Die Wassergeister im Corona-Impfstoff

Ein Ausbilder für Waldorfpädagogik veröffentlicht impfkritisches Papier: Die Impfung gegen Covid-19 hält der Anthroposoph nicht nur für schädlich für Körper, Aura und den persönlichen Schutzengel, sie gefährde die gesamte Menschheitsentwicklung. Grund seien Wassergeister im Impfstoff, eine überirdische Zutat und ein böser Dämon.

Zugegeben, die Glaubenswelt der Anthroposophen ist komplex. Die esoterische Lehre hinter Waldorfschule, der biodynamischen Landwirtschaft oder der anthroposophischen ‚Medizin‘ ist selbst für Eingeweihte nicht immer leicht zu verstehen. Ihre Erkenntnisse gehen zurück auf den österreichischen Hellseher und Okkultisten Rudolf Steiner, der sein Wissen aus „höheren Welten“ empfangen haben will. Seine Anhänger nennen sich „Geisteswissenschaftler“ oder „Geist-Erforscher“, was verwirrend ist, und keineswegs als Eigenbeschreibung gemeint. Da die höheren Welten des Anthroposophie-Gründers mit keinem irdischen Instrument messbar sind, läuft die okkulte „Forschung“ der Anthroposophen meist auf Geister-Wissenschaft und Geister-Forschung hinaus.

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Von Anthroposophen und Faschisten: Brasiliens Schattenregierung

Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro hält das Coronavirus für einen Verschwörungsmythos und lehnt Schutzmaßnahmen ab. Statt seinem Gesundheitsministerium folgt er dem Rat seiner Schattenregierung, in der die anthroposophische ‚Medizinerin‘ Nise Yamaguchi als Gesundheitsberaterin fungiert. Yamaguchi empfiehlt schädliches Chloroquin und Spiritualität gegen Corona. In Brasilien sind bereits 20 Millionen Menschen mit Covid-19 infiziert und rund 560.000 Menschen gestorben.

Die so genannte „alternative“ Medizin erfreut sich auch in der Pandemie einer fast ungebrochenen Beliebtheit. Doch nicht nur Anwender und Alternativmedizinerinnen verkennen dabei die Wirkungslosigkeit vermeintlich sanfter Mittelchen und Zuckerkügelchen gegen ein todbringendes Virus. Auch Staatenlenker, die Verantwortung für hunderte Millionen Menschen tragen, setzen in der Pandemie-Bekämpfung auf abwegige Esoterik.

Die anthroposophische ‚Medizin‘ nach dem österreichischen Esoteriker Rudolf Steiner und der Ärztin Dr. Ita Wegmann gilt als Pseudowissenschaft, ihre Mittel erbringen keinen Wirknachweis. Die spirituelle Behandlungsweise beruht auf angeblich übersinnlichen Erkenntnissen von kosmischen Wirkungen auf den Menschen. Eingesetzte Mittel werden auch nach astrologischen Kriterien ausgewählt und ähnlich der Homöopathie oft bis unter die Nachweisgrenze verdünnt. Die Anhänger der esoterischen Weltanschauung fallen seit der Pandemie verstärkt als Esoteriker, Querdenker und Impfgegner auf.

Die Anthroposophie ist weltweit vertreten und auch in Brasilien verbreitet. Laut der Brasilianischen Gesellschaft für Anthroposophische Medizin (ABMA) sei die alternative ‚Heilkunst‘ bereits kurz nach dem ersten Weltkrieg mit deutschen Einwanderern ins Land gekommen. Seitdem wurden anthroposophische Institute wie das „Rudolf-Steiner-Haus“, Initiativen, Firmen, Verlage und über 113 Waldorfschulen und -Kindergärten gegründet. Nach der Medizinerin Ita Wegmann ist das Ita-Wegmann-Institut in São Paulo benannt, dessen Präsidentin Dr. Nise Yamaguchi ist.

Die anthroposophische Medizinerin ist Gesundheitsberaterin in Bolsonaros Schattenkabinett und war für das Amt der Gesundheitsministerin von Brasilien im Gespräch. Welchen Anteil hat die Anthroposophie an der verheerenden Corona-Politik Brasiliens?

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Waldorfschule Luxemburg: Maskengegner in der Überzahl

Laut Recherchen des Luxemburger Tageblatts trägt nur eine Minderheit von Schüler_innen und Lehrkräften einer Luxemburger Waldorfschule Masken. Die Schule gibt an, zur Einhaltung staatlicher Vorgaben nicht verpflichtet zu sein, sie verbreitet Corona-Mythen und Falschinformationen. Auch eine geplante Gesetzesverschärfung wird am Verhalten der Maskengegner kaum etwas ändern.

Wieder werden Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen bewusst unterlassen, wieder von einer Waldorfschule: Bislang ist es für Privatschulen in Luxemburg legal, Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu umgehen. Für freie Schulen wie die Waldorfschule sind die Vorgaben des Bildungsministeriums bisher lediglich eine Empfehlung, schreibt das ‚Tageblatt Lëtzebuerg‘:

Bislang war das ganz legal, weil es sich um eine Privatschule handelt und die Vorgaben des Bildungsministeriums nur empfehlenden Charakter haben. Nun aber wurde die Maskenpflicht an den Schulen im Covid-Gesetz angepasst und wird dadurch auch für Privatschulen verpflichtend.“ (Tageblatt Lëtzebuerg – „Privatschule / Wie die Waldorfschule mit der Maskenpflicht umgeht„, 10. März 2021)

An der Luxemburger Schule hält die Mehrzahl der Eltern und Lehrer_innen die staatlich vorgeschlagenen Corona-Schutzmaßnahmen nicht ein, auch die Schule fordert sie nicht ein. Geplante Verschärfungen am Covid-Gesetz werden am Verhalten der Schule wohl wenig ändern, befürchtet das ‚Tageblatt‘.

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Anthroposophisches Altersheim schürt bei Bewohnern Angst vor Corona-Impfung

Zürcher Altenheim gibt Infomaterial der anthroposophischen „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ an Bewohner. In der Broschüre werde in bedrohlichem Tonfall vor angeblichen Gefahren durch eine Corona-Impfung gewarnt, so die NZZ.

Laut einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung NZZ verteilte das anthroposophisch ausgerichtete Alters- und Pflegeheim „Sonnengarten“ im Zürcher Oberland Broschüren deutscher Impfgegner an seine Bewohner. Der ebenfalls anthroposophische Lobbyverein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ warnt darin eindringlich vor vermeintlichen Gefahren durch die neuen Corona-Impfstoffe.

Die esoterische Glaubensgemeinschaft des Hellsehers Rudolf Steiner ist bekannt für eine weitgehende Ablehnung von Schutzimpfungen. Anthroposophische Einrichtungen wie Waldorfschulen und -Kindergärten sind traditionell bekannt für niedrige Durchimpfungsraten insbesondere gegen vermeintliche „Kinderkrankheiten“ wie die Masern. In der Corona-Pandemie nehmen die esoterischen Pseudomediziner nun offenbar verstärkt Senioren ins Visier.

Der Tenor dabei: Die Senioren sollten über eine Corona-Impfung selbst entscheiden können. „Sie werden in den nächsten Wochen für sich selber entscheiden, ob Sie sich impfen lassen wollen oder nicht„, schreibt die Heimleitung den Heimbewohnern. Zur Entscheidungsfindung erhalten die Senioren aber nicht die offiziellen Informationen der Gesundheitsbehörden, sondern eine Broschüre eines esoterischen Impfgegner-Verbandes.

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Nach Querdenken-Demos: Starke Verbreitung von Covid-19-Infektionen befürchtet

Neue Studie des ZEW Mannheim und der Humboldt-Universität zu Berlin zeigt die Folgen von nur zwei großen Querdenken-Demos: Die Sieben-Tages-Inzidenz stieg deutlich an, bis zu 21.000 zusätzliche Infektionen durch Pandemie-Leugner und Gegner von Corona-Schutzmaßnahmen werden befürchtet

Eine aktuelle Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und der Humboldt-Universität untersuchte das Infektionsgeschehen in den Landkreisen, aus denen zehntausende Demonstrant_innen zu Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen am 7. und 18. November 2020 angereist waren.

Dazu wurden Informationen über ein Netzwerk von Busunternehmern benutzt, die sich auf die Beförderung vom „Querdenken“-Demonstrant_innen spezialisiert hatten. In Landkreisen, die an den Demo-Tourismus der Busunternehmen angebunden waren, stieg die Sieben-Tages-Inzidenz deutlich stärker an als in Landkreisen ohne Busverbindung. Dies habe von November bis Weihnachten in den betroffenen Landkreisen einen Anstieg des Sieben-Tage-Inzidenzwertes um 40 Punkte zur Folge gehabt.

Maßnahmengegner können erhebliches Risiko darstellen

Die Studienmacher schätzen, dass bis Weihnachten 2020 sogar „zwischen 16.000 und 21.000 Covid-19-Infektionen hätten verhindert werden können“, wenn die beiden großen „Querdenken“-Demos in Leipzig und Berlin abgesagt worden wären.

Die Analyse von ZEW und Humboldt-Universität quantifiziert somit erstmals den Zielkonflikt zwischen der Einschränkung von Freiheitsrechten und gesundheitspolitischen Maßnahmen zum Infektionsschutz. Das individuelle Verhalten – wenn Personen beispielsweise entgegen der geltenden Regeln keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen oder Abstandsregeln missachten – kann laut ZEW-Analyse große Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben.

Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen“, betont ZEW-Wissenschaftler und Koautor der Studie Dr. Martin Lange.“ (ZEW – „Mehr Covid-19-Infektionen nach „Querdenken“-Demonstrationen„, 09.02.2021)


Kanadische Studie: Vermischung von Alternativmedizin und der extremen Rechten

Eine Studie der UNESCO stellt eine ‚ungewöhnliche Verbrüderung‘ von Rechtsextremen mit Corona-Leugnern, Impfgegnern und Anhängern von Alternativmedizin fest. Vorläufige Ergebnisse zeigen eine gefährliche Vermischung verschwörungsgläubiger Szenen, die durch das Internet verstärkt wird.

Am UNESCO-Lehrstuhl für „Prävention von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus“ erforscht eine kanadische Studie die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen verschwörungsideologischen Szenen. Erste Ergebnisse der Untersuchungen unter der Leitung der Kommunikations-Professorin Marie-Ève ​​Carignan zeigen, dass die „Wechselwirkungen zwischen verschiedenen verschwörerischen ‚harten Kernen‚“ in der Bevölkerung seit der Pandemie deutlich stärker geworden sind. 

Rechtsextremistische, verschwörungsideologische und esoterische Inhalte vermischten sich immer stärker.

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pottpost – Unvoreingenommene Anthroposophie?

Campuszeitung der anthroposophisch geprägten Privatuniversität Witten/Herdecke veröffentlich kritisches Interview mit „AnthroBlogger“ Oliver Rautenberg zur „Corona bei Kindern-Studie“. Die Studienmacher hatten sich zuvor gegen Corona-Schutzmaßnahmen ausgesprochen.

Im der Campuszeitung „pottpost – von Studies für alle“ schreiben Jan Sikorski und Joshua Stahl: „Zwei anthroposophische Mediziner:innen der Universität Witten/Herdecke forschen zu Nebenwirkungen des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes bei Kindern – und geben sich betont neutral. Bei genauerem Hinsehen entstehen daran aber erhebliche Zweifel. Ein Interview mit dem „ AnthroBlogger“ Oliver Rautenberg über Maskengegnerschaft, Anthroposophie und Wissenschaft.

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Gutachten zu Pandemie-Leugnung und extremen Rechten

Gutachten zu „Pandemie-Leugnung und extreme Rechte in Nordrhein-Westfalen“ betrachtet Esoterik und Anthroposophie als festen Bestandteil der Demonstrationen gegen Corona-Schutzmaßnahmen.

Im November 2020 erschien das Kurzgutachten „Pandemie-Leugnung und extreme Rechte in Nordrhein-Westfalen“ vom Soziologen und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Fabian Virchow und dem Sozialwissenschaftler Alexander Häusler für das Netzwerk Extremismusforschung „core-nrw“.

Die Autoren Virchow und Häusler erwähnen als Teilnehmer auf Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen unter anderem Esoteriker_innen und Impfgegner_innen aus der Anthroposophie. Als eine der Quellen dient Anthroposophie.blog.

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Querdenker-Ärzte und Maskenatteste

„39 Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht“ titelt der Zeitungsverlag Waiblingen heute über die Freie Waldorfschule Engelberg bei Winterbach. Atteste stammten gehäuft aus bestimmten Arztpraxen. Anthroposophischer Arzt bekennt sich auf Nachfrage als Maskengegner, äußert Querdenker-Thesen.

„An der Engelberger Waldorfschule sind vergleichsweise viele Schüler durch ärztliche Atteste davon befreit, eine Maske zu tragen. Insgesamt sind es derzeit 33 der insgesamt 700 Schüler, in einer Klasse sitzen geballt sieben. Außerdem haben sechs von 80 Lehrern ein Attest fürs Masketragen.“ (ZVW – „39 Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht„, 10.12.2020)

Bei den Arztpraxen, die Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausstellen, gebe es Häufungen. Ein anthroposophischer Arzt gibt sich unumwunden als Masken-Gegner zu erkennen und äußert Thesen, wie man sie aus der verschwörungsgläubigen Querdenken-Bewegung kennt.

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Corona-Schutz eingefordert: Waldorfschule Müllheim setzt Schüler unter Druck

An einer Müllheimer Waldorfschule zeigen einige Lehrkräfte ihre Ablehnung von Corona-Schutzmaßnahmen durch das Tragen von Häkelmasken. Ein Schüler rief die Behörden zu Hilfe – die Schule setzte den „Verräter“ daraufhin unter Druck.

Seit dem Aufkommen der Pandemie treten Mitglieder der Waldorfschul-Bewegung verstärkt als Gegner staatlich verordneter Corona-Schutzmaßnahmen auf. So waren in dutzenden Städten Waldorfpädagog_innen an Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen als Redner oder Organisatoren beteiligt. Häufig geht ein Riss durch die Lehrerschaft an den vom Hellseher und Okkultisten Rudolf Steiner gegründeten Privatschulen: Teile der Lehrer_innen akzeptieren Abstandsregeln und Maskenpflicht, andere entpuppen sich als vehemente Gegner.

In Müllheim eskalierte nun das Bemühen der Schüler um ihren eigenen Corona-Schutz: Ein Schüler musste die Polizei rufen, berichtet der Spiegel:

Weigern sich Lehrer, Maske zu tragen, sind Schüler oft hilflos. Es mangelt an Unterstützung im Kollegium, die Schulaufsicht weiß oft nicht Bescheid. Manche Schüler wenden sich stattdessen an die Medien – oder sogar an die Polizei“ (Der Spiegel – „Corona-Leugner in der Lehrerschaft: Wie Schüler alleingelassen werden„, 24.11.2020)

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