Grüne Gesundheitsexpertin ist gegen Impfpflicht – und für Pseudomedizin

Die Grüne Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche ist Mitglied des ständigen Ausschusses für Gesundheit des Deutschen Bundestages und Sprecherin der Fraktion für Gesundheitswirtschaft. Seit Jahren spricht sie sich gegen eine Impfpflicht aus – Homöopathie und Anthroposophie findet sie hingegen gut:

„Die Grünen im Bundestag stehen einer Impfpflicht sehr skeptisch gegenüber. Statt auf Zwang und Sanktionen zu setzen müsse man das Vertrauen in eine gute Beratung stärken und auf herrschende Verunsicherungen eingehen, sagte die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 2019)

Laut Schulz-Asche ist eine Impfpflicht wegen der damit verbundenen „Risiken“ abzulehnen. Und: Flüchtlinge seien der Grund gewesen für die letzte große Masern-Welle in Berlin, 2015:

„Deutschlandfunk: Warum gibt es keine Impfpflicht?

Schulz-Asche: Weil natürlich mit Impfungen auch Risiken verbunden sind. (…) Der Ausbruch in Berlin ist ja zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass durch Flüchtlinge aus Ländern, in denen nicht ausreichend geimpft wurde, die Infektion hierher getragen wurde.“ (Schulz-Asche im Deutschlandfunk, 2015)

Die Theorie vom „Masern-Flüchtling“ gilt jedoch als widerlegt:

„Asylsuchende sind nicht Schuld am Berliner Masernausbruch (…) Nicht selten stehen Waldorfschulen im Fokus der Epidemien. Dort kam es 2010 in Essen und Berlin, 2011 in Offenburg oder 2013 in Erftstadt bei Köln zu Ausbrüchen. An den Schulen sind deutlich weniger Kinder immunisiert, die Rate liegt oft deutlich unter 80 Prozent.“ (Die Zeit, 2015)

Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, bringt die Masernepidemie 2015 mit anthroposophischen Waldorf-Einrichtungen in Zusammenhang:

„Hermann will die Impfgegner nicht mit der pharmakritischen Tradition des grün-alternativen Wählerklientels in Zusammenhang bringen. Eher schon mit der relativ hohen Zahl von Waldorf-Kindergärten und -Schulen im Bezirk.“ (Der Tagesspiegel, 2015)

Auch im Berliner Landesamt für Gesundheit sieht man die Masern als Waldorf-Problem:

„Silvia Kostner, Sprecherin im Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin, nennt Menschen, die ihre Kinder nicht immunisieren lassen, als wichtigen Grund für die Ausbreitung von Masern. Exemplarisch zählt sie Fälle von Ansteckung an Berliner Waldorfschulen auf.“ (Morgenpost, 2015)

Beim Robert-Koch-Institut sieht man es genauso:

„Die beim staatlichen Robert-Koch-Institut für Impfungen zuständige Sabine Reiter erklärte die Impfskepsis bei Masern, Mumps und Röteln jüngst im Deutschlandfunk so: „In den deutschsprachigen Ländern, also auch in der Schweiz und Österreich, ist die Skepsis in weiten Teilen der Bevölkerung sehr verbreitet. Das kommt vor allen Dingen daher, dass viele denken, das sei eine harmlose Kinderkrankheit und das Durchmachen würde das Immunsystem stärken.“ Ferner wies Reiter auf den starken Einfluss von Anthroposophen in dieser Frage hin: „In den letzten Jahren, wenn wir Masernausbrüche in Schulen und Kindergärten hatten, waren die oft in Waldorf-Kindergärten oder anthroposophischen Schulen.“ (Deutschlandfunk, 2015)

Kordula Schulz-Asche hält große Stücke auf Homöopathie und anthroposophische Medizin. „Komplementärmedizin“ sei besser, als „jede Beeinträchtigung mit Chemie oder einer Operation anzugehen“. Auch wenn sie einschränkt: „Bei Homöopathie wissen wir nicht, wie sie wirkt“. Frau Asche ist offenbar eine Freundin der esoterischen „anthroposophischen Medizin“, wie sie nach einem Besuch der anthroposophischen Gemeinschaftsklinik Havelhöhe in Berlin feststellt:

„Es war einer jener Besuche, die mich als gelernte Krankenschwester besonders interessieren. Insbesondere die ganzheitliche, auf die Patienten ausgerichtete Medizin und die ganzheitliche, auch therapeutische Maßnahmen umfassende Pflege empfand ich als spannend.“ (Schulz-Asche.de, 2014)

tl;dr: Die Grüne Gesundheitsexpertin ist gegen eine Impfpflicht gegen Masern, weil Impfungen „Risiken“ haben. Masern seien ein durch Flüchtlinge eingeschlepptes Problem. Homöopathie könne heilen, man kenne nur den Wirkungsmechanismus noch nicht. Anthroposophische Pseudomedizin findet sie „spannend“ und „ganzheitlich“.

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 3)

Wie kämpfen Anthroposophen gegen moderne Technik?

Natürlich können Anthroposophen als Argument gegen Technik heute nicht überall offen die Störung ihrer Hellseherfähigkeiten anführen oder von Naturwesen, Geistern und Dämonen sprechen. Solches bespricht man lieber nur intern, liest dazu in anthroposophischer Fachliteratur oder im hauseigenen Waldorf-Magazin. In der Öffentlichkeit müssen dann ganz andere Argumente gegen die bösen Medien gefunden, oder oftmals auch: erfunden werden.

Petition „Digital-KITA? NEIN!“

Die „Vereinigung der Waldorfkindergärten“ startete 2016 eine Petition mit dem Namen „Digital-KITA? NEIN!“. Nicht nur die kreative Verwendung von Versalien überrascht hier, auch der Inhalt ist brisant: Digitales muss man mit aller Macht aus den Kindergärten fernhalten – ob Computer dort überhaupt ein existierendes Problem sind, darf bezweifelt werden. Aber!

Die negativen Folgen „zu früher Gewöhnung an digitale Medien“ seien „wissenschaftlich längst erwiesen“, die Folge sei nicht weniger als „kriminelles Verhalten“ und „Suchtverhalten“. Gut, geschenkt: Da heute mehr als 95% der Deutschen einen Fernseher besitzen, wird man schwerlich einen Drogenabhängigen finden, der als Kind nicht ferngesehen hat.

Der Vorstand der „Vereinigung der Waldorfkindergärten“, Michael Wetenkamp, behauptet zudem in seiner Petition:

„Die am häufigsten von 6-Jährigen in Deutschland verwendete App ist Facebook.“ (Michael Wetenkamp, „Digital-KITA? NEIN!„, 2016)

Auch auf Nachfrage können die Initiatoren der Petition keinen Quellennachweis für diese steile These beibringen. Mit immerhin mehr als 67.000 Unterschriften scheint die esoterische Panikmache aber einen Nerv getroffen zu haben – auch wenn die meisten Unterschriften offensichtlich aus dem eigenen Waldorf-Umfeld stammen. Interessant ist, dass die Petition nichts Konkretes fordert. Man wolle „ein Netzwerk aufbauen“. Was man genau erreichen will und was man fordert, ist den Initiatoren offenbar selbst völlig unklar.

Schützenhilfe vom Schwindler Spitzer: 40.000 Tote jährlich durch Computer und Fernsehen!

Um den eigenen esoterischen Glauben in ein wissenschaftliches Gewand zu hüllen, tun sich die Anthroposophen mit anderen Mediengefahr-Schwurblern zusammen. Erstunterzeichner der Anti-Digital-Petition ist der umstrittene Mediengegner und Autor von „Vorsicht Bildschirm!“, Prof. Dr. Manfred Spitzer. Spitzer, der auf zahllosen Waldorf-Veranstaltungen auftritt, gilt bei seinen Kritikern als „unseriös“, seine Theorien gelten als „Mythen“:

„Mitte der Nullerjahre schrieb [Spitzer] „Vorsicht Bildschirm!“. Darin rechnete er vor, dass die Nebenwirkungen von Fernsehern und Computern schon bald jährlich 40 000 Menschen umbringen würden. Es folgten die Bestseller „Digitale Demenz“ und „Cyberkrank!“. Dort schrieb Spitzer der Nutzung von Videospielen, sozialen Netzwerken und Smartphones ebenso apokalyptische Folgen zu. Angesehene Forscher nennen die Bücher „unseriös“ und „irreführend“ (…) Spitzers Thesen sind wissenschaftlich mindestens umstritten, oft interpretiert er Zahlen einfach so, wie es ihm passt. (…) [Spitzers Thesen] werden in dem Papier „Mythen“ genannt. Spitzer habe sich einzelne Ergebnisse herausgepickt, die zu seinen Thesen passten, und alles andere ignoriert. “ (Süddeutsche Zeitung, „Über einen, der aus Ängsten Geld macht“, 2018)


Petition: Waldorfschulen fordern einen Analog-Pakt gegen den „Hipe“

Der Bund der Freien Waldorfschulen, die im Schnitt zu 72% staatlich finanziert werden, würde gerne Gelder aus dem geplanten, staatlichen Digitalpakt zur Ausstattung ihrer eigenen Schulen erhalten. Das Geld will man aber bis zur Oberstufe für rein „analogen“ Unterricht verwenden. Die Waldorflehrerin Prof. Dr. Paula Bleckmann, tätig an der anthroposophischen Alanus-Hochschule fordert, parallel zum geplanten „Digitalpakt“ einen gleichwertigen „Analogpakt“ zu beschließen. Sie warnt in einem radebrechenden Versuch einer Art Jugendsprache, vor einer „zu frühen Mediennutzung“:

„Der sogenannte Early High Tech Hipe [sic!] schadet den Kindern mehr, als dass er ihnen nutzt.“ (Prof. Dr. Paula Bleckmann in „Struwwelpeter 2.0“)

Der „so genannte Hype“? Wer nennt diesen so, und warum ist er nicht real, sondern eben ein „Hype“? Und warum kann Frau Bleckmann „Hype“ nicht buchstabieren? Der Begriff ist eine reine Erfindung der Waldorfbewegung: Google findet dazu sage und schreibe 65 Treffer – und alle davon stammen aus der Waldorf-Welt. Der Suchbegriff „Hype“ liefert übrigens 185 Millionen (!) Treffer.

Wie auch bei der Kita-Petition wird hier also gegen Probleme polemisiert, die man vorher eigens selbst erfinden musste.


Broschüre „Struwwelpeter 2.0“: Die Welt wird durch Medien atomisiert

Die Propagandamaschine läuft, und die esoterischen Mediengegner vergaloppieren sich bis ins Irrwitzige. In der Broschüre „Struwwelpeter 2.0“ behauptet man ungeachtet der sonstigen Bemühungen um Verteufelung, man wolle die „Technik niemals verdammen“, sondern „vorurteilsfrei beobachten“. Am Ende kommt man aber doch zum immergleichen Resultat, denn folgendes haben die esoterischen „Medien-Experten“ herausgefunden: Die Bildpunkte des Fernsehers, die Pixel des Computerbildschirms, die Millisekunden-Taktung der Handymasten führten zu einer „Atomisierung“, gar zu einer „Zersplitterung der Welt“! Dazu Prof. Dr. Edwin Hübner, Professor für „Medienpädagogik“ an der anthroposophischen Freien Hochschule Stuttgart:

„Diese der Medientechnik innewohnende Signatur der Atomisierung wirkt sich auch auf die Inhalte aus. Es ist ein Grundmerkmal aller Medienformen, dass sie aus der lebendigen Wirklichkeit der Welt Einzelheiten herauslösen und festhalten, die dadurch aber ihren Bezug zum Ganzen des Lebens verlieren. Die uns umgebende Medienwelt liefert uns eine zersplitterte Welt einzelner Informationen, die durch sich selbst keinen Zusammenhang mehr haben.“ (Dr. Edwin Hübner in „Struwwelpeter 2.0“, 2015)

Als wenn schwere Krankheiten, Gewalt und Drogenmissbrauch nicht schlimm genug wären – nun zerbricht an unserem Medienkonsum sogar der gesamte Planet. Auch in der anthroposophischen Wikipedia „Anthrowiki“ geht man von nicht weniger als der „Atomisierung der lebendigen Wahrnehmung“ aus:

„Bei der Fernsehtechnik geht diese Atomisierung und Erstarrung der lebendigen Wahrnehmung noch wesentlich weiter und konfrontiert dadurch unser Unterbewusstsein mit einer völlig grotesken Welt. (…) Würde man das, was das Unterbewusstsein dabei ertragen muss, bewusst erleben, verginge den meisten wohl die Lust aufs Fernsehen.“ (Anthrowiki.at, Artikel „Audiovisuelle Medien„, 2019)

Internet im Unterricht ab der 12. Klasse – aber nur die Theorie

Man will das Internet also nicht gar verschweigen, sondern es den Kindern doch irgendwie beibringen. Zuallererst und ausführlich soll also unterrichtet werden: Die Gefahren des Internets. Dazu der Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, Henning Kullack-Ublick:

„Haltet die Kinder bis zum 12. Lebensjahr von Computern fern!“ (Henning Kullack-Ublick bei Xing)

Es soll also auch die Nutzung des Internets unterrichtet werden, sobald sich am Ende des „dritten Jahrsiebtes“ der „Astralleib“ voll entwickelt hat – also ab der 12. Klasse. Und dann auch nur in der Theorie:

„In der 12. Klasse ist dann auch das Internet in seinem prinzipiellen Aufbau zu behandeln.“ (Henning Kullack-Ublick bei Xing)


Aktion „Medienfasten“: Esoterik, Pseudomedizin und ein fragwürdiges Institut

Anthroposophische Pseudomediziner versuchen vehement, allen Formen von digitalen Medien durch Spekulationen und Falschaussagen zu verteufeln. Der neueste Coup ist die Aktion „Medienfasten gegen die Mediensucht“. Das „Medienfasten-Team“ besteht sowohl aus Ärzten, die dem esoterischen Glauben der Anthroposophie anhängen, als auch Ärzten des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, die wiederum in Teilen ebenfalls anthroposophische „Mediziner“ sind. Die auf Hellseherei basierende Anthroposophie hat dabei natürlich mit herkömmlicher Wissenschaft nichts zu tun.

„Zurzeit haben die meisten Kinder schon im Grundschulalter ein eigenes Handy; Tendenz steigend. Mit den großen Chancen der Digitalisierung gehen für Kinder allerdings erhebliche gesundheitliche Risiken einher. Kinder sind in der Entwicklung ihrer kognitiven, sensomotorischen und emotionalen Fähigkeiten gefährdet, bis hin zur Entstehung von Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes und ADHS.“ (Aktion Medienfasten, 2019)

Ob es dafür wohl einen Beleg gibt? Spoiler-Alarm: Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Nicht die „meisten“, sondern die „wenigsten“ Grundschüler haben ein Handy. Laut dem führenden Statistik-Portal Statista besaßen 2017 nur 6% der Grundschüler von 6-7 Jahren ein Handy, in der Altersgruppe 8-9 Jahre waren es 18%.

  • Betrachten wir die Aussage: „Durch die Digitalisierung entsteht Fettsucht“. Fakt ist: Das ist falsch. Adipositas ist eine Stoffwechsel- und Ernährungskrankheit. Passives Verhalten kann, wie Bewegungsmangel, Adipositas höchstens „begünstigen“. Es wird nicht einbezogen, dass digitale Medien auch zum Bewegen anregen können (Pokemon Go, WII Sports etc.).
  • Aussage: „Durch die Digitalisierung entsteht Diabetes“. Fakt: Das ist falsch. Diabetes ist eine weitgehend genetisch bedingte Stoffwechselstörung. Anders als Typ 1 kann Diabetes Typ 2 durch regelmäßige leichte Bewegung positiv beeinflusst werden. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass man sich aufgrund von Medienkonsum gar nicht mehr bewegen würde.
  • Aussage: Durch die Digitalisierung entsteht ADHS. Fakt: Das ist falsch. ADHS ist zu 70-80% vererblich. Als weitere Ursache gelten biologische Faktoren sowie Umwelteinflüsse.

Weiter heißt es:

 „91 Prozent der befragten Lehrer und Lehrerinnen bezeichneten (…) die mediale Reizüberflutung durch Fernsehen, Computer und Co. als wichtigsten Stressfaktor. Nicht zuletzt deshalb orientiert sich die Waldorfpädagogik an dem Leitsatz, dass eine frühe Medienabstinenz die Grundlage für spätere Medienmündigkeit darstellt.“ (Erziehungskunst)

Die zitierten „Studien“ der Krankenkasse DAK sind das Ergebnis einer telefonischen „Lehrer-Befragung“, die das Meinungsforschungsinstitut „Forsa“ unter der Leitung von Prof. Manfred Güllner durchgeführt hat. Dass Güllners Name auf Seite 1 seiner eigenen Forsa-Präsentation falsch geschrieben ist, kann man als Hinweis auf die Qualität der Befragung verstehen. Der Leiter von „Forsa“ ist umstritten – seine Aussagen gelten bei Kritikern als „polemisch“, „unseriös“ und „bizarr“, als „grotesk“ oder schlicht als „Unfug“. Güllner „vermische die ermittelten Daten mit persönlichen Ansichten, woraus sich ein Cocktail ergebe, der seriös und unabhängig aussehe, doch voller Meinung stecke.“ (Der Spiegel, „Zahlen aus der Hexenküche“, 2007).

Umfragen von Forsa sind mit äußerster Vorsicht zu genießen“, urteilt die Tagesschau. Schon mehrfach wurde Forsa vorgeworfen, Telefonumfragen zu manipulieren.

Die DAK selbst gilt als eine der Esoterik am stärksten nahestehenden Krankenkassen, da sie die Kosten für eine große Anzahl pseudomedizinischer Mittelchen und Verfahren übernimmt: Akupunktur, Chiropraktik, Homöopathie, Kinesio-Taping, Osteopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Tai-Chi und Qi Gong, und natürlich auch die anthroposophische „Medizin“.

Interessant sind auch die Gegensätzlichkeiten in der Pressemitteilung zur Studie. So beginnt ein Abschnitt mit „Besonders alarmierend sei der Zusammenhang zwischen Social-Media-Sucht und Depressionen“, um dann im nächsten Satz zu schließen: „Über Ursache und Wirkung haben wir noch keine Erkenntnisse“.

Was für eine Mischung: Zweifelhafte Pseudomediziner esoterischen Glaubens, eine den Hokuspokus finanzierende Krankenkasse und ein in Verruf geratenes Institut. Aber gehen wir von Ideal aus: Die Umfrage wäre korrekt durchgeführt und würde repräsentativ die Meinung der deutschen Lehrer wiedergeben. Sind diese ausgebildet, über den Gesundheitszustand der Kinder zu urteilen? Und auch über die Ursachen dieser vermeintlichen Krankheiten?

Die Initiatorin vom „Medienfasten“, Dr. Silke Schwarz von der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte, empfiehlt im Internet ihrerseits die Meditationstechniken nach Rudolf Steiner („Sternenwege“, „Adlerflug“, „Pusteblumen-Zauber“).

Hier schließt sich der Kreis: Rudolf Steiner ging davon aus, dass man durch Techniken, wie auch Frau Schwarz sie empfiehlt, zum Hellseher werden könnte (Rudolf Steiner, „Aus der Akasha-Chronik“). Und dabei, wir erinnern uns, stören die bösen „Strahlen“ die Botschaften aus „höheren Welten“.


Internationale Waldorf-Konferenz – Vorsicht vor den Kinderphishern

Auch die „Internationale Konferenz der waldorfpädagogischen Bewegung“ diskutierte im November 2018 über Medien. Das Ergebnis stand wohl schon vorher fest, denn das Motto lautete: „Erst die reale Welt, dann die analoge und dann die digitale“.

Man setzt sich dabei für eine „entwicklungsorientierte Medienpädagogik“ ein. Verklausuliert meint man hier wohl wieder die anthroposophischen „Entwicklungsstufen“ mit Ätherleib, Astralleib und Co. sowie die esoterische Jahrsiebtelehre.

„Digitale Technologien haben ein faszinierendes Potenzial. Zu ihnen gehören gleichzeitig Missbrauch durch Mobbing oder Phishing sowie Risiken wie Suchtverhalten. Die waldorfpädagogische Bewegung setzt sich für eine Medienpädagogik ein, die Kinder und Jugendliche schrittweise für die digitale Welt reif macht.“ (Waldorf International)

Wie immer sind stehen also „Gefahren“ im Vordergrund. Dass gerade die Waldorfschulen mit ihrem massiven hausgemachten Mobbing-Problem vor Mobbing warnen, ist ironisch genug. Die Waldorfpädagogik meint: Hätte das Kind nicht selbst in seinen vorherigen Leben Verfehlungen begannen, würde es heute ja nicht gemobbt werden – und zur Reinigung seines Karmas darf man das Mobbing auch nicht unterbinden.

Wer aber meint, Kinder könnten Ziel von Phishing-Attacken werden, beweist nachdrücklich, dass er vom Internet keine Ahnung hat, keine Ahnung haben will und auf trotzige Weise obendrein noch stolz darauf ist. Kurz: Beim „Phising“ versuchen Hacker zum Beispiel, mittels gefälschter E-Mails Zugangsdaten zum Onlinebanking zu stehlen. Es gibt wohl kaum ein Problem im Internet, von dem Kinder weniger betroffen sind.


Medienkonferenz gegen Finanzamerikanertum und androide Roboter

Auf einer Medien-Konferenz im Mai 2018 in Prag diskutierte man bei Waldorfs nicht weniger als den „Angriff“ der „kommerziellen Digitalisierung auf das Bildungswesen“. Wie schlimm die Bedrohung ist, wurde gleich am Anfang klar: Hier ist der Teufel ist im Spiel!

„In einem einleitenden Beitrag stellte Dusan Plestil ein Bild des heiligen St. Prokop hin, der mit Hilfe des Teufels pflügt und erläuterte daran die Bildungssituation in Tschechien.“ (Pädagogische Sektion am Goetheanum, 2018

Wie sehr muss man sich als Esoteriker von Technik bedroht fühlen, um im wahrsten Sinne des Wortes den Teufel an die Wand zu malen?

Weiter rief man in Prag nach einem „Aufbruch“, nach einer „Charta der Freiheit in Kultur und Bildung“. Man forderte „Freiräume“, um „entsprechend der kindlichen Entwicklung“ den Umgang beispielsweise mit den, Achtung und festhalten bitte, „Androiden Robotern“ zu erlernen. Kurze Denkpause: Wann hatten Sie selbst den letzten Kontakt mit so einem täuschend menschlich aussehenden Roboterwesen? Befürchten die Anthroposophen hier eine Art garstigen Homunkulus, einen künstlichen Menschen also, der als dämonischem Helfer dient?

Leise klopft hier auch der Antiamerikanismus an: Die europäische Bildungspolitik wird laut den Waldorfs von finanzmächtigen Amerikanern und Ihren Medienkonzernen bestimmt:

„Bildungspläne werden immer weniger von Lehrern, Eltern oder dem Staat entwickelt., Sie werden vielmehr aus Marktbedürfnissen und medieneigenen ”Zeitforderungen” diktiert. Globalen Medienkonzernen formulieren sie überzeugend. (…)  Das Bild eines Menschen entstand, der nur noch Data ist, intelligent erscheint, aber steuerbar und manipulierbar ist.“ (Pädagogische Sektion am Goetheanum, 2018


Anthroposophen-Lobby gegen „Zwangsdigitalisierung“ und „Maschinensklaven“

Die anthroposophische Lobby-Organisation ELIANT fordert unter der Führung von Michaela Glöckler Bildschirm-, Smartphone-, Tablet- und WLAN-freie Schulen und Kindergärten.

Die verquere Esoterik dringt dabei durch jeden Satz: „Wahlmöglichkeiten in Gefahr!“ meint, die Wahl, Digitales eben nicht zu nutzen. Man fordert „sich an den Gesetzmäßigkeiten der körperlichen und seelischen Entwicklung zu orientieren“, also an den eigenen Vorstellungen von Reinkarnation und übersinnlichen Entwicklungsstufen. Kinder sollen sich „Gesund in Raum und Zeit verankern“ – ja, anstelle von was bitte? Dem unkontrollierten Schweben durch alle vier Dimensionen? Mit weniger als „Zwang“ und „Sklaventum“ wird auch hier nicht argumentiert:

„Nein zur Zwangsdigitalisierung des Unterrichtes!“ (ELIANT, 2019)

„Wir wollen unser Kinder [sic!] nicht zu technisch versierten Maschinensklaven erziehen.“ (Paula Bleckmann, 2012)

„Der menschliche Körper ist nicht digital, sondern gehört der realen Welt an. Er wird missbraucht, wenn er sich einer virtuellen Welt anzupassen hat – bevor der sich in ihm entwickelnde Mensch seine seelischen und geistigen Potentiale entfalten konnte. Das befürchten wir bei einer Digitalisierung von Kitas und Grundschulen.

Kein Mensch wird satt von Bits und Bytes. Genauso wenig kann ein Kind im virtuellen Raum eine gesunde körperliche, seelische und geistige Reifung vollziehen.“ (Eliant, 2019)

Die Verweigerungshaltung ist bei „Eliant“ Programm: „Es geht uns um die Entscheidungsfreiheit, Medien zu nutzen oder nicht zu nutzen.“. Initiator Peter Hensinger stellt fest:

„Noch mehr wäre der Gesetzgeber gefragt, der bisher leider nach der Pfeife der Konzerne tanzt.“ (Peter Hensinger, „Heimliche Krankmacher“, Erziehungskunst, 2017)

Die Petition, die bis Ende 2019 eine Million Unterschriften sammeln will, fand bis März 2019 rund 30.000 UnterzeichnerInnen.

Es bleibt dabei: Offenbar wollen junge Menschen gar keine digitale Technik. Vielmehr wird ihnen diese von gierigen und mächtigen Lobbygruppen aufgezwungen:

„Erwin Hübner: Wir haben sozusagen eine offizielle [Diskussion], die durch das Marketing der großen IT-Unternehmen beherrscht wird (…).

Erziehungskunst: Das heißt, Lobbyisten haben ihre Finger im Spiel, und es geht um ganz viel Geld.

Erwin Hübner: Ja, und dagegen wenden sich auch die öffentlichen Aktionen.“ (Erziehungskunst, „Die Digitalisierung fordert die Waldorfpädagogik als Ganzes heraus“, 2019)


Fazit: Digital-STEINER? NEIN!

Digital-Experten anthroposophischen Glaubens sind sich sicher: Die „Medien“ sind böse. Die „Bildschirme“ sind es auch. Ihr Guru, der Hellseher-Rudi, hat es vorausgesehen. Digitales ist schlecht für die Seele und schlecht für Astral-, Äther- und sonstige Leiber. Dämonen, Geister und Naturwesen bevölkern unsere technischen Geräte. Der einzig sichere Weg für Kinder und Jugendliche, technische Geräte ohne Gefahr zu nutzen ist: es nicht zu tun. Nutzen sie sie doch, drohen Gewalt und Verbrechen, Krankheit und Drogensucht.

Arhrimanisch-technische Computer

Vielleicht sollte man Kinder und Jugendliche zu allererst vor dem schizophrenen Geschwafel des Hellsehers Rudolf Steiner fernhalten. Dessen Gesamtwerk steht ja kostenlos im Internet zur Verfügung, was eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle darstellt: Es drohen Realitätsverlust und das Abrutschen in okkulte Esoterik.

„Gelegentlich wird von sich besonders esoterisch gebenden Anthroposophen der Standpunkt vertreten, man dürfe etwas so Heiliges und Kostbares wie das lebendige Geisteswort Rudolf Steiners nicht so einem “ahrimanisch-technischen” Medium wie dem Computer und dem Internet anvertrauen.“ (Günter Kreidl, „Das Werk Steiners im Computerzeitalter“)

Dem kann man sich nur anschließen.


Siehe auch:

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 1) – Telefgrafie, elektrisches Licht, Grammophone und Schreibmaschinen

Technikfeindlichkeit bei Waldor und Co. (Teil 2) – Der Fernseher

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 3) – Computer, Smartphone, Internet und WLAN

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 2)

Eine alte Waldorf-Tradition: Fernsehverbot

„Jeder weiß es: Fernsehen macht dumm – besonders Kinder.“ (Waldorferzieher Philipp Gelitz, „Medien und kleine Kinder“ in „Erziehungskunst“, 2012)

Neben dem Namentanzen („Eurythmie“) ist das bekannteste Merkmal der Waldorfschulen die Ablehnung von Fernsehgeräten. Der heimische Fernseher sollte möglichst mit einem Tuch abgedeckt werden, besser aber gar nicht erst vorhanden sein. Die Argumentation ist dabei in den letzten 70 Jahren weitgehend die gleiche: Fernsehen schadet der Entwicklung und der Seele, führt zu schrecklichen Krankheiten und ebensolchem Verhalten, sogar in die Drogensucht. Fernsehende Kinder können weder lesen, schreiben noch zuhören oder gar stillsitzen.

Die Fünfziger Jahre: Verbrechen, geistige Erblindung und die innere Atombombe

Schon in den 1950er Jahren sparten die Anthroposophen nicht mit Superlativen („Innere Atombombe!! Fernseh-Opfer! Seelenmord!“), um die vermeintlichen Gefahren des Fernsehens maximal zu überhöhen. Zeitgleich ist man voll auf Steiners übersinnlicher Linie – Fernsehen „zerstöre die geistige Sehkraft“, gegen die bösen „elektrischen Illusionen“ helfe nur die Entwicklung eines „übersinnlichen Auges“:

„Täglich erhält die Welt neue Beweise dieser Irreleitung des Menschen, die besonders die Jugendlichen betrifft, deren Phantasiebegabung durch unverantwortliche Darstellungen in Film, Funk und Pseudoliteratur auf den Weg des Verbrechens geleitet wird. (…) Fernsehen will die Menschheit blind erhalten durch die räumliche elektrische Illusion einer raumüberwindenden, leibfreien Wahrnehmungsfähigkeit, es verschafft die geistige Amaurose (Erblindung); Fernsehen ordnet sich etwa bestehenden Bedürfnissen in Technik und Nachrichtendienst unter, wenn der Mensch das übersinnliche Auge aufgetan hat.“ (Bruno Endlich, „Fernsehen zerstört Familienleben, Phantasie und geistige Sehkraft“, Erziehungskunst, Heft 6, Jahrgang 1955)

Der Fernseher ist nicht weniger als eine Hypnosemaschine, eine innere Atombombe:

„Lehrer berichten auch schon aus Deutschland, daß die dem Fernsehen „verfallenen“ Schüler weder zuhören noch lernen können. (…) Ohne diese Fessel sind sie haltlos und willenlos, sie kleben an einer Scheinwelt. (…) Eine Ausrottung jeder Eigenaktivität. Die „Atombombe nach innen“ hinterläßt eine Leere. (…) Ist diese zwanghafte Entrückung nicht wie eine Hypnose…?“ (Prof. Scholz über „Atombedrohung„, Erziehungskunst, Heft 6, Jahrgang 1955).

Die Siebziger Jahre: Psychosen, Realitätsverlust und Waldorfs Fernseh-Stasi

In den Folgejahren schoss das Waldorfschulen-Hausmagazin „Erziehungskunst“ weiter gegen das Fernsehen – und immer mit ganz großem Kaliber. Das „Seelenleben“ entwickele sich nicht, das Kind liefe Gefahr, ein „ausgehöhltes Wesen“ zu werden (vgl. Michaela Glöckler: „Medien machen hohl und fremd im eigenen Körper„). Zwanzig Jahre später, mit der Einführung des Farbfernsehens, wurde es dann nur noch schlimmer, die Kinder noch brutaler. Der „Menschenseele wird Schaden angerichtet“, die „gesunde Entwicklung wird zerstört“:

„Ein Farbfernseh-Kriminalstück rege, laut Statistik, Kinder unmittelbar zu Brutalitäten an. „Wenn im Farbfernsehen Blut fließt, fließt es rot“, erklärte Hinzy. „Wenn sich das Gesicht zur Grimasse eines Bösewichts verzieht, geschieht das mit Farbuntermalung um so brutaler.“ („Erziehungskunst“, 1970)

Auch ist den Kindern der Realitätssinn abhandengekommen:

„Die Farben der Landschaft, der Atmosphäre erscheinen den Kindern plötzlich „fad und langweilig“. Sie fragen: „Warum ist das nicht so bunt wie im Fernsehen, Vater?““ („Erziehungskunst“, 1970)

Nichts Geringeres als Psychosen und Psychopathien („Psychopathologie“) würde das Fernsehen auslösen:

„Wenn man sich auf die Tatsache konzentriert, daß sich die Kinder dabei bis in ihren Willen und den Leib mit wesenlosen, rein technisch-maschinell erzeugten Bildern durchsetzen (…), wird man darauf aufmerksam, daß hier der Mensch in eine bisher nicht vorhandene Abhängigkeit von den Produkten seiner technischen Entwicklung gerät.
Ein Resultat (…) kennen wir aus dem Verhalten nicht weniger Kinder. Es tritt einem immer häufiger eine eigentümliche Reaktion der Kinder entgegen. Wenn man sie. anspricht, antworten sie mit motorischen Reaktionen. Was man sagt, trifft nicht so, wie man das vermuten würde auf den kindlichen Menschen, auf sein Zuhören und Verstehen; es wirkt nur noch als Auslöser von Reaktionen, die in keinem inneren Verhältnis zu dem stehen, was geäußert wurde. Das sind Extremfälle, die aber zeigen, wie der Televisionismus in die Psychopathologie einmündet.“ (Ernst-Michael Kranich in „Erziehungskunst„, 1973).

In Waldorfschulen und Kindergärten wurden Kinder mit Fangfragen ausgehorcht, ob sie ferngesehen hätten. Familien, die beim Fernsehen ertappt wurden, bekamen gerne mal einen Kontrollbesuch von Waldorfschule oder -Kindergarten. Inklusive einer Gardinenpredigt:

„Oft wird [das Kind] befragt, was es gestern gemacht oder geträumt hat – und wenn es ein ‚Problemkind‘ ist, wird es Schwierigkeiten haben, das zu beantworten. Immerhin sind die vielen Gebote nicht dazu da, übergangen zu werden. Und könnte das gestrige Fernsehen zum Beispiel zu einem längst anstehenden Hausbesuch führen.“ (Charlotte Rudolph, „Waldorf-Erziehung“, 1987).

Die 2000er Jahre: Frühvergreisung, Drogensucht und Dämonen

Die Verdammung von Fernseher und Co. zieht sich dabei bis weit in die heutige Zeit:

“Der bis heute seltsame Ruf der Schulen rührt aus einigen Verrücktheiten, die Fundamentalisten der Bewegung durchzusetzen versuchten. Jahrzehntelang wollten sie das Böse aus den Herzen und Haushalten exorzieren. Fernsehen, Video, CD, Computer, Lego-Steine, Barbie-Puppen und Comics: alles schädlich für sensible Kinderseelen. Weg damit.“ (Der Spiegel, „Das Ende des Exorzismus“, 2004)

Der Anthroposoph und langjährige Ausbilder für Waldorf-Lehrer, Wenzel Götte, befürchtete 2007, bei fernsehenden Kindern entstünden „Frühvergreisung“ und „Altersdiabetes“. Auch er bestätigt:

„Es gibt bisweilen Kollegen, die einen gewissen Dogmatismus pflegen. Lehrer, die bei einem Hausbesuch sagen: Aha, Sie haben also einen Fernseher!“ (Wenzel Götte, Die Zeit, 2007)

Die führende anthroposophische „Medizinerin“ Michaela Glöckler dichtet dem Fernseher gar an, er führe in die Alkohol- und Drogensucht:

“Lasst eure Kinder so weit wie irgend möglich medienfrei ihre Kindheit erleben! Lasst nicht zu, dass Maschinen die liebsten Freunde und Begleiter eurer Kinder werden.  (…) Die Neigung zu Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit wird gefördert.” (Aus dem Buch „Kindersprechstunde“, Kapitel „Warum fernsehen nichts für Kinder ist“, 2013).

Auch heute noch müssen viele Waldorfschüler auf Computer und TV verzichten – all das ist dämonisch. In Elternblogs liest man, dass noch im Jahre 2019 der Fernseher ein Tabu ist – natürlich auch für die Waldorfeltern selbst. Der „Independent“ berichtet über „bizarre Theorien“ an einer Waldorfschule in San Francisco:

„Computer und alle Medienformen verkörpern ‚‘‘einen materialistischen Geist namens Ahriman, der den Menschen aus seinen geistigen Wurzeln entfremdet.‘‘” (The Independent, 2016)

Dass moderne Technik „schädliche Elemente hervorruft“, findet sich schon im Jahr 1907 bei Steiner. Diese selbst erschaffenen „dämonischen Gewalten“ kommen über uns, nachdem die Erde als Planet „Vulkan“ reinkarniert, also wiedergeboren wurde:

„Unsere Maschinen und unsere Fabriken aber, alles, was wir nur machen, um der äußeren Nützlichkeit zu dienen, dem Utilitätsprinzip, wird in der nächsten Verkörperung unserer Erde ein schädliches Element sein. (…) Wir formen uns also selbst unsere guten Kräfte und ebenso die dämonischen Gewalten für das nächste Zeitalter der Menschheit.“ (Rudolf Steiner, „Mythen und Sagen, Okkulte Zeichen und Symbole„, 1907)

Heute lässt sich das Fernsehverbot bei der Elternschaft nur noch bedingt durchsetzen, da es vielen zu antiquiert wirkt. Das Fernsehen gehört heute zum Alltag – und die Gefahren sind ausgeblieben.

„Unter Schmerzen beobachten Erz-Anthroposophen nun, wie diese Dogmen zerfallen. “TV-Konsum etwa ist bei der Anmeldung kein K.-o.-Kriterium mehr”, sagt Friedrich Ohlendorf, Waldorf-Geschäftsführer in Berlin.“ (Der Spiegel, „Das Ende des Exorzismus“, 2004)

Der Kampf gegen „Technik“ geht aber trotzdem weiter. Die Argumente sind die selben wie vor 100 Jahren – und wortgetreu werden die hellseherischen Erkenntnisse Rudolf Steiners wiederholt. Der Fokus hat sich jedoch weitgehend verlagert:

Abgelehnt werden jetzt Computer und neuen Medien, Smartphones und das Internet.


Siehe auch:

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 1) – Telefgrafie, elektrisches Licht, Grammophone und Schreibmaschinen

Technikfeindlichkeit bei Waldor und Co. (Teil 2) – Der Fernseher

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 3) – Computer, Smartphone, Internet und WLAN

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 1)

„Die Technik wird der Erde den Tod bringen! Und Technik hat sehr viel mit Zerstörung, mit Umwälzung zu tun. Technik ist nicht nur ein totes Produkt, sozusagen, sondern es ist auch todbringend.“ (Michaela Glöckler, Vortrag „Ich im Netz – Ansätze zum Verständnis des Subjekts im Internet“, 2012)

Das Zitat der führenden anthroposophischen Medizinerin Michaela Glöckler ist ein Musterbeispiel für die traditionelle Technikfeindlichkeit der Anthroposophen. Frau Glöckler war rund 30 Jahre lang die Leiterin der „Medizinischen Sektion“ an Rudolf Steiners „Goetheanum“, der Schweizer Anthroposophen-Zentrale. Heute kämpft sie als Lobbyistin an vorderster Front gegen alles Digitale.

Die „Technik“, die „Medien“, die „Bildschirme“ – all das ist für die esoterische Glaubensgemeinschaft überaus schädlich: Es leidet der „Ätherleib“, die Spiritualität nimmt Schaden, die Seele wird zerstört und die Wirklichkeit der Welt zerbricht bis in ihre Atomstruktur hinein. Moderne Technik macht krank und führt in die Kriminalität, mindestens aber in die Drogensucht.

In anthroposophischen Waldorfschulen sind Fernseher, Handys und Computer zumeist verpönt oder gar verboten. Den anthroposophischen Demeter-Höfen ist die Nutzung von Mikrowellen-Geräten verboten, und in anthroposophischen Krankenhäusern suchen Patienten vergebens nach Fernsehern oder Radios.

Die Grundlagen für diese Technikfeindlichkeit sind natürlich die übersinnlichen Erkenntnisse des Sektengründers und Hellsehers Rudolf Steiner: Der lehnte bereits vor einhundert Jahren moderne Technik wie Telegrafie, Grammofone oder elektrisches Licht ab. Als Konsequenz daraus sahen die Anthroposophen seit Jahrzehnten ihren größten Feind im Fernseher, der diese Techniken ja quasi in sich vereint. Und je rasanter die technische Entwicklung in den letzten Jahren voranschreitet, desto hysterischer attackiert man die neumodische Informations- und Computertechnik.

Besonders krude wird es da, wo der Technikhass in Verschwörungstheorien und Antiamerikanismus abdriftet: Mächtige amerikanische IT-Konzerne diktierten heute die Lehrpläne der Schulen und die Gesundheit unserer Kinder würde dem schnöden Mammon, also dem bei Anthroposophen so verhassten Materialismus geopfert.

Funkwellen stören den Empfang „geistiger Mitteilungen“ aus „höheren Welten

Woher genau kommt die traditionelle Technikfeindlichkeit der Anthroposophen? Der Hellseher Rudolf Steiner war der Erfinder der Anthroposophie und der Gründer der ersten Waldorfschule. Im Jahre 1923 sorgte er sich in einem Vortrag, dass die damals neue Technik der drahtlosen Telegrafie den Empfang von „geistigen Mitteilungen“ aus „höheren Welten“ stören würde:

„Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, die Verständigung unter Menschen, die aus höheren Welten etwas zu sagen haben, war leichter in der Zeit, in der gesprochen wurde von geheiligten Stätten aus, wie sie hier die Druidenzirkel bergen, und in der dasjenige, was von solchen Stätten an Gedankenwellen durch die Welt ging, nicht den Wellen der drahtlosen Telegrafie begegnete.“ (Rudolf Steiner, „Initiations-Erkenntnis“, 1923)

Als Gegenmittel gegen die gefährliche Strahlung helfe es, „mit kräftiger Intensität das Spirituelle sich ins Herz einzuschreiben“. Das Hellsehen, also die „Erkenntnis höherer Welten“, so Steiner, erreiche man unter anderem durch eine intensive, meditative Betrachtung der Natur, von Pflanzen und Steinen. Bereits vorgefertigte, künstliche Bilder dagegen, so fürchten die Anthroposophen, töten die Seele.

Krank durch WLAN

Was früher die drahtlose Telegrafie und später das Fernsehen war, sind heute das drahtlose Internet und der Mobilfunk. So fühlen sich die Karma-gläubigen Anthroposophen vom WLAN nicht nur bei der Reinkarnation gestört – Waldorflehrer werden durch eine Art durchgeknallten Nocebo-Effekt sogar „krank durch WLAN“. Dazu die Haus-Postille der deutschen Waldorfschulen, das Magazin „Erziehungskunst“ – welches übrigens alle Waldorf-Eltern kostenlos ins Haus bekommen:

 „Verlockungen eines vielversprechenden technischen Zugewinns verdecken, wie sehr die flächendeckende Funktechnik die Inkarnation stört. (…) Fehlzeiten von Lehrern stiegen an, nachdem ein WLAN-Sender im Lehrerzimmer eingeschaltet worden war.“ (Helmut Breunig, „Erziehungskunst“, 2018)

Beim Neubau von Waldorfschulen achtet man daher heutzutage auf den „Schutz gegen Strahlen“. So werden Gebäude technisch gegen Mobilfunkstrahlen abgeschirmt, und „selbstverständlich“ dürfen auch Handys oder gar das „gefährliche“ WLAN nicht genutzt werden. Die „höheren Welten“ scheinen glücklicherweise auf anderen Frequenzen zu funken.

Es bleibt aber nicht bei den schädlichen Funkwellen. Nicht nur die Telegrafie war Steiner suspekt. Auch die Schreibmaschine („schadet der Spiritualität“), das Grammofon („zwingt das Mechanische in die Kunst hinein“) oder elektrisches Licht sind laut Rudolf Steiner gefährlich:

Elektrisches Licht zieht dämonische Geister an

 „Im Physikunterricht der Oberstufe lernt der Schüler … die Unterschiede der Lichtquellen kennen. Gleichzeitig lernt er, … daß die Qualität des Lichtes einer Kerze, einer Glühfadenbirne und einer Neonröhre sehr unterschiedlich sind, nämlich darin, daß in der Kerze gute Wesenheiten zu Hause sind, und in der Neonröhre der menschlichen Seele sehr schadende dämonische Geister sich wohlfühlen und daß man darauf achten soll, in wessen Lichtreichweite man sich befindet.“ (Dr. Meyer-Bendrat, EFH Hannover, zitiert in Charlotte Rudolph: „Waldorf-Erziehung“, 1987)

Medienkompetenz auf Grundlage des leminskatisch arbeitenden Ätherleibes

Die Rückwärtsgewandtheit ist bei Waldorf und Co. durchaus gewollt, sie ist ein Grundprinzip. Waldorfschüler lernen Feldmessen, Ackerbau, Schafhaltung, Wollbearbeitung und Sticken. „Medienkompetenz“ jedoch wird in der Regel durch strikten „Medienverzicht“ ersetzt. Wie die Anthroposophen sich Medienkompetenz vorstellen, beschreibt die esoterische Vorkämpferin gegen „Medien“, Michaela Glöckler:

“Um jetzt diesen Freiheitsbegriff, und den Todesbegriff, und alles was ich bisher angedeutet habe auf den Punkt zu bringen, und eben auch den menschenkundlichen Hintergrund für eine Medienkompetenzentwicklung zu beschreiben, hier das Zeichen des Merkurstabs! Es ist die Form, die dem Ätherleib entspricht, der Ätherleib arbeitet lemniskatisch.“ (Michaela Glöckler, 2012)

Lichtbilder schaden dem Ätherleib

Laut Rudolf Steiner ist es nämlich genau dieser Ätherleib, der an „Lichtbildern“ Schaden nimmt:

„Viele Erscheinungen des heutigen Kulturlebens wirken zerstörend, zum Beispiel insbesondere auch die Lichtbilder, die den Ätherleib durchaus schädigen.“ (Rudolf Steiner, Gesamtausgabe Band 130, S.326, 1911)

Der Hellseher Rudolf Steiner erfand den Laptop

Gegen die aktuelle technische Entwicklung hilft auch nicht, dass der Prophet Steiner schon vor 100 Jahren den Laptop und die Computer-Maus voraussah. Michaela Glöckler über Rudolf Steiner:

‘‘In einer nicht sehr fernen Zukunft (…) wird [es] eine Art der mechanischen Stenographie geben.‘‘ Da sieht er den Laptop voraus!

Man hat förmlich vor Augen, wie er das vor sich sieht. Ich kenne auch eine andere Vortragsstelle wo er sagt, man wird dann einen Ballen von Baumwolle von Liverpool nach Rom verschieben. Und bringt das Wort ‘schieben’ immer wieder. Wie man auf dem Computer eben schiebt. Und dann klickt.“ (Michaela Glöckler, Vortrag „Ich im Netz“)

Dummerweise war zum Zeitpunkt von Steiners großer Vision das „mechanische Schreiben“ nicht mehr ganz so neu – die mechanische Schreibmaschine war da bereits seit 200 Jahren erfunden.G

Auch die Schweizer Waldorfschulen sind von den hellseherischen Fähigkeiten ihres Gurus überzeugt. Katinka Penert, Waldorflehrerin und Leiterin „Prävention im Bereich Bildschirmmedien“ der Schweizer Waldorfschulen, meint:

„Rudolf Steiner sagte die Entwicklung der Technologie voraus.“ (Katinka Penert, „Digital Natives“, 2015)

Digitale Bilder werden im Blut gespeichert

Die großen Digital-Experten der Waldorfschulen bekennen sich hier also offen zur Hellseherei. Folgerichtig argumentiert man gegen Bildschirmmedien mit „Ätherleib“, „Astralleib“ und „arteriellem Blut“:

»Wie stark die konsumierten Bilder in die menschliche Wesenheit eingreifen, beschreibt Rudolf Steiner: Die aus dem Wachbewusstsein aufgenommenen Bilder und Vorstellungen werden durch Aktivität des Astralleibes in den Ätherleib des Menschen eingeschrieben. Die ordnende und strukturierende Kraft des Ätherleibes bewirkt, dass die Vorstellungsbilder als Chiffren im arteriellen Blut bewahrt bleiben und beim Erinnerungsvorgang vom Astralleib «gelesen» werden können.“ (Katinka Penert, „Digital Natives“, 2015)

Auch hier ist die Antwort auf „Medien“ also die „Abstinenz“. Zwar soll vorgeblich die „Lehrperson frei sein von Sympathie und Antipathie für oder gegen Bildschirmmedien“, doch schon im nächsten Absatz heißt es: „In Elternabenden könnte dafür gesorgt werden, dass die Eltern einer Klasse ein Bündnis für die gesunde (weil bildschirmfreie) Entwicklung der Kinder schliessen“.

Wer hinter der Digitalisierung von Schulen und Kinderzimmern steckt, scheint bei Waldorf bekannt zu sein: „Der Druck aus Politik und Wirtschaft“ fordert den „frühen Umgang mit der Technik“ – und zwar „aus Verkaufsinteresse“.

Warum aber Waldorf und Co. gegen die Digitalisierung sind, ist hingegen weitgehend unbekannt: Sie fürchten eine Art Störfunk bei ihrem Kontakt zu „höheren Welten“ und dass die Seelen und Ätherleiber zwischen all den herumfliegenden SMS nicht mehr in den richtigen Körper finden. Sie fürchten Geister und Dämonen, die durch die neue Technik geweckt werden. Und sie fürchten, dass alles künstlich hergestellte, materialistische sich am Ende gegen sie wendet.

So erklärt sich auch der uralte Kampf der Anthroposophen gegen eine andere Weltzerstörungsmaschine:

Den Fernseher.


Siehe auch:

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 1) – Telefgrafie, elektrisches Licht, Grammophone und Schreibmaschinen

Technikfeindlichkeit bei Waldor und Co. (Teil 2) – Der Fernseher

Technikfeindlichkeit bei Waldorf und Co. (Teil 3) – Computer, Smartphone, Internet und WLAN

Waldorfschule International – Großbritannien: Vertuschung, Drohbriefe – und ein pädophiler Lehrer?

„Ein Aushängeschild unter den Steiner-Schulen soll aus Angst um die Sicherheit der Kinder geschlossen werden, nachdem herauskam, dass Eltern, die Alarm schlagen wollten, mit Drohbriefen zum Schweigen gebracht werden sollten. (…) Eltern beschuldigen die Schule, das volle Ausmaß der Missstände zu „vertuschen“ und diejenigen einzuschüchtern, die über die Vorgänge in der Schule sprechen wollten.

Als Eltern versuchten, Bedenken über das Verhalten von Denis McCarthy, einem Lehrer an der Schule, zu äußern, erhielten sie Drohbriefe. In einem Schreiben von Anwälten im Jahr 2014 wurde den Eltern mitgeteilt, dass sie sich verpflichten müssen, eine Reihe von Bedingungen zu akzeptieren, und wenn sie dies nicht tun, wird ihr Kind von der Schule genommen.

Die Eltern wurden gewarnt, keine weiteren „unbegründeten Behauptungen“ über Herrn McCarthy aufzustellen, und Anwälte fügten hinzu, dass ihr Kind, wenn sie es täten, aufgefordert würde, zu gehen. Anonyme Drohbriefe wurden auch per Post an Eltern geschickt, die Bedenken über das Verhalten des Lehrers äußerten. Diese besagten: „Wir wissen, wo du wohnst. Wir kennen deine Kinder und wissen, wo sie hingehen“. 

Ein Elternteil erzählte The Daily Telegraph, dass das Management der Schule einer „Kultur der Geheimhaltung“ vorstehe, die „bis ins Mark verfault“ sei. „Die Schule hat gerade versucht, die vorherige Vertuschung zu vertuschen und zu verteidigen“ (The Daily Telegraph)

Quelle: The Daily Telegraph vom 12. Juni 2018 – „Bis ins Mark verfaulte Vorzeige-Steinerschule soll schließen, da sich zeigt, dass besorgte Eltern Drohbriefe erhielten.

Der Lehrer, der seit Jahren im Verdacht steht, pädophil zu sein, wurde erst 2017 wegen „grobem Fehlverhaltens“ entlassen – die Eltern wurden dazu nicht informiert. Auch nach seiner Entlassung traf er sich weiterhin mit Kindern der Schule. 2019 wurde der Lehrer von der Regulierungsagentur für das Bildungswesen für 3 Jahre vom Schuldienst suspendiert. Eine „sexuelle Motivation“ des Lehrers konnte jedoch nicht bewiesen werden.

„In einer Zeugenaussage sagte die Mutter des Mädchens, dass ihre Tochter auf seinem Schoß saß: „Ich dachte mir nichts dabei und hielt es für in Ordnung. Es erschien mir normal.“ (…)  Die schwerste Behauptung gegen Mr. McCarthy in Bezug auf das Mädchen war, dass er sie allein in einem Klassenzimmer gegen eine Wand drückte, ihre Leggings und Unterwäsche herunterzog und ihr sagte, sie solle niemandem von dem Vorfall erzählen.“ (The Watford Observer)

Quelle: Watford Observer vom 07.03.2019 über die Rudolf-Steiner-Schule in Kings Langley – „Rudolf Steiner-Lehrer vom Verhaltensausschuss entlassen

Die Schulbehörde Ofstedt hatte bei mehreren Untersuchungen der Schule zahlreiche Missstände gefunden. Die Schulführung wurde als unzureichend angesehen und die Qualität des Unterrichts wurde bemängelt.

Obwohl die Eltern, die mehr als 11.500€ jährlich pro Kind an Schulgeld bezahlen angeboten hatten, der in finanzielle Schieflage geratenen Schule weitere 866.000€ zu leihen, wurde die Schule jetzt durch die Schulbehörde geschlossen.

Siehe auch: „Masterpost: Waldorfschule International

Impfgegner Anthroposophen (Teil 3)

„Rund zwölf Kinder der Rudolf-Steiner-Schule in Biel liegen zurzeit mit Masern im Bett. Damit in der Schule keine Epidemie ausbricht, verordnete die kantonale Gesundheitsbehörde laut CH Media sämtlichen ungeimpften Kindern einen dreiwöchigen Hausarrest.

Beim Kind, das die Masern in die Schule geschleppt hat, handelt es sich laut Veronika Raue, Geschäftsführerin der Rudolf-Steiner-Schule in Biel, um ein neunjähriges Mädchen aus dem Kanton Neuenburg. Rund 30 Prozent der Schüler seien nicht geimpft, so Raue. «Ein Teil der Eltern an unserer Schule setzt sich mit dem Thema Impfen sehr bewusst auseinander.»

Thomas Didden, Koordinator der Rudolf-Steiner-Schulen Schweiz, betont aber: «Zu behaupten, dass sich Anthroposophie und Steinerpädagogik explizit gegen das Impfen aussprechen, ist kompletter Blödsinn.»“ (20min)

Quelle: 20min.ch – „Soll Impfzwang Eltern zur Vernunft bringen?

Hintergrund: Nach dem anthroposophischen Glauben sind Krankheiten eine Schuld aus Verfehlungen in vorherigen Leben und daher wichtig für die Entwicklung des Karmas.
Impfungen hingegen sind laut dem Hellseher und Gründer der Waldorfschulen, Rudolf Steiner, ein Mittel, um den Menschen die „Spiritualität wegzuimpfen“:

“Ich habe Ihnen gesagt, daß die Geister der Finsternis die Menschen dazu inspirieren werden, sogar ein Impfmittel zu finden, um
den Seelen in frühester Jugend die Hinneigung zur Spiritualität auszutreiben.” (Rudolf Steiner, GA177, S.237)

Impfungen sind laut Steiner nicht weniger als Seelenmord und sind grundsätzlich als dämonisch („ahrimanisch“) anzusehen. Selbst Pockenimpfungen seien eine „ahrimanische Kraft“. Impfungen machen laut Steiner „geisteskrank“ und Kinder werden dadurch zu seelenlosen Robotern.

Die Bio-Kapitalisten von Alnatura und Co.

„Obwohl das Geschäft mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln boomt, wirft die Gewerkschaft Verdi den großen Bio-Ketten vor, Mitarbeiter schlecht zu bezahlen und die Wahl von Betriebsräten zu behindern. „Das sind Bio-Kapitalisten, die nichts mit Gewerkschaften und Arbeitnehmergremien zu tun haben wollen“, sagte Bundesfachgruppenleiter Orhan Akman (…)

Keine Betriebsräte in Bio-Supermärkten: Mit Alnatura lag die Gewerkschaft deshalb bereits vor Gericht. Angestellte einer Filiale in Bremen wollten schon vor Jahren einen Betriebsrat wählen. Das soll die Filialleitung torpediert haben. Der Fall ging bis vor das Bundesarbeitsgericht. Eine Entscheidung steht noch aus.“ (WAZ)

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 20.03.2019: „Bio-Kapitalismus: Verdi beklagt Bedingungen in Bio-Läden

Hintergrund: In anthroposophischen Unternehmen wie „Alnatura“ und „dm Drogeriemarkt“ arbeitet man streng nach den Vorgaben des Hellsehers und Okkultisten Rudolf Steiner. Auch bei Denn´s wirbt man mit der „feinstofflichen“ Qualität der mittels Esoterik angebauten Demeter-Produkte. Gemäß dem anthroposophischen Glauben ist ein Unternehmen ein „dreigliedriger Organismus“ mit klar getrennten Hierarchien:

 „Anthroposophische Unternehmen gerieren sich da ja auch immer sehr menschenfreundlich – nach innen heraus ist es aber dann schon so, dass der Chef der Chef sein soll und innerbetriebliche Mitbestimmung ist nicht so gerne gesehen. Bei Alnatura in Bremen gab es da richtig Gerichtsstreitigkeiten darum, dass man sich erdreisten wollte, da einen Betriebsrat einzurichten., weil da die einzelnen Glieder gegeneinander arbeiten – und dann sind die wie eine Art Krebsgeschwür, die gehören dann eigentlich weg. Es ist ja krank, wenn ein Wesensglied gegen die anderen aufbegehrt. Es ist an sich erstmal keine demokratische Idee.“ (André Sebastiani)

Quelle: André Sebastiani im „Nachgefragt Podcast“ zum Thema „Anthroposophie und Waldorfpädagogik“ (ab ca. 1:25:00h).

Esoterische Lobbyarbeit gegen Gentechnik

„Der Informationsdienst Gentechnik bietet Lehrern und Schülern der Sekundarstufe bereits seit 2010 Lehrmaterialien und Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung an. Die Informationen sind tendenziös und geben Fakten verzerrt wieder. Zweifelhafte Studien werden als Beleg für die Hatz auf Gentechnikkritiker gewertet. (…) Für Lehrer und Schüler ist dabei nicht auf den ersten Blick erkennbar, dass es sich bei den Verfassern der Materialien und Informationen um vehemente Gegner einer sogenannten „Agro-Gentechnik“ handelt.  (…)

Ob solche „Unterrichtsmaterialien“ noch der Lehre dienen, oder der Meinungsmache, ist daher eine Frage, der sich auch das Bundesministerium für Bildung stellen sollte.“ (Süddeutsche Zeitung)

Quelle: Die Süddeutsche Zeitung vom 12.03.2019 über den „Informationsdienst Gentechnik“: „Ökolobby dringt in den Schulunterricht vor“ –

Hintergrund: Das „Informationsdienstes Gentechnik“ wird u. a. bezahlt von Firmen aus dem anthroposophischen Spektrum. Zu den Trägern gehören der esoterische Anbauverband Demeter und die Zukunftsstiftung Landwirtschaft der anthroposophischen GLS-Bank, der Hausbank der Waldorfschulen. Weitere Unterstützer der Gentechnikgegner sind anthroposophische Firmen wie Alnatura und Sonett sowie deren Kooperationspartner. Die anthroposophischen Firmen berufen sich auf die Lehren des Hellsehers und Okkultisten Rudolf Steiner. Quelle: https://www.keine-gentechnik.de/netzwerk/traeger-unterstuetzer/

Masterpost: Waldorfschule International

Die Waldorfschulen in Deutschland sind bekannt für ihre wirre Esoterik und dem Hang zu Pseudowissenschaften, für übergriffige Lehrer mit
antiquierten Erziehungsmethoden und für Ihr magisch-okkultes Gehabe. Alles unter dem Deckmantel einer weit verbreiteten Geheimniskrämerei.

Der Bund der freien Waldorfschulen spricht von Einzelfällen. Hier sind einige davon dokumentiert.

Doch das Problem dieser Schulen, gegründet vom Hellseher und Okkultisten Rudolf Steiner, ist grundlegend. Daher sind auch die Vorfälle von Gewalt und Missbrauch, Esoterik und Geheimhaltung weltweit immer gleich gleich:

Alle Posts zum Thema findet ihr hier:

Anthroposophie.blog zu „Waldorfschule International

Rudolf Steiner: Im wahrsten Sinne durchgeknallt

„Wenn Ihnen diese Zeilen vollkommen irrsinnig vorkommen, dann haben Sie schon recht. Sie stammen von niemand geringerem als von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Dieser Dr. Steiner war durchaus ein interessanter Mensch. Zunächst naturwissenschaftlich interessiert, bezeichnete er sich selbst als Anarchisten und Atheisten und promovierte an der Uni Rostock in Philosophie. Dann ganz plötzlich um 1902 kam es zu einer radikalen Wende seiner Ansichten, und er trat der Theosophischen Gesellschaft bei – einer okkult-esoterischen Mystikergruppe – und wurde durch seine dortige Vortragstätigkeit rasch zum Star.

Was war der Grund für diese radikale Wende? Manche Zeitgenossen unterstellten ihm finanzielle Gründe. Denn sobald er unter adeligen Damen Reden über esoterische Themen hielt, ging es ihm in Geldangelegenheiten bestens – er hatte ausgesorgt. Gutes Geschäftsmodell, auch heute noch, wie wir wissen.

Wahrscheinlicher aber ist, das Steiner – im wahrsten Sinn des Wortes – durchgeknallt ist. So erschien ihm Jesus Christus in einer Offenbarung. Aber nicht genug damit, er selbst [teil fehlt) und Goethe eine der beiden Reinkarnationen Jesus Christus. Und er glaubte, hellseherische Einsicht in ein imaginäres, okkultes tibetisches Buch, die „Akasha-Chronik“ zu haben.

Nach der aktuellen Version der International Classification of Diseases (ICD-10) litt Rudolf Steiner ganz offensichtlich unter einer wahnhaften Störung. „F22.0“ charakterisiert durch die Entwicklung eines einzelnen Wahns oder, in seinem Fall, mehrerer aufeinander bezogener Wahninhalte, die im allgemeinen lange, manchmal lebenslang andauern. Der Inhalt solcher Wahnsysteme ist sehr unterschiedlich, gelegentliche oder vorübergehende Halluzinationen schließen, besonders bei älteren Patienten, die Diagnose nicht aus, solange die Symptome nicht typisch Schizophren erscheinen.

Derartige wahnhafte Denksysteme, und ich glaube wir alle können ein Lied davon singen, finden sich bei vielen Menschen, die der Esoterik anhängen. Wir sollten daher durchaus vorsichtig sein, uns über solche Menschen lustig zu machen, die in vielen Fällen schwere psychiatrische Erkrankungen haben. Es entbehrt jedoch nicht einer gewissen Komik, dass der Wahn Rudolf Steiners so viele Anhänger gefunden hat. Steiner machte okkulte Karriere, wurde bald Präsident der Theosophischen Gesellschaft.“ (Erich Eder)

Quelle: Dr. Erich Eder, Biologe an der Universität Wien im Vortrag für „Das goldene Brett 2018“ (im Video ab ca. 01:15h)

Siehe auch: ICD-Code F22