle mehr.

Schülerinnen enttarnen rechten Lehrer – Schule reagiert lange nicht

Der Lehrer Schröppe sei nicht nur bei Schüler_innen, sondern auch im Kollegium der absolute „Lieblingslehrer“ gewesen. Die Schule hätte die rechte Gesinnung des Lehrers aber, so sie gewollt hätte, sehr schnell erkennen können – er habe auch keine Anstalten gemacht, diese zu verbergen. Die Schülerinnen wenden sich mit ihren Recherchen an das Lehrerkollegium. Sie finden kein Gehör.

Der spätere Waldorflehrer hatte als Hausmeister an der Schule angefangen und sich zum Handwerkslehrer hochgearbeitet. Er habe sich allseits Vertrauen geschaffen und eine „feste Burg“ im Schulsystem errichtet. Lehrer an freien Schulen zu kritisieren sei schwer – sie seien Respektsperson und oft auch Freunde. Schülern, die Missstände berichten, würde oft nicht geglaubt.

Freie Schulen seien für eine schleichende Unterwanderung durch Rechtsextreme gerade durch die freie Selbstverwaltung und weitgehendes Mitspracherecht besonders anfällig, so die Dokumentation. Ein Einfallstor sei besonders die „enge persönliche Anbindung von Eltern und Lehrern„, so die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Gabi Elverich. Es gebe generell weniger innerschulische Kontrollmechanismen als in staatlichen Schulen.

Waldorflehrer Wolf-Dieter Schröppe mit NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke

Die Schülerinnen fanden auch ein Foto aus einer deutschen Schule in Argentinien von 1992. Darauf sieht man ihren Lehrer zusammen mit dem NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke. An der vom Holocaust-Leugner Priebke betriebenen Schule feierte man Führers Geburtstag und stand stramm zum täglichen Fahnenappell. Nur drei Jahre später war Schröppe an der Waldorfschule Minden tätig.

Und nicht nur dort: Laut Recherchen der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus NRW war Schröppe Aktivist und Autor in extrem rechten, völkischen und neonazistischen Netzwerken. Er hatte auch Kontakt zu Mitgliedern der rechtsextremen Partei AfD und der Identitären Bewegung.

Als die Beratungsstelle die Eltern- und Lehrerschaft diese Fakten zeigt, streiten „führende Teile des Kollegiums“ schlicht ab, dass es eine „rechtsextreme Gesinnung ihres Kollegen“ geben könne. Von Lehrerseite sei „ganz klar manipuliert“ worden, gegen die Eltern gearbeitet und dem Rechtsextremen sogar demonstrativ das Vertrauen ausgesprochen worden. Wer kritische Fragen gestellt hat, stand wie vor einer undurchdringlichen Wand. Auch Dr. Gabi betont, es wäre ein oftmals langer Weg, um die Aufmerksamkeit der Schulaufsicht zu erringen.

Der Bund der Freien Waldorfschulen gibt sich dabei handlungsunfähig. So meint Wilfried Bialik von der Landesarbeitsgemeinschaft Waldorf NRW:

Wir haben keine Möglichkeit, direkt in Arbeitsverträge und sonstiges von Schulen einzugreifen. Die Schulen sind gemeinnützige Vereine, die sind von Eltern und Lehrern selber organisiert, und alle Maßnahmen, die da getroffen werden, können und dürfen nur von der Schule getroffen werden.“

Die Waldorfschule Minden reagierte nur schleppend auf Forderungen der Eltern, den Lehrer zu entlassen. Die Eltern liefern Sturm beim Bund der Freien Waldorfschulen, der dem ständigen Druck kritischer Eltern und schlussendlich dem Druck der Presse-Berichterstattung nachgibt, und die Forderung nach Entlassung unterstützt. Der Rechtsextremist Schröppe musste gehen – und erhielt zum Abschied noch eine Abfindung in unbekannter Höhe.

Betroffene Eltern nahmen Kontakt zu Eltern anderer freier Schulen auf – und trafen dort auf identische Mechanismen: Wer Probleme benennt, wird selbst zum Problem.

Es war tatsächlich bei vielen Telefonaten so, dass man die Sätze des anderen ergänzen konnte. Die Strukturen scheinen weitreichend sehr ähnlich zu sein. Es geht immer um Lagerdenken, immer „wir“ und „die“, um Ausgrenzung, um Vereinzelung von Leuten, Unterdrückung von Kritik, um Mobbing von Kollegen, Mobbing von Kindern… die Leute haben alle sehr viel Angst.

Rechtsextreme Umtriebe auch an anderen freien Schulen

Die Dokumentation zeigt auch Verbindungen anderer freier Schulen zu Rechtsextremen auf. So bestanden Kontakte zwischen dem Rechtsextremisten, Holocaust-Leugner und ehemaligen Waldorflehrer Bernhard Schaub und der waldorfpädagogisch tätigen „Freien Schule am Elsengrund“, die seit mindestens 2013 bestanden haben und vermutlich noch heute bestehen sollen.

An der Schule, die als Waldorfschule gestartet war, sei 2019 auch der rechtsextreme Holocaust-Leugner und selbsternannte „Volkslehrer“ Nikolai Nerling zu Besuch gewesen. Mittlerweile wurde bekannt, dass die Schule seit 2013 kein offizieller Aufnahme-Kandidat des Bundes der Freien Waldorfschulen mehr ist. Sie arbeitet weiterhin nach waldorfpädagogischen Grundlagen.

Am „Elsengrund“ sollen laut Aussagen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Unterrichtsinhalte zur Geschichte des Nationalsozialismus „systematisch weggelassen oder ausgeblendet“ werden. Die Schulleitung reagiert vehement und spricht in einer Pressemitteilung von „Verleumdungen“ und „aberwitzigen Vorwürfen“. Man beruft sich darauf, von der Schulaufsicht geprüft worden zu sein. Die habe aber „zunächst keine Anhaltspunkte im Hinblick auf eine Beeinflussung von Schülerinnen und Schülern“ gefunden.

Im März 2021 wurde bekannt, dass der Holocaust-Leugner Schaub noch 2018 ein Seminar vor Lehrern der „Schule am Elsengrund“ leiten durfte – obwohl seine rechtsextreme Gesinnung da schon seit mindestens 5 Jahren bekannt war [siehe Nachtrag am Ende des Textes].

Waldorf-Anhänger bezeichnen Dokumentation als linksextreme Propaganda

Die Reaktionen auf die WDR-Dokumentation aus Teilen der Waldorf-Welt erstaunen und erschüttern zugleich. Sie offenbaren die selbe Faktenleugnung, die auch im Bericht zu Sprache kam. Im internen Telegram-Chat der Gruppe „Waldorf v.a. Hessen kritische Lehrer&Eltern“ heißt es, der Bericht über rechtsextreme Umtriebe an Waldorfschulen sei „linksextreme Propaganda“.

Ich sehe diese Propaganda auch schon seit Jahren stärker werden. Auf der anderen Seite wird natürlich derzeit auch deutlich, wie sehr andere Parteien / Apparate / Systeme linksextrem unterwandert sind

Für den bekannten rechtsextremen Verschwörungsideologen Attila H. ist der Bericht „kommunistische Hetze“.


Nachtrag 10. März 2021:

Tagesspiegel: Verbindungen von Holocaust-Leugner zu Mahlsdorfer Schule enger als bekannt

Aus einer Anfrage der Grünen-Abgeordneten June Tomiak an die Bildungsverwaltung geht laut dem „Tagesspiegel“ hervor, dass die waldorfpädagogisch orientierte „Freie Schule am Elsengrund“ in Berlin-Mahlsdorf engere Kontakte zum Holocaust-Leugner und ehemaligen Waldorflehrer Bernhard Schaub hatte, als bisher bekannt war. Schaub hielt ein Seminar für die Lehrer – viele Jahre, nach dem seine rechtsextreme Gesinnung der Schule bekannt wurde.

Die Freie Schule am Elsengrund in Berlin-Mahlsdorf hat zu dem Rechtsextremisten Bernhard Schaub weiter reichende Kontakte unterhalten als bislang bekannt. Das geht aus einer Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten June Tomiak hervor, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt.

Demnach führte der Schweizer noch im April 2018 eine Fortbildungsveranstaltung für das Lehrerkollegium der Schule durch. Es habe sich dabei um ein „Sprachgestaltungsseminar“ gehandelt, teilte Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) mit. (…)

Schule kennt rechtsextremistische Aktivitäten seit 2013: Dass sie ihr Lehrpersonal durch einen ausgewiesenen Rechtsextremisten schulen ließ, war der Leitung zu diesem Zeitpunkt längst bekannt. (…)

Rechtsextremist Schaub baut derweil weiter auf den Elsengrund: Seit Oktober 2019 besucht eine seiner Töchter wieder die Freie Schule, wie Staatssekretärin Stoffers berichtete. “ (Der Tagesspiegel – „Rechtsextremist gab Seminar für Lehrer an Freier Schule in Berlin„, 09. März 2021)


Weiterlesen?

Eine Chronologie: Die Waldorfschulen und die Rechten

Anthroposophie.blog – „Der Mord an einem Nazi„. Bereits 2015 berichtete ich ausführlich über die Vorgänge in Minden. Der Waldorflehrer und Rechtsradikale Wolf-Dieter Schröppe war Mitglied im Bund deutscher Unitarier, Bund für Gotterkenntnis, Autor der sektenhaften Nordischen Zeitung, im Trägerverein der Ahnenstätte Conneforde und der Artgemeinschaft („Germanische Glaubensgemeinschaft“). Die Schule bestand auf einen „menschlich fairen Umfang“ mit dem Lehrer und lobte sein „freiheitsliebendes Denken“, in dem „Ähnlichkeiten mit der Anthroposophie“ zu erkennen sei.

Anthroposophie.blog – „Der Waldorflehrer und die anthroposophischen UFOs„: Der Heileurythmist und Waldorflehrer Herwig Duschek verbreitet auf Webseiten und Youtube-Videos den Glauben an „Reichsflugscheiben“ genannte Nazi-UFOs sowie eine „Gralsmacht“ namens „Vril“. Anfang der 40er Jahre seien laut Duschek mittels Flugscheiben Millionen Menschen in neue Kolonien geflogen worden. Das deutsche Kaiserreich hält der Waldorflehrer „für einen Teil der Verschwörung gegen den Deutschen Geist„, so der Religionsphilosoph Ansgar Martins.

Anthroposophie.blog – „Kein Unterscheid zwischen Waldorf und der NPD„. Der heutige Aussteiger und ehemalige Rechtsextreme Andreas Molau war seit den 1990er Jahren rechter Autor und Funktionär in zahlreichen rechtsextremen Parteien und Verbänden. In Braunschweig war Molau von 1996-2004 Waldorflehrer für Deutsch, Geschichte und Politik, wie der Stern berichtet. In einem Interview betonte er, es gäbe für ihn „keinen fundamentalen Widerspruch zwischen Waldorfpädagogik und NPD.“. Auch sei er in der Schule nicht etwa „enttarnt“ worden, sondern habe sich im Gegenteil „nie versteckt“. Eltern geben an, Molau hätte sogar offen Hakenkreuze an die Tafel gemalt.

Anthroposophie.blog – „Von Holocaust-Leugnern und Wichtelmännern„: „Mit ihren Verharmlosungen schaffen die Anthroposophen seit Jahrzehnten ein Biotop für Rassisten, die sich auf Rudolf Steiner beziehen und in einigen Fällen an den Schulen sogar als Lehrer arbeiteten. Der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub unterrichtete jahrelang an einer Aargauer Steiner-Schule die Fächer Geschichte und Deutsch. Und verschiedene anthroposophische Buchverlage publizieren bis heute Schriften von Holocaust-Verharmlosern, die den Massenmord als «karmische Notwendigkeit» erklären.“ (Weltwoche, 2008)

Waldorfblog – „Anthroposophen und „Reichsbürger“-Bewegung. Abgrenzungen und Annäherungen„: „Nach wie vor empfiehlt der BdFWS auf seiner Webseite die Bücher von Lorenzo Ravagli und Hans-Jürgen Bader, die noch die hässlichsten rassistischen Vorträge Steiners explizit bejahen (…). Auch in der 3. Auflage von Tobias Richters … Lehrplan der Waldorfschule“ (2010) wird nicht ein einziges Buch zum Nationalsozialismus empfohlen – dafür Bücher von Karl Heyer, Herbert Hahn, Hans Erhard Lauer, Andreas Suchantke und anderen, in denen sich unverhüllt germanozentrische Völkertypologien und Rassenlehren finden.“ (Ansgar Martins)

Anthroposophie.blog – „Rechtsextreme, Reichsbürger, Waldorfianer„. Der Geschäftsführer der Waldorfschule Rendsburg-Eckernförde wurde 2014 enttarnt: Er habe rechte „Thesenpapiere an Kollegen verteilt„, was bei diesen nur „Schulterzucken“ ausgelöst habe. Dem rechtsextremen „Deutschen Polizei Hilfswerk“ hatte er 2013 einen Versammlungsraum überlassen. Der Mann, der zuvor zwölf Jahre lang Geschäftsführer der Freie Waldorfschule Würzburg war, ist auch auf Videos der „Krönung“ des Reichsbürgers Peter Fitzek zu sehen. Noch Jahre später beklagen Eltern an der Schule ein „antidemokratisches, unmenschliches Regiment„.

Anthroposophie.blog – „Auf der Schattenseite – Schwarze in der Waldorfschule. Eine schwarze Schülerin der Waldorfschule Crailsheim ist über Jahre hinweg von einer Mitschülerin drangsaliert, mit Affen verglichen und bei WhatsApp mit Hitlerbärtchen und Teufelshörnern „verziert“ worden. Schulleitung und Elternschaft reagierte mehr als zwei Jahre nicht auf die von einer Praktikantin gemeldeten Vorgänge – sondern erst 2015, als die Südwest-Presse recherchierte, dass die Eltern der Mobberin für die NPD kandidierten und Verbindungen zu rechtsradikalen Gruppen wie „Blood & Honour“ hatten.

Anthroposophie.blog –Rechter Stimmenfang in der Waldorfschule„. Ein Waldorflehrer und Chorleiter der Waldorfschule Ulm, der Rechtsextreme Christian Vogt, wollte 2015 für die extrem rechte Splitterpartei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch” (Alfa) des Ex-AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke antreten. Für den Einzug in den Landtag brauchte Vogt 150 Stimmen – er bat seine Waldorfschüler bei Facebook, gegen 5 Euro Unterschriften für ihn zu sammeln. Die Waldorfschule mahnte Vogt daraufhin ab.

Anthroposophie.blog – „Eurythmie, Apartheid, Rechtsradikalismus„. Ein Klavierspieler, tätig an einer Waldorfschule in Freiburg, hatte 2016 „radikales Gedankengut“ gegenüber Schülern und Lehrern geäußert. Darunter These vom Untergang der christlich-abendländischen Kultur und kriminellen Geflüchteten. Auch im Internet hatte der rechtsextreme Eurythmiebegleiter seine Ansichten verbreitet – die Schule kündigte ihm.

Anthroposophie.blog – „Philosophin wird zur Rechtsextremistin„. Die Philosophin und Publizistin Caroline Sommerfeld-Lethen war Waldorf-Mutter und arbeitete als Köchin in der Waldorfschule Wien West. Die heute Rechtsextreme Caroline Sommerfeld radikalisierte sich zunehmend, schreibt für rechte Blogs und rechnet sich der rechtsextremen Identitären Bewegung zu, auf deren Fackelumzügen sie marschiert. Auch an der Waldorfschule habe sie eindeutige Texte über den Mailverteiler geschickt. Die Schule trennte sich 2017 von Sommerfeld, schweigt aber über die Vorgänge.

Anthroposophie.blog – „Waldorf-Redakteur gegen ‚Gender-Rassismus‚“. Der umstrittene Anthroposoph Lorenzo Ravagli setzt auf seinem Blog im Jahre 2019 geschlechtergerechte Sprache („gendern“) mit einer Sekte, Rassismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit („Geschlechter-Apartheid“) gleich. Ravagli ist langjähriger Redakteur des Waldorf-HausmagazinsErziehungskunst„. Die ‚Welt‘ schreibt 2007, ihm werde vorgeworfen, die „rassistischen Standpunkte Steiners in unzumutbarem Maße zu rechtfertigen.“ Sein Buchprojekt zusammen mit dem ehemaligen NPD-Spitzenfunktionär und Waldorflehrer Andreas Molau hatte er nach Kritik eingestellt. Der Waldorfbund bewirbt aktuell kritiklos Ravaglis Blog und sein neues Buch.

Anthroposophie.blog – „Herr H. sieht keine Nazis„. Der Waldorflehrer und -Geschäftsführer Christoph J. Hueck, Anthroposophie-Professor und Dozent für Waldorfpädagogik ist als Redner auf zahlreichen Querdenken-Demonstrationen bekannt, wo er Verschwörungsmythen verbreitet und die Beteiligung Rechter leugnete. Im August 2020 zeigte Waldorf-Funktionär Hueck dann Verständnis für Rechtsradikale: „Sollten tatsächlich ein paar Rechtsradikale auf der Demo mitgelaufen sein, dann stört mich auch das nicht, denn wir sind gegen die vollkommen unverhältnismäßigen Regierungsmaßnahmen auf die Straße gegangen.“

AnthroBlogger auf Twitter – „Rechte Öko-Sekte Anastasia-Bewegung„. In der Waldorfschule in Thale unterrichtete bis vor 2 Jahren Johannes Degel als Aushilfslehrer. Degel ist der Intimus von Siedler-Chef Maik Schulz. Irgendwann häuften sich die Beschwerden der Eltern. Nach einer Spiegel-Reportage.


12 Gedanken zu “WDR-Dokumentation: Wenn Rechtsextreme freie Schulen unterwandern

  1. Ich habe den WDR Beitrag gesehen, als jemand, der an vielen Waldorfschulen unterrichtet, fand ich diesen doch zu pauschalisierend. Meine Erfahrungen: Die Waldorfschulen, an denen ich arbeite, (im Ruhrgebiet) würde ich eher von der Elternschaft als linksliberal einstufen. Allerdings sollte man das Lagerdenken, was an diesen Schulen durchaus möglich sein kann, im Blick behalten.

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    • @ Ludger Schmidt

      Ludger Schmidt: „Die Waldorfschulen, an denen ich arbeite, (im Ruhrgebiet) würde ich eher von der Elternschaft als linksliberal einstufen.“

      „Linksliberal“ ist wohl das Selbstverständnis vieler Waldorfeltern (und vermutlich auch Ihr eigenes): doch ist es „links“, seine Kinder auf eine Schule zu schicken, die eins zu eins der Ideologie ihres rechten Gründers Rudolf Steiner folgt?

      Ist es „links“, seine Kinder auf eine Privatschule zu schicken, um den „Schmuddelkindern“ aus dem Weg zu gehen?

      „Lichte: Die Waldorfschulen beeindrucken durch ihre soziale Homogenität: fast alle Schüler kommen aus bildungsbürgerlichem Milieu, Kinder aus „sozial schwachen Verhältnissen“ oder mit „Migrationshintergrund“ sucht man vergeblich.

      Hopmann: Das sollte nicht überraschen: Das war schon immer so, ist aber kein Spezifikum der Steinerschulen, sondern typisch für viele Formen privater Beschulung. Sie werden nicht zuletzt von solchen bildungsaktiven Eltern gesucht, die ihren Kindern den Umgang mit den „Schmuddelkindern“ ersparen und dadurch – vermeintlich – bessere Startchancen ermöglichen wollen.“

      Zitat von hier: https://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/30117

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      • Hallo Herr Meier, wie schon geschrieben habe ich meine persönlichen Erfahrungen an Waldorfschulen `ìns Spiel gebracht`.Die Waldorfszene hier ist eine sehr heterogene: Es gibt sicherlich Eltern und Lehrer*innen, die das Wort Steiners als Testament umsetzen wollen, es gibt aber auch durchaus Eltern und Lehrer*innen, die mit dieser Art der steinerischen `Würdigung` ihre Fragen und Probleme haben. Dieser `säkularisierte Kreis` ist (und ich rede immer noch von den besagten 5 Schulen) keine Minderheit. R. Steiner als rechts einzustufen halte ich historisch gesehen für nicht so richtig nachgedacht. Damit wird man auch keinesfalls den Schulen gerecht. Ich denke hier an diverse Leitartikel von H. Kullack in der internen Zeitschrift `Erziehungskunst`, in denen er sich ausdrücklich gegen eine historisierende Einordnung und Verharmlosung des Holocaust ausspricht. Das Theaterstück vom Gripstheater: `Ab heute heißt Du Sara` gehört zum Standardprogramm der Theateraufführungen an Waldorfschulen, und und und……. Was ich allerdings wirklich als problematisch und kritikwürdig bewerte, ist Steiners Selbsteinschätzung als hellsichtig. Damit umgeht er jeglichen wissenschaftlichen Diskurs und schwingt sich so zum Sektenführer auf. An den Schulen und Ausbildungsstätten für Waldorfschulen gibt es durchaus noch eine signifikante Anzahl von Menschen, die in einem Ranking dem Meister folgen. Das ist für das säkularisierte Lehrpersonal nicht schön, kann die tagtägliche Arbeit behindern und so wird das Tor zu Querdenkern und ähnlichen Schwurblern und so natürlich auch zur rechten Szene geöffnet. Aber anstatt die gesamte Waldorfszene in die rechte Ecke zu verorten sollte man doch genauer hinschauen und dezidierter da Kritik äußern, wo sie angebracht ist. Sehr zu empfehlen die Lektüre von Fritz Beckmannshagen: Rudolf Steiner und die Waldorfschule: https://www.vordenker.de/anthroposophiekritik/f-beckmannshagen_r-steiner-waldorfschulen.pdf Vielleicht noch einen Satz zur Schichtenzugehörigkeit des Waldorfklientels: Es deckt sich überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen, dass man hier vergeblich Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen oder Kinder mit Migrationshintergrund sucht. Also bester Herr Meier: Genauer draufschauen bevor man ne Kritik raushaut wäre auch eine Option. beste Grüße

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      • @ Ludger Schmidt
        Sie sind im Verbreiten von Propaganda ja fast so gut wie Kullak-Ublick …:
        „Offener Brief an Henning Kullak-Ublick, Sprecher und Vorstand des ‘Bundes der Freien Waldorfschulen’
        Berlin, 10. Juli 2020
        Sehr geehrter Herr Kullak-Ublick,
        ich bitte um Ihre Stellungnahme zur „Stuttgarter Erklärung“ des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, zum Artikel des Humanistischen Pressedienstes: „Rudolf Steiners Rassismus und die ‘Stuttgarter Erklärung’“.
        Meine Frage an Sie: Wieso spricht der „Bund der Freien Waldorfschulen“ in der „Stuttgarter Erklärung“ noch im Jahre 2020 von „vereinzelten Formulierungen“ Rudolf Steiners, die diskriminierend „wirken“?
        Unabhängige Anthroposophie-Experten wie Prof. Helmut Zander, Prof. Peter Staudenmaier und andere haben schon vor Jahren nachgewiesen, dass Rudolf Steiners Rassismus durch seine anthroposophische „Evolutionslehre“ – Steiners „Menschheitsentwickelung“ – verursacht ist. Steiners „Menschheitsentwickelung“ ist zentraler Bestandteil der Anthroposophie, ihr Beweggrund und Ziel. Steiners Rassismus ist also wesenhafter Bestandteil der Anthroposophie.
        Rudolf Steiner weist menschlichen „Rassen“1 unterschiedliche Wertigkeit zu. Nur die „Weiße Rasse“ ist laut Steiner zur Höherentwicklung fähig, andere „Rassen“ sind dem Untergang geweiht, Zitat Steiner:
        „Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. (…) Und so ist es wirklich ganz interessant: Auf der einen Seite hat man die schwarze Rasse, die am meisten irdisch ist. Wenn sie nach Westen geht, stirbt sie aus. Man hat die gelbe Rasse, die mitten zwischen Erde und Weltenall ist. Wenn sie nach Osten geht, wird sie braun, gliedert sich zu viel dem Weltenall an, stirbt aus. Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse. (…) Und so werden in der Zukunft gerade aus den Rasseeigentümlichkeiten solche Dinge hervorgehen, die man kennen muss, damit man sich richtig hineinstellt ins Leben.“ (Rudolf Steiner, „Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentums“, GA 349)
        Dazu sagt Prof. Helmut Zander: „Diese Aussagen, die Steiner 1923, zwei Jahre vor seinem Tod, von sich gab, sind kein Betriebsunfall in seinem Denken, sondern eher ein zusammenfassender Schlussstrich unter Überzeugungen, die Wurzeln in seiner Kindheit haben und die er seit seiner theosophischen Zeit evolutionstheoretisch aufgeladen und immer wieder geäußert hatte. ‚Degenerierte Indianer‘ und ‚passive Negerseelen‘ gehörten schon 1909 zu seinem weltanschaulichen Inventar, dazu kommen vergleichbare Vorstellungen zum Judentum (…)“ (Helmut Zander: „Die Anthroposophie – Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik“, Ferdinand Schöningh, 2019, Seite 196)“
        Zitat von hier: https://hpd.de/artikel/anthroposophie-und-rassismus-18249

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      • Bester Herr Meier, da sehe ich jetzt keinen Widerspruch zu meinen Positionen gegenüber der Waldorfbewegung. Insofern weiß ich jetzt nicht so richtig, was Sie von mir wollen. Ich bin kein Steinerjünger, den Brief an Herrn Kullak- Ublick finde ich berechtigt. Seine Antwort würde mich tatsächlich sehr interessieren. Worum es mir persönlich geht: Ich arbeite an der Peripherie div. Waldorfschulen, kann tatsächlich von Erlebnissen und Situationen berichten, in denen sich die Macher*innen legitimiert durch die `spirituelle Verbindung` zu Steiner um hiesige Gesetzgebungen einen Dreck scheren. Es wird gemobbt, dass `die Schwarte`kracht etc. oder um es auf einen Nenner zu bringen: Sekte…..Aber es gibt auch diejenigen,die, wie ich finde, an diesen Schulen gute Arbeit leisten, die mit diesen esoterischen Schwurbel nichts anfangen können, sich dagegen zur Wehr setzen, die engagiert eben nicht diese Schulen verlassen um an einer Staatsschule anzuheuern, und die man durchaus unterstützen sollte. Die Gesamtverteufelung schadet diesen sehr guten Ansätzen, die an den meisten Waldorfschulen, mit denen ich zu tun habe als Standard gelten.
        Deswegen habe ich Ihnen ja den Literaturhinweis verlinkt und würde Ihnen dringend empfehlen, sich diesen mal anzuschauen. Hier noch einmal: https://www.vordenker.de/anthroposophiekritik/f-beckmannshagen_r-steiner-waldorfschulen.pdf Und trotzdem sollte man immer diese Bewegung im Blick haben, deswegen finde ich diesen Blog auch sehr wichtig,

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      • @ Ludger Schmidt

        „Ich arbeite an der Peripherie div. Waldorfschulen …“: ich vermute, Sie sind Musiklehrer an verschiedenen Waldorfschulen, und finanzieren damit Ihr Leben als Künstler: http://www.sephardics.de/hoeren-und-sehen/

        Kann man so machen. Aber: Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Sie durch Ihr Engagement für die Waldorfschule einen Beitrag dazu leisten, dass die – Ihr Wort – „Sekte“ weiter am Leben erhalten wird? Genau wie, Zitat Ludger Schmidt, „diejenigen, die, wie ich finde, an diesen Schulen gute Arbeit leisten …“

        Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine neue „Waldorf“schule nur ohne Steiner geben könnte. Doch Steiner ist tabu, man tut alles, um ihn vor Kritik zu schützen:

        Als Reaktion auf den „Offenen Brief“ hat der „Bund der Freien Waldorfschulen“ eine neue „Stuttgarter Erklärung“ verabschiedet: es sind die selben Lügen, nur geschickter verpackt. Kullak-Ublick ist mächtig stolz darauf, und startet gleichzeitig die große Kritiker-Diffamierung: https://www.erziehungskunst.de/artikel/zeichen-der-zeit/wir-meinen-es-ernst/

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      • „…kann man so machen.“ Na Herr Meier, da bin ich ja schon mal beruhigt! Dass Sie offensichtlich über meine Person recherchieren, klar, das kann man auch machen. Zwinkersmiley…Ja, ich verdiene einen Teil meines Lebensunterhaltes an diesen Schulen, woanders zu arbeiten, sich als Künstler in diesen Zeiten über Wasser zu halten ist nicht einfach. Aber ich würde gerne mal von Ihnen wissen woher Sie Ihre Informationen beziehen.
        Zitat Werner Meier: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine neue „Waldorf“schule nur ohne Steiner geben könnte. Doch Steiner ist tabu, man tut alles, um ihn vor Kritik zu schützen:“

        Das ist natürlich ein argumentativer Totschlag wenn Sie dies nicht belegen können. Es würde mich schon sehr interessieren, wie Sie zu Ihrer Überzeugung gekommen sind. Übrigens Danke für den link zum Interview mit H. Kullak Ublick. Beste Grüße

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      • @ Ludger Schmidt

        „Aber ich würde gerne mal von Ihnen wissen woher Sie Ihre Informationen beziehen.“

        Ich bin ein Insider. So bin ich auch „zu meinen Überzeugungen gekommen“. Müssen Sie nicht glauben, ist mir egal.

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  2. Die entscheidenden Kritikpunkte sollten hier sein: die Macher der Reportage greifen hier EINEN Fall eines Waldorflehrers heraus, der seit mehr als sechs Jahren mit der Kündigung des betreffenden Lehrers erledigt ist und leugnen dabei alle Bemühungen von Seiten der Schule und des Bundes der Freien Waldorfschulen bzw. lassen diese unerwähnt- weil es wahrscheinlich besser zu Ihrer Sicht der Dinge passt.
    Der hauptsächlich dargestellte Fall der Schule am Elsengrund hat nichts mit Waldorfschule zu tun, da die erwähnte Gründungsinitiative nie Mitglied im Bund der Freien Waldorfschulen war.
    Was fehlt ist auch ein Vergleich mit ähnlichen Fällen im staatlichen Schulwesen und wie dort damit umgegangen wird.
    Ich würde, anders als andere, diese Reportage nicht als linksextremistisch bezeichnen, sondern einfach als schlechten Journalismus (möglicherweise ein Nebenprodukt aus Resten, die die Filmemacherin aus anderen Projekten noch übrig hatte?), der sich nicht auf aktuelle Entwicklungen bezieht (dies aber vorgibt) sondern auf Prozesse, die vor etlichen Jahren schon abgeschlossen wurden und daher eigentlich nicht die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verdient.
    Dass der Bund der Freien Waldorfschulen diese Fälle damals dennoch ernst genommen hat, kann man der Seite des Verbandes entnehmen, auf denen sich ein Arbeitskreis dazu sowie Stellungnahmen und gemeinsame Erklärungen der Schulen finden, die ein klares Bild von der Beschäftigung mit und der klaren Distanzierung von diesen Vorfällen an/in den Waldorfschulen heute geben.

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  3. Wie immer interessanter Artikel, der nachdenklich macht. Was mich stutzig gemacht hat, ist dass die Namen der Leute in dem Telegram Channel nicht geschwärzt sind – gibt es dafür einen besonderen Grund?

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