GLS-Bank


“Wenn heute viele Menschen neu zu uns hinzukommen, die nicht aus der Anthroposophie und ihrem Umfeld stammen, ist für mich die Frage: Haben die nun die Anthroposophie hinter sich oder vor sich? Für mich ist die Antwort, sie haben sie eher vor sich.” (Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS-Bank)

Thomas Jorberg im Magazin „Info3 – Anthroposophie im Dialog“, Juni 2013

Die „GLS“: Die bekannte ethische Bank und ihre Finanzierung von Esoterik, Pseudomedizin und Pseudowissenschaft.

Die „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“ wurde 1974 von Anhängern der esoterischen Glaubensrichtung „Anthroposophie“ gegründet, um anthroposophische Projekte wie Waldorfschulen und Demeter-Höfe zu finanzieren. Die GLS-Bank hat die Esoterik im deutschsprachigen Raum in den letzten 40 Jahren erst groß gemacht.

Durch diese Finanzierung gehören anthroposophische Einrichtungen zu den Marktführern – nicht nur im Bereich „alternativer“ Schulen, Bauernhöfen oder Medizin. In diesen Praxisfeldern der Anthroposophie wird nicht nach wissenschaftlichen, sondern nach rein esoterischen Grundsätzen gearbeitet.

Die Bank gilt mit Recht als eine der besten ethischen Banken, und bedient heute auch viele nicht-esoterische Themengebiete. Sie finanziert aber nach wie vor zahlreiche fragwürdige Projekte aus Pseudomedizin und Pseudowissenschaft.

Die GLS-Bank ist bis heute die Hausbank der deutschen Esoterik.


Gründung und Zweck

“Die GLS Bank ist 1974 von Menschen gegründet worden, die der Anthroposophie eng verbunden waren. Zu Beginn wurden hauptsächlich Projekte aus diesem Umfeld finanziert, z. B. Demeter-Höfe und Waldorfschulen.“ (Webseite der GLS-Bank)

Gründer der Bank war der Anthroposoph Wilhelm Ernst Barkhoff, der ebenso Gründer anderer anthroposophischer Einrichtungen wie des „Instituts für Waldorf-Pädagogik“ und auch Vorstand der „Rudolf-Steiner-Schule Ruhrgebiet“ war.

Mit Mitarbeitern wie Franz Schily (Vater von Konrad Schily und Otto Schily) machte er die nach esoterischen Annahmen arbeitenden Waldorfschulen in ganz Europa zu einem Erfolgsmodell.

Finanzierung der Waldorfschulen

Okkultes Geheimwissen, eine alternative Evolutionserzählung und rassistische Kernelemente

Eine der Hauptaufgaben der GLS-Bank war die Finanzierung der Waldorfschulen, die nach der Pädagogik des österreichische Hellsehers und Okkultisten Rudolf Steiner arbeiten.

Die angebliche Reform-Pädagogik berücksichtigt das Karma und den Stand der Reinkarnation der Kinder. Sie orientiert ihre Unterichtsinhalte an einer anthroposophischen Evolutionserzählung, die mit Atlantis beginnt. Weitere Kernelemente sind von der Anthroposophie angenommene „Kulturstufen“ – jedes Kind vollzieht in seinem Wachstum die kulturelle Entwicklung des weißen Europäers nach. Nach dieser im Kern rassistischen Evolutionserzählung sind die Unterrichtsinhalte gestaffelt. Seine pädagogischen Erkenntnisse bezog der Hellseher Rudolf Steiner aus „höheren Welten“, die nur er wahrnehmen konnte.

In Deutschland gibt es rund 250 der privaten Waldorfschulen, weltweit sind es etwa 1.200 Schulen. (Stand: 05/2020). Die elitären, esoterischen Privatschulen werden als sogenannte „Ersatzschulen in freier Trägerschaft“ mit bis zu 80% aus Steuergeldern finanziert.

VISA-Kreditkarte der GLS-Bank, mit den Logos von „Bund der Freien Waldorfschulen“ und „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ (nicht mehr erhältlich)

Mit einer eigenen „Waldorf-Kreditkarte“ konnten Kunden der GLS-Bank die Waldorfschulen nicht nur indirekt, sondern auch ganz direkt finanziell fördern:

Die Waldorf-Kreditkarte ist eine VISA-Karte, mit der Sie nicht nur weltweit bezahlen können. Mit jeder Zahlung unterstützen Sie außerdem Projekte der weltweiten Waldorfbewegung. Nach jedem Zahlvorgang geht der Erlös aus der Kreditkarte an den Bund der Freien Waldorfschulen e.V. und die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V., die beiden Kooperationspartnern der GLS Bank bei der Waldorf-Kreditkarte.“ (GLS-Bank)

Die Kreditkarte ist mittlerweile nicht mehr erhältlich.

Notfall-Waldorfpädagogik in Krisengebieten: Eurythmie für traumatisierte Kinder

Neben dem Bund der freien Waldorfschulen erhielt der Kooperationspartner „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ Geld aus dieser Aktion. Die „Freunde“ leisten weltweit „Notfall-Waldorfpädagogik“ in Krisengebieten. Dabei werden zum Beispiel traumatisierten Kriegsopfern, meist Kindern, anthroposophische „Therapien“ wie Eurythmie-Tänze angeboten. Der Verein hat seine Geldanlagen von rund 900.000 Euro bei der GLS-Bank.


Finanzierung der Demeter-Methode und die „Zukunftsstiftung Landwirtschaft“ der GLS

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft ist „[rechtlich] eine unselbstständige Stiftung, die mit der GLS Gemeinschaftsbank assoziiert ist und deren Geschäftsführung von der GLS Treuhand in Bochum besorgt wird.“ (Wikipedia). Die Stiftung setzt sich für die Verbreitung der anthroposophischen, so genannten „biologisch-dynamischen“ Landwirtschaft ein, wie sie bei den von Rudolf Steiner inspirierten Verbänden Demeter, GÄA oder EcoVin betrieben wird. Diese Verbände gehören zu den führenden Bio-Verbänden in Deutschland.

Biodynamische Landwirtschaft: Okkultismus, Astrologie und Homöopathie

Die biodynamische Landwirtschaft geht ebenfalls auf den Hellseher Steiner zurück. Sie will okkulte, also verborgene Wirkungen von Mond, Sternen und Planeten berücksichtigen und verpflichtet Bauern zu okkult-magischen Ritualen, bei denen sich Gedankenkräfte auf Düngemittel auswirken sollen.

Als Dünger werden Präparate aus mit Mist gefüllten und vergrabenen Kuhhörnern, Tierschädeln, Kristallen oder Eingeweiden verwendet, die homöopathische verdünnt zum Einsatz kommen. Kranke Tiere werden vorrangig mit kosmologischer, anthroposophischer Pseudomedizin oder homöopathischen Globuli behandelt. Alle genannten Verfahren sind für die mehr als 6000 Demeter-Bauern weltweit per Richtline verpflichtend durchzuführen. Mit GÄA und EcoVin arbeiten drei der neun größten deutschen Bio-Anbauverbände nach Vorgaben des Hellsehers Rudolf Steiner.

Förderung von Pseudowissenschaften, Aura-Fotografie und Eurythmie-Tänzen

Ziel der Stiftung ist es, diese auf Astrologie, Homöopathie und Okkultismus basierende „biologisch-dynamische Landwirtschaft“ als „Leitbild zukünftiger Agrarpolitik“ zu etablieren. Schwerpunkte sind unter anderem die „Entwicklung neuer Methoden zur Beurteilung der Qualität von Lebensmitteln, etwa durch bildschaffende Methoden.“ (Wikipedia). Da die von den Esoterikern angeblich im Produkt erzeugten „Vital-„, „Lebens-“ oder auch „Ätherkräfte“ mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisbar sind, haben Anthroposophen eigene Messtechniken erfunden.

Fünf kreisrunde Bilder: Die der Aura-Fotografie ähnliche „Tropfbildmethode“ produziert zufällige Muster von verdünnten Pflanzenauszügen. (via Psiram)

Pseudowissenschaftliche „bildschaffende Methoden“ sollen mittels obskurer esoterischer Techniken die „ätherische Lebenskräfte“ in Produkten darstellen können. Bei diesen Methoden wird – kurz gesagt – meist ein wässriger Auszug einer Pflanze genutzt. Unter Zugabe von Zusatzstoffen wird dieser Auszug instabil und die Probe der Pflanze zerfällt. Die zufällig gebildeten Zerfalls-Strukturen werden dann hellseherisch interpretiert.

Eurythmie auf dem Acker:Tanzen für Pflanzen“ als bio-dynamische „Forschung

Der Schwerpunkt der Stiftung liegt auf der Förderung der Züchtungsforschung im Bereich Getreide, Gemüse und Obst (…). Zu ihren Partnern gehören in diesem Bereich beispielsweise (…) die Forschung & Züchtung Dottenfelderhof.“ (Wikipedia)

Auf dem Dottenfelderhof behauptet man „Gemüsezüchtungs-Forschung“, zu betreiben, indem man verschiedene Pflanzen wie u. a. Rosenkohl mit esoterischen Eurythmie-Tänzen betanzt. Die Pflanzen „untersucht“ man dann mit den der Aura-Fotografie ähnlichen „bildschaffenden Untersuchungen (Kupferkristallisation und Steigbild)“, um die durch das esoterische Tanzen erzeugten ätherischen „Vitalkräfte“ zu dokumentieren. (Dottenfelderhof, Tätigkeitsbericht 2018, PDF)

Saatgutsparen – oder: „Kosmosklänge“ für das Saatgut

Bio-dynamische Forschung mit „Tanzen für Pflanzen“, „Musikintervallen für Pflanzensamen“ oder „Aura-Fotografie“ kann man mit der Aktion „Saatgutsparen“ der GLS-Bank unterstützen. Zinserträge gehen dabei in die „Saatgutarbeit“ der „Zukunftsstiftung Landwirtschaft“.


Stiftungsfonds der GLS Treuhand

Der Stiftungsfonds der GLS-Schwester „GLS Treuhand“ finanziert einige wertvolle Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Flüchtlingshilfe sowie Behindertenarbeit.

Die meisten Projekte scheinen jedoch aus dem eigenen anthroposophischen, esoterischen und pseudowissenschaftlichen Spektrum zu stammen.

Anthroposophie, Homöopathie, Leugnung der Evolution

Beispiele:

  • A.R.S.-Stiftung für Waldorfpädagogik
  • Stiftungsfonds Artfondo, Kunstprojekte inspiriert durch Anthroposophie und den Anthroposophen Joseph Beuys
  • Freie Bildungsstiftung für eine Bildung nach den Idealen Rudolf Steiners
  • Zukunftsstiftung BioMarkt, in Kooperation mit BioKreis und Denn´s, tätig im Bereich der bio-dynamischen Landwirtschaft
  • Bodhichitta Stiftung für buddhistische Meditation und Homöopathie
  • Stiftungsfonds Chirophonetik, anthroposophische Sprachtherapie
  • Stiftungsfonds Desiderata, u. a. für „ganzheitliche“ Heilverfahren
  • EKAYANA Stiftungsfonds für zeitgemäßen Buddhismus 
  • Stiftungsfonds European Integral Academy, tätig im Bereich der Esoterik und Spiritualität
  • Institut für Evolutionsbiologie an der Universität Witten/Herdecke, dessen Leiter die These von Rudolf Steiner belegen will, dass das Tier vom Menschen abstammt und somit Darwins Evolutionstheorie falsch ist
  • HORTUS Stiftungsfonds für biologisch-dynamische Landbauprojekte
  • Stiftungsfonds HGM – Heute Gemeinsam für Morgen – für Waldorfpädagogik und Anthroposophie
  • Karl König Stiftungsfonds für Anthroposophische Medizin
  • Stiftungsfonds Nadjeschda für Kinder u.a. mit Behinderungen, Waldorfpädagogik
  • Sparrer&Varga-Stiftung zur „Systemischen Strukturaufstellung

Quelle: Stiftungsfonds der GLS Treuhand


Finanzierung von Evolutionsleugnern

Anthroposophen glauben an ihren eigene Evolutionmythos. Diese beinhaltet esoterische Anteile (Abstammung des Menschen aus „Atlantis“), rassistische Anteile (die höchste Entwicklungsstufe ist die geniale, weiße „arische Rasse“) und anti-wissenschaftliche Anteile („Der Mensch stammt nicht vom Affen ab“, Rudolf Steiner). Die Evolutionstheorie nach Charles Darwin lehnte der Anthroposophie-Erfinder Steiner ab.

Der Stiftungsfonds der GLS-Bank finanziert seit 2007 die Forschungen des
“Institut für Evolutionsbiologie”
an der anthroposophischen Privat-Universität Witten-Herdecke. 1992 übernahm der ehemalige Waldorfschüler, Waldorflehrer und Waldorfausbilder Wolfgang Schad das Institut. Im Hausmagazin der Waldorfschulen, der „Erziehungskunst“, leugnete Schad 2004 – getreu seinem Glauben – die Evolution. In seiner Forschung hofft er, Darwin widerlegen zu können.

“Auf die heutige Form des Evolutionsverständnisses, das man derzeit wissenschaftlich für wahr hält, wird man möglicherweise in 200 Jahren nachsichtig zurückblicken. (…)

So finden wir zwei Anschauungen vor: Entweder stammt der Mensch vom Affen ab oder umgekehrt der Affe vom Menschen.
Auch innerhalb der naturwissenschaftlichen Forschung kann man beide Anschauungen vorfinden, wobei die Affen-Abstammung des Menschen natürlich besonders von der atheistisch-materialistischen Naturwissenschaft vertreten wurde.

Aber es hat immer auch eine »Underground-Naturwissenschaft« gegeben, die manche Fakten dafür, dass auch das Umgekehrte denkbar ist, beibringen konnte.” (Wolfgang Schad im Waldorf-Hausmagazin „Erziehungskunst“, 2004)

Dass der Mensch nicht vom Affen abstammt, wird Kindern auch in einigen der dogmatischeren Waldorfschulen beigebracht.


Lobbyarbeit gegen Gentechnik

Der „Informationsdienst Gentechnik“ wird u. a. bezahlt von Firmen aus dem anthroposophischen Spektrum. Zu den Trägern gehören der esoterische Anbauverband Demeter und die Zukunftsstiftung Landwirtschaft der anthroposophischen GLS-Bank. Dessen seit fast 10 Jahren an Schulen verteilten Info-Materialien stehen in der Kritik.

Flyer des „kritischen Portals“ namens „Keine Gentechnik“ für Schulen mit Spendenaufruf für die Zukunftsstiftung Landwirtschaft der GLS Bank und GLS Treuhand

Versteckte Lobbyarbeit mit falschen Fakten und zweifelhaften Studien

„Der Informationsdienst Gentechnik bietet Lehrern und Schülern der Sekundarstufe bereits seit 2010 Lehrmaterialien und Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung an. Die Informationen sind tendenziös und geben Fakten verzerrt wieder. Zweifelhafte Studien werden als Beleg für die Hatz auf Gentechnikkritiker gewertet. (…) Für Lehrer und Schüler ist dabei nicht auf den ersten Blick erkennbar, dass es sich bei den Verfassern der Materialien und Informationen um vehemente Gegner einer sogenannten „Agro-Gentechnik“ handelt.  (…) Ob solche „Unterrichtsmaterialien“ noch der Lehre dienen, oder der Meinungsmache, ist daher eine Frage, der sich auch das Bundesministerium für Bildung stellen sollte.“ (Süddeutsche Zeitung)


Veflechtungen zwischen Bertelsmann und der GLS

Über die Verflechtungen zwischen Bertelsmann und der GLS-Bank kann man sich bei Telepolis informieren:

„Die Bertelsmann-GLS-Bank-Connection – Über fragwürdige Verflechtungen einer Öko-Bank mit einer Privatuniversität und einer Lobby-Organisation“

https://www.heise.de/tp/features/Die-Bertelsmann-GLS-Bank-Connection-3928168.html


Ein Netzwerk anthroposophischer Banken

Neben der deutschen GLS-Bank gibt es ein ganzes Netzwerk aus kleinen und großen Banken mit anthroposophischem Hintergrund. Einige bekannte Banken darunter sind:

Triodos-Bank, Niederlande

Auch die Triodos-Bank ist von und mit Anthroposophen gegründet worden. Beraten wurden die Gründer der Triodos-Bank vom Heilpädagogen und Vorsitzenden der anthroposophischen Gesellschaft, Bernard Lievegoed sowie vom GLS-Gründer Wilhelm Ernst Barkhoff:

„Die Gründung der Triodos Bank erfolgte im Jahr 1980. Unsere vier Gründer (…) beschäftigen sich seit den Sechzigerjahren intensiv mit Fragestellungen rund um das Thema Social Banking, aber auch stark mit der Anthroposophie. Die Gründer sind damals auch zur GLS Bank nach Bochum gereist, weil dort ähnliche Ideen lebten, und haben sich von Herrn Barkhoff, dem Gründungspionier der GLS Bank, inspirieren lassen.“ („Finanzwirtschaft in ethischer Verantwortung“ – „Die Triodos Bank und ihr nachhaltiges Geschäftsmodell„, Springer, 2017)


NEF-Bank, Frankreich

Wikipedia: La NEF entreprise (französisch)

Webseite: la NEF, finance éthique


ABS-Bank, Schweiz

„Die ABS ist in den 1980er Jahren aus ökologisch, alternativ aber auch anthroposophisch orientierten Kreisen entstanden.“ (Alternative Bank Schweiz, „Unsere Wurzeln„, 2020)


Freie Gemeinschaftsbank, Schweiz

Die Freie Gemeinschaftsbank ist stark auf die Anthroposophie des österreichischen Hellsehers Rudolf Steiner ausgerichtet. Ihre Geschäftsbereiche bezeichnet sie nach Steiner als „Organe“, sie finanziert zum großen Teil anthroposophische Einrichtungen.

Das Logo und selbst das Gebäude der Bank sind nach anthroposophischen Grundsätzen gestaltet und verwenden kaum „unnatürliche“ rechte Winkel. Auf der Internetseite und sogar im Geschäftsbericht wird Hellseher Steiner wörtlich zitiert.


Warum eine alternative Bank kritisieren?

Die GLS-Bank ist die vielleicht bekannteste „ethische“ Bank. Viele halten ihr mit Recht zugute, dass sie nicht in „unethische“ Bereiche wie die Rüstungsindustrie investiert. Kritik an einer solchen Bank ist einigen unverständlich.

Nicht nur „Geld für Waffen“, auch die Finanzierung anti-wissenschaftlicher, anti-moderner Esoterik ist gefährlich. Das Einsickern esoterischer Verschwörungserzählungen und „alternativen Fakten“ schädigt die Gesellschaft. Das fördert die Entstehung von Parallelgesellschaft, in der Wahrheiten, Fakten oder wissenschaftliche Erkenntnisse keine Rolle mehr zu spielen brauchen: Fakt und Fiktion werden gleichwertig.

Die Anthroposophen und ihre GLS-Bank haben eine breite und tief in der Gesellschaft verwurzelte esoterische Bewegung etabliert. Jahrzehntelange Einflussnahme und intensive Lobbyarbeit hat der Hellseher-Bewegung eigene gesetzliche Ausnahmen in Schule, Landwirtschaft und Medizin eingebracht.

Anthroposophen dürfen mit großzügiger staatlicher Finanzierung eigene, auf Hellseherei basierende Schulen führen, ohne staatliche Lehrpläne zu achten. Die meist elitären Privatschulen sind finanziell teilweise besser gestellt als Regelschulen.

Anthroposophen dürfen mit Duldung und sogar mit Finanzierung von Bundes- und Landwirtschaftsbehörden Astrologie und Okkultismus betreiben. Sie lassen sich sogar die Forschung dazu aus Staatsmitteln bezahlen. Durch den Einfluss von Esoterikern ist in der gesamten europäischen Bio-Landwirtschaft die Gabe von homöopathischer Pseudomedizin an kranke Tiere zur Vorschrift geworden.

Anthroposophen dürfen in Arztpraxen und Krankenhäusern eine eigene, kosmologisch begründete „Medizin“ praktizieren, welche nicht nur die Hochburg von Impfgegnern im deutschsprachigem Raum darstellt, sondern auch bei „alternativen“ Krebsmitteln der Marktführer ist. Die der Homöopathie ähnliche anthroposophische „Medizin“ muss dank eigener Sondergesetze keinerlei Wirknachweise erbringen. Sie kann dies auch nicht.

Anthroposophen haben Alternativen geschaffen – alternative Banken, alternative Bauernhöfe, alternative Schulen und eine alternative Medizin.

Die Gefahr, die von der Anthroposophie-Szene ausgeht, ist nicht die einer Waffe, sondern leider oft die eines schleichenden Giftes.


Weitere Informationen zur GLS-Bank:

https://de.wikipedia.org/wiki/GLS_Gemeinschaftsbank

https://anthroposophie.blog/?s=GLS


Waldorfschule, GLS-Bank und Uni Witten-Herdecke zweifeln an der Evolution

“Auf die heutige Form des Evolutionsverständnisses, das man derzeit wissenschaftlich für wahr hält, wird man möglicherweise in 200 Jahren nachsichtig zurückblicken. (…)

So finden wir zwei Anschauungen vor: Entweder stammt der Mensch vom Affen ab oder umgekehrt der Affe vom Menschen.
Auch innerhalb der naturwissenschaftlichen Forschung kann man beide Anschauungen vorfinden, wobei die Affen-Abstammung des Menschen natürlich besonders von der atheistisch-materialistischen Naturwissenschaft vertreten wurde. Aber es hat immer auch eine »Underground-Naturwissenschaft« gegeben, die manche Fakten dafür, dass auch das Umgekehrte denkbar ist, beibringen konnte.” (Wolfgang Schad)

Quelle: Wolfgang Schad – “Die Idee der Evolution in der Pädagogik” über Evolution, Die Jahrsiebtlehre des Hellsehers Rudolf Steiner und die mögliche Abstammung der Affen vom Menschen, erschienen bei „Erziehungskunst – Waldorfpädagogik heute“.

Schad, ein ehemaliger Waldorfschüler, Waldorflehrer und Waldorfausbilder war tätig am “Institut für Evolutionsbiologie” der anthroposophischen Universität Witten-Herdecke. Das Institut wird von der Stiftung der anthroposophischen GLS-Bank gefördert und sucht nach einer “Ergänzung zur einseitigen darwinistischen Interpretation, die Evolution nur auf Selektion und Konkurrenz reduziert”.

Siehe auch: Institut für Evolutionsbiologie der Universität Witten-Herdecke

http://medizin.uni-wh.de/humanmedizin/institute/uebersicht/institut-fuer-evolutionsbiologie/?L=0

GLS – Banker und die Anthroposophie

“Wenn heute viele Menschen neu zu uns hinzukommen, die nicht aus der Anthroposophie und ihrem Umfeld stammen, ist für mich die Frage: Haben die nun die Anthroposophie hinter sich oder vor sich? Für mich ist die Antwort, sie haben sie eher vor sich.” (Thomas Jorberg)

Quelle: Interview mit Thomas Jorberg, Vorstand der Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken in Info 3 Magazin – Anthroposophie im Dialog

GLS Bank – Wir finanzieren Demeter und die Waldorfschulen

“Ist die GLS Bank eine anthroposophische Bank?”

“Die GLS Bank ist 1974 von Menschen gegründet worden, die der Anthroposophie eng verbunden waren. Zu Beginn wurden hauptsächlich Projekte aus diesem Umfeld finanziert, z. B. Demeter-Höfe und Waldorfschulen. Dies hat sich in den folgenden Jahren verändert. Das Spektrum ist breiter geworden. Es kamen beispielsweise Bioland-Höfe sowie Montessori-Schulen hinzu.” (GLS Bank)

Quelle: www.gls.de – Fragen und Antworten

Maskengegner erforschen Masken-Gefahren

Kleines Kind mit ausgestreckter Hand signalisiert: "Halt!"
Denkwürdige Auswahl an Stock-Fotos bei der CoKi-Studie zu Corona und Kindern

Anthroposophische Mediziner laufen seit Monaten Sturm gegen eine Maskenpflicht für Kinder. Nun wollen Sie ihre Behauptungen zur Gefährlichkeit von Masken nachträglich mit einer Studie belegen.

Die Anhänger der kosmologischen Weltanschauung des Hellsehers Rudolf Steiner haben schon immer eine ‚alternative‘ Auffassung von Medizin gehabt: Der Mensch sei ein Abbild des Kosmos, Heilmittel sollten nach dem zum erkrankten Organ passenden Planeten ausgewählt werden, und auch nicht-stoffliche Körperteile wie die menschliche Aura verdienten einer Behandlung.

Seit der Corona-Krise wenden die Anhänger der Hellseher-Heilkunst ihre Ansichten auch auf Covid-19 an.

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Ganzheitliche Grundlagenforschung

In der Biodynamik, einer pseudowissenschaftlichen landwirtschaftlichen Wirtschaftsweise nach dem Hellseher Rudolf Steiner betreibt man „Forschung“ durch esoterische Tänze um den Salatkopf – gefördert von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Biodynamische „Forschung“ bei Kultursaat e.V. mit Eurythmie-Tänzen für Salatköpfe, 2016

Der Verein „Kultursaat“ züchtet Gemüse mit Charakter – auf unkonventionelle Art und Weise, wie Agraringenieurin Christina Henatsch bewegt zeigt. (…)

„Quarz und Kuhmist werden in Hörnern in der Erde vergraben und nach einer gewissen Zeit in homöopathischer Verdünnung auf den Feldern ausgebracht.“ Dadurch, so das Ziel, können sich die Pflanzen besser mit dem Kosmos verbinden, denn „auch der trägt einen wesentlichen Teil zum Gedeihen der Sämlinge bei“. (…)

„Ich betreibe ganzheitliche Grundlagenforschung“, so Henatsch. „Ich möchte Verständnis für das Wesen und die Eigenschaften einer Pflanze entwickeln. Ich untersuche auch, ob besondere Behandlungen Merkmale verändern können.“ Bei Christina Henatsch sind es eurythmische Gesten überm Brokkoli, die besondere Kräfte heranrufen und der Pflanze beim Wachstum helfen sollen.“ (Lübecker Nachrichten)

Quelle: Lübecker Nachrichten – „Die mit dem Salat tanzt„, 29.08.2010 über Christina Henatsch von Kultursaat e.V., die „biodynamisches“ Gemüse mit Homöopathie düngt und mit auf die Planeten abgestimmten Eurythmie-Bewegungen betanzt. Offizielle Partner von „Kultursaat“ sind unter anderem die GLS Treuhand, Demeter oder die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.


Das Periodensystem des irrationalen Unsinns

The Periodic Table of Irrational Nonsense (c)2010 by Crispian Jago

Dieses wunderbare „Periodensystem des irrationalen Unsinns“ hat Crispian Jago entwickelt. Vom Glauben an Außerirdische über Paranormales, von Pseudowissenschaften bis zu „alternativer“ Medizin ist alles dabei, was der moderne Esoteriker und Verschwörungstheoretiker braucht. Auf seiner Webseite bietet Jago auch eine schöne, interaktive und sehr lustige Version seiner Tabelle an.

Auf die so genannte „Weltanschauung“ namens „Anthroposophie“ des Hellsehers und Okkultisten Rudolf Steiner treffen zahlreiche dieser Konzepte zu. Sie ist im wahrsten Sinne ein esoterischer Gemischtwarenladen. Steiner bezeichnete seine hellseherischen Erkenntnisse „höherer Welten“ immer als „Geisteswissenschaft“. Seine Anhänger versuchen noch heute, Hellseherei als Wissenschaft umzudeuten. Grund genug, genauer hinzusehen.

Die untenstehenden irrationalen Überzeugungen finden sich in allen Praxisfeldern des esoterischen Glaubens: In der Waldorfschule, in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bei Demeter und natürlich auch in der anthroposophischen „Medizin“.

Sehen wir uns mal an, welche irrationalen Konzepte auf den Glauben der Anthroposophen zutreffen.

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„Guten Morgen, liebe Kinder“: Langzeitdokumentation über eine Waldorfschule

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Vierzig in Rottönen gekleidete Kinder sitzen auf roten Kissen in einem roten Raum mit roten Vorhängen und roten Türen. Im Chor sprechen die Kinder einen Text über „der Seele Geistesmacht“:

„Der Sonne liebes Licht,
Es hellet mir den Tag;
Der Seele Geistesmacht,
Sie gibt den Gliedern Kraft;
Im Sonnen Lichtes Glanz
Verehre ich, 0 Gott,
Die Menschenkraft, die Du
In meine Seele mir
So gütig hast gepflanzt,
Daß ich kann arbeitsam
Und lernbegierig sein.
Von Dir stammt Licht und Kraft,
Zu Dir ström‘ Lieb‘ und Dank.“

Vielleicht vermuten Sie zuerst, hier dem Treffen einer Sekte zuzusehen. Und damit lägen sie nicht mal ganz falsch. Die dargestellte Schule ist eine Steiner-Schule, eine Waldorfschule. Den von den Kindern auswendig gelernten, christlichen Ritualtext hat der Schulgründer verfasst: Der Hellseher und Okkultist Rudolf Steiner. Die Kamera dringt hier in eine Welt vor, die die Waldorfschulen sonst nur sehr ungern zeigen. Doch die Waldorfschule allein entscheidet, was wir von ihr sehen dürfen.

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‚Informationsdienst‘ Gentechnik betreibt versteckte Lobbyarbeit

„Ökolobby dringt in den Schulunterricht vor. (…) Der Informationsdienst Gentechnik bietet Lehrern und Schülern der Sekundarstufe bereits seit 2010 Lehrmaterialien und Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung an. Die Informationen sind tendenziös und geben Fakten verzerrt wieder. Zweifelhafte Studien werden als Beleg für die Hatz auf Gentechnikkritiker gewertet. (…)

Für Lehrer und Schüler ist dabei nicht auf den ersten Blick erkennbar, dass es sich bei den Verfassern der Materialien und Informationen um vehemente Gegner einer sogenannten „Agro-Gentechnik“ handelt.  (…)

Ob solche „Unterrichtsmaterialien“ noch der Lehre dienen, oder der Meinungsmache, ist daher eine Frage, der sich auch das Bundesministerium für Bildung stellen sollte.“ (Süddeutsche Zeitung)

Quelle: Die Süddeutsche Zeitung vom 12.03.2019 über den „Informationsdienst Gentechnik“: „Ökolobby dringt in den Schulunterricht vor“ –

Hintergrund:

Das „Informationsdienstes Gentechnik“ wird vom Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND und Bio-Verbänden getrageh, aber auch von Firmen aus dem anthroposophischen Spektrum unterstützt. Zu den Trägern gehören der esoterische Bio-Anbauverband Demeter und die in teilen anti-wissenschaftliche „Zukunftsstiftung Landwirtschaft“ der anthroposophischen GLS-Bank, der Hausbank der Waldorfschulen. Weitere Unterstützer der Gentechnikgegner sind anthroposophische Firmen wie Alnatura und Sonett sowie deren Kooperationspartner. Diese anthroposophischen Firmen berufen sich auf die Lehren des Hellsehers und Okkultisten Rudolf Steiner. Quelle: https://www.keine-gentechnik.de/netzwerk/traeger-unterstuetzer/

Demeter


Was ist biologisch-dynamische Landwirtschaft?

Demeter „Bio-Monschein Käse mit Aqua Luna Wasser (Vollmondwasser) gepflegter Rinde, an Licht-Blütetagen und Wärme-Fruchttagen gekäst“ (Info)

Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist eine pseudowissenschaftliche, esoterische Wirtschaftsweise, die auf den Ideen des Hellsehers Rudolf Steiner basiert.

In der Biodynamik finden sich Ansichten aus Astrologie und Homöopathie, Esoterik und Okkultismus – also einer Lehre von verborgenen, unerklärlichen Kräften. Die Anthroposophie als Weltanschauung gibt vor, zusätzliche „höhere Welten“ wahrzunehmen. Diese verborgenen Welten mit geheimen Kräften – und selbst unsichtbaren Wesen – sind die Grundlage der Biodynamik.

Die Grundsätze der Methode erfand Steiner offenbar spontan als bezahlter Vortragsredner vor Landwirten im Jahre 1924. Nach der anthroposophischen Methode arbeitende Landwirte gründeten darauf 1927 den Verband „Demeter“:

1923 wurde Steiner von einigen Landwirten um den Graf von Keyserlingk zu einem Vortragszyklus überredet. Steiner wurde „eine Garantiesumme von 20.000 Mark zugesichert, damit Reisespesen und Honorare für die Künstler bezahlt werden konnten“, da ihn eine Künstlergruppe, die Eurythmievorstellungen gab, begleiten sollte. (…)

[Der] gesundheitlich bereits schwer angeschlagene Steiner präsentierte in Kursen seine mehr oder weniger spontan erfundene „geisteswissenschaftliche Landwirtschaft.“. (Wikipedia)

Rund 40 Jahre lang, bis ins Jahr 1963, wurde das „hellseherische Leitbild“ (Wikipedia) von Demeter streng geheim gehalten.

Demeter ist heute (Stand: 2020) der drittgrößte Bio-Anbauverband und ist mit über 6000 Betrieben in mehr als 60 Ländern vertreten. Fast alle großen Bio-Verbände akzeptieren Demeter-Methoden bei sich, kleinere Anbauverbände wie GÄA oder EcoVin arbeiten teils nach identischen Vorgaben.

In Spitzenverbänden und Forschungsinstituten sowie mit Lobbyarbeit bis in die Landwirtschaftsministerien hinein bestimmen Anthroposophen die Bio-Branche maßgeblich mit.

Ist die „biologisch-dynamische Landwirtschaft“ ein Plagiat?

Rudolf Steiner gab an, seine Erkenntnisse durch seine hellseherischen Fähigkeiten in „höheren Welten geschaut“ zu haben. Oft übernahm er jedoch einfach fremde Konzepte, z. B. aus dem Buddhismus, der esoterisch-rassistischen Theosophie oder auch aus Science-Fiction-Romanen. Auch die Grundlage seiner „Landwirtschaftlichen Kurse“ scheint ein Plagiat zu sein:

Steiners Vortragsideen und Konzepte von einer spirituell reformierten Landwirtschaft, die er quasi über Nacht in Breslau spontan niederschrieb, weisen frappierende Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit den Ideen auf, die der deutsche Agrarwissenschaftler Richard Krzymowski 1919 in seiner Philosophie der Landwirtschaftslehre entworfen und veröffentlicht hat. Krzymowski lehrte 1924 zufälligerweise in Breslau, also in unmittelbarer Nähe zu Koberwitz, wo Steiner 1924 seinen Landwirtschaftlichen Kurs hielt. (…)

Die zentralen Gegenstandsbereiche in Steiners landwirtschaftlichen Betrachtungen waren kein Neuland. Sie wurden schon seit den 1860er Jahren unter Verfechtern eines biologischen Landbaus diskutiert, deren Ergebnisse und Antworten die Anthroposophie lediglich aufgriff.“ (Wikipedia)


Wie arbeitet man biologisch-dynamisch?

Quelle: Biodynamischer Kalender Mond und Planeten 2016

Angebaut wird im Rhythmus der Mondphasen, unter Einbeziehung von astronomischen Sternen-Konstellationen und sogar „überirdischen, luft-übertragenen Planetenkräften“ (Rudolf Steiner).

Verschiedene okkult-magische Verfahren sollen in den Produkten „ätherische Bildekräfte“ (auch: „Vitalkräfte„) erzeugen.

Gedüngt wird mit selbst hergestellten, magischen und homöopathisch verdünnten „Präparaten„, die mit Hilfe von Kuhhörnern, Innereien, Kristallen oder Tierschädeln selbst hergestellt werden. Die bekannteste Methode sind dabei die mit Kuhdung gefüllten und über Winter im Acker vergrabenen Kuhhörner.

Anthroposophen glauben an eine „über die Materie hinausgehende Wirklichkeit“ (Demeter-Richtlinien). Die Demeter-Bauern wollen „unter Einbeziehung der Kräfte des Mondes, der Planeten und des Kosmos“ (Demeter Schweiz) Produkte von „kosmischer Qualität“ herstellen:

„In guter Milch spiegelt sich der ganze Kosmos.“ (Demeter Journal, 2009).

Anthroposophisch angebautes Gemüse soll unter anderem in der Lage sein, „Licht-Äther“ zu speichern. „Am Pflanzenwachstum ist der ganze Himmel mit seinen Sternen beteiligt!„, so Rudolf Steiner.

Verwendung Bio-dynamischer Präparate

Das wichtiges Merkmal und das Kernelement von „bio-dyn“ ist die Verwendung von magischen Düngemitteln („Präparaten“). Diese „Präparate“, zum Beispiel Kuhmist, der in Kuhhörner gestopft und vergraben wird, nennt der Anbauverband das „Herzstück“ seiner Methode.

Die verwendeten Kuhhörner dienen als kosmische Antennen zum Empfang von „astralisch-ätherischen Kraftströmungen“ (Rudolf Steiner). Der Kuhmist werde dadurch in „geistigen Mist“ verwandelt:

“Es können auch Kraftströmungen sein, die in dem Geweih lokalisiert sind. Die Kuh hat Hörner, um in sich hineinzusenden dasjenige, was astralisch-ätherisch gestalten soll (…)“ (Rudolf Steiner – “Vorträge über Naturwissenschaft”, Gesamtausgabe Band 327, S.97f)

Das Bild von Hörnern und Geweihen als Kosmos-Antennen findet sich auch auf den Webseiten von Demeter: Der Hirsch sei „mit seiner Umgebung bis hinaus in die kosmischen Weiten verbunden, sein Geweih [ist] wie eine Antenne“ („Die Präparate. Das Herz der bio-dynamischen Agrikultur„, Gotheanum, 2018)

Andere „Präparate“ werden aus Tierschädeln, Kristallen oder Eingeweiden hergestellt. Die Verwendung der folgenden „Präparate“ ist Demeter-Bauern durch ihre Richtlinien („Allgemeine Regeln zur Erzeugung„) zwingend vorgeschrieben:

Präparat 500 – Das Kuhhornmistpräparat. Kuhmist (Darminhalt) wird in ein Kuhhorn gefüllt und im Herbst vergraben, im Frühjahr wird er auf den Feldern verstreut.

Präparat 501 – Das Kuhhornkieselpräparat. Quarz, Kiesel oder möglichst Bergkristall werden mit Regenwasser zu Brei verarbeitet, in ein Kuhhorn gefüllt und von Juni bis zum Spätherbst „zum übersommern“ vergraben.

Präparat 502 – Das Schafgarbenpräparat. Blüten der Schafgarbe werden in die Blase vom männlichen Rotwild (Hirsch) gefüllt, getrocknet und ein Jahr lang in der Erde den „Kräftewirkungen des Jahreslaufes“ ausgesetzt. „Zur Gewähr, dass es sich um ein männliches Tier handelt,
lasse man sich vom Förster die Hoden mitschicken.”

Präparat 503 – Das Kamillenpräparat. Blütenköpfchen der Kamille füllt
man so in Rinderdärme, dass Würste entstehen. “Die Därme sind in Ihre
ursprüngliche Lage zu bringen (zu wenden), bevor die
Kamillenwürste in der Erde überwintern.”

Präparat 504 – Das Brennnesselpräparat. Bündel ganzer, blühender Brennnesseln werden, umgeben mit einer Torfmullschicht, für ein volles Jahr in der Erde vergraben.

Präparat 505 – Das Eichenrindenpräparat. Eichenrinde vom noch lebenden Stamm einer Roteiche mittleren Alters wird in die Schädeldecke von einem Haustier (Rind, Pferd, Schwein, Schaf) gegeben. Der Schädel wird mit Knochen abgeschlossen und von Herbst bis Frühjahr vergraben oder in einen Holzbottich mit Regenwasser gegeben.

Präparat 506 – Das Löwenzahnpräparat. Frühmorgens gesammelte Blütenköpfe des Löwenzahns werden zu „kindskopfgroßen Kugeln gepresst“ in Rindsgekröse (Rinderbauchfell) eingenäht und über den Winter vergraben.

Präparat 507 – Das Baldrianpräparat. Im Juni / Juli werden die Blüten des Baldrians gesammelt und mit Regenwasser angefeuchtet, danach mit einer Saftpresse ausgepresst.

Präparat 508 – Das Equisetumpräparat. Getrockneter Acker-Schachtelhalm (Equisetum) wird „in üblicher Weise verarbeitet und als Droge verwendet“.

Quelle: “Herstellung der Düngerpräparate der biologisch – dynamischen
Wirtschaftsweise nach Angaben aus dem Landwirtschaftlichen Kurs von Dr. Rudolf Steiner
“ nach I. Voegele.

Den Bauernhof für kosmische Kräfte öffnen

Demeter will mit den Präparaten „kosmische und geistige Kräfte“ erwecken, weiß aber offenbar auch um deren okkult-magischen Charakter:

Die biodynamischen Präparate tragen wesentlich zur Weiterentwicklung von Boden, Pflanzen und Tieren im landwirtschaftlichen Betrieb bei, indem sie diese für die kosmischen und geistigen Kräfte öffnen. (…)

Die Präparatearbeit hilft dem Landwirt, seinem Betrieb, seinem Boden, den Pflanzen und Tieren und der umgebenden Natur auf eine andere, mehr spirituelle Art zu begegnen. (…)

So helfen sich alle Beteiligten gegenseitig, diese oft sich im Verborgenen abspielenden Wirkungen der Präparate in die Wahrnehmung zu bringen.“ (Demeter)

Alchemistisch die Naturvorgänge lenken

Gläubige Anthroposophen sind also der Überzeugung, kosmische Kräfte erzeugen und lenken zu können – manche halten sich gar für Zauberer, die „alchemistisch in Naturvorgänge eingreifen„:

„Mit den Präparaten zeigten sich mir dann Möglichkeiten, aus dem kosmischen Ganzen heraus mit Kräften zu arbeiten. Ich fand, was ich gesucht hatte“, erinnert sich der Forscher. Immer noch spürt er das „Bezaubernde“ der Präparate, die einen ganz anderen Umgang mit Stoffen und Kräften der Natur bedingen als das sonst herrschende Wirkstoffdenken der Naturwissenschaft. „Sie fordern mich als modernen Menschen heraus, bei ihrer Zubereitung und Anwendung künstlerisch-alchiemistisch in die Naturvorgänge einzugreifen, ohne sie zu manipulieren.“ (Demeter.de – „Charakteristisch für Demeter-Agrarkultur: die Biodynamischen Präparate„, 2020)

Dynamisierung: Magische Rituale

Die gewonnenen kosmisch aufgeladenen „Präparate“ werden im Anschluss „dynamisiert“, also in Wasser verdünnt. Typische Angaben sind: 1 Teelöffel genügt für 60 Liter Wasser, 100g Kuhmist reichen für 10.000 Quadratmeter Acker.

Die Mischung muss eine Stunde lang rituell von Hand abwechselnd rechts- und linksdrehend verrührt. Dabei rührt man, bis sich ein strudelnder Trichter bildet, dann ändert man die Drehrichtung. So würden sich „Informationen“ auf das „Präparatewasser“ übertragen.

Es wird empfohlen, dass der Betriebsleiter persönlich das Verrühren vornimmt und dabei möglichst keine negativen Gedanken hegt – die könnten sich auf das Präparat übertragen.

Die entstehende, homöopathisch verdünnte Flüssigkeit wird dann tröpfchenweise – am besten von Hand, zum Beispiel mit einem Handbesen – auf den Feldern verteilt.

Bei der anthroposophischen Firma Weleda sieht das dann so aus:

“Straub steht auf einem sternförmigen Pflasterkreis und demonstriert, wie bei Weleda “dynamisiert” wird. Im Frühherbst hat er Kuhmist in ein Kuhhorn gefüllt und es vergraben. Jetzt im Frühling holt er das Horn wieder aus der Erde und schabt den Dung heraus. Den verrührt er in einem Bottich auf dem Pflaster mit Wasser. (…)

Erst dreht er nach rechts, dann nach links. Rechts, links, rechts, links, eine Stunde lang. Über die Monate soll die Wirkung des Dungs von den kosmischen Kräften gestärkt worden sein – nun soll sie sich auf das Wasser übertragen. Dem Weleda-Mann ist es ernst damit. Das Wasser, das er auf diese Weise bearbeitet, bringt er als feinen Sprühregen “in homöopathischen Dosen”, so sagt er, auf die Beete aus. Es soll den Boden ´´vitalisieren´´.” (die tageszeitung)

Die Methode sei zwar wirksam, aber schwer nachzuweisen, da „viele Arbeiten nur schwer zugänglich sind„, so der anthroposophische „Forschungsring„.


Astrologisch-homöopathische Schädlingsbekämpfung

Nach Rudolf Steiners Landwirtschaftlichen Kursen werden Behandlungen von Schädlinge am besten mit homöopathischen Mitteln durchgeführt. Bei deren Herstellung der Mittel sollen Sternenkonstellationen berücksichtigt werden. Dabei hilft Demeters „Biodynamischer Mondkalender„.

So soll der Bauer gegen Mäuseplagen ein Mäusefell verbrennen und die Asche als „Mäusebalgpfeffer“ verstreuen – das halte Mäuse fern.

Für diverse landwirtschaftliche Fragen hinterließ [Steiner] viele Ratschläge und Anweisungen, etwa zur Schädlingsbekämpfung. Insekten könne man z. B. bekämpfen, indem man sie verbrennt, wenn die Sonne im Zeichen des Stieres steht. Um Mäuse-Plagen einzudämmen empfahl Steiner, angelehnt an homöopathische Regeln, ein Mäusefell zu verbrennen, und die Asche als „Pfeffer“ über die Feldern zu verstreuen, sobald Venus im Zeichen des Skorpion steht.“ (Wikipedia)

Anthroposophen vermischen also ein der Homöopathie verwandtes Similie-Prinzip (Ähnliches heilt ähnliches) mit Astrologie. So soll man die „Veraschung“ von Käfern vornehmen, wenn die Sonne im Sternzeichen Stier steht, Ameisen werden bei Mond im Löwen verbrannt und Heuschrecken bei Mond in den Zwillingen und der Waage.


Engel und Elfen auf dem Acker

Im anthroposophischen Glauben gibt es eine Vielzahl von Fabelwesen, zum Beispiel Astralwesen, Elfen, Erzengel, Feuergeister, Forstriesen, Gnome, Mondbrüller, Undinen, Sylphen und Wichtelmänner.

Einige der Naturwesen der dritten Hierarchie (Engel, Erzengel und Arcai) hätten die Aufgabe, „die geistige und körperliche Entwicklung des Mineralreiches, des Pflanzen-, Tier- und Menschenreiches zu begleiten„, so ein bio-dynamisch arbeitender italienischer Verband. (AgriBioNotizie.it)

Diese Naturwesen gilt es zu beeinflussen und zu besänftigen, damit diese die Qualität vom biologisch-dynamischen Produkten verbessern:

„Engel, Erzengel und Arcai werden „Elementarwesen“ genannt, weil sie keine Möglichkeit zur Evolution haben und haben werden, weil sie keine eigene Individualität haben und „die Essenz geistiger Hierarchien“ sind, die geschaffen wurden, um die geistige und körperliche Entwicklung des Mineralreiches, des Pflanzen-, Tier- und Menschenreiches zu begleiten. Nur wenn man die Natur der Elementarwesen versteht, kann man vollständig verstehen, wozu sie wirklich dienen und was unsere Aufgabe ihnen gegenüber ist!“ (Agri.Bio.Piemonte, Biologisch-dynamischer Verband Italiens)

Bild: „Gibt es Elfen und Klabautermänner doch?“, (c) Laborjournal 12/2006

Auch in der „biologisch-dynamischen Forschung“ in Deutschland betanzt man Apfelbäume mit Eurythmie, um „Naturwesen anzuregen“ (siehe unten). Mitte der 2000er Jahre durften Anthroposophen sogar die Stelle eines Professors für Agrarwissenschaften an der Uni Kassel erschaffen, der Elfen und Klabautermänner erforschte:

Das bizarrste Beispiel findet sich in Kassel, wo Ton Baars eine Stiftungsprofessur für biodynamische Landwirtschaft innehatte (..) In einem Artikel versucht Agrar-Professor Baars sogar die Existenz von Elfen und Klabautermännern zu belegen.“ (Die Zeit – „Der akademische Geist. Esoteriker unterwandern die deutschen Hochschulen„, 2011)


Was ist biologisch-dynamische Forschung?

„Biologisch-dynamisch“ angebaute Produkte sind von herkömmlichen Bio-Produkten mit wissenschaftlichen Methoden nicht zu unterscheiden.

In der „bio-dynamischen Forschung“ werden Pflanzen, Samen oder auch Gießwasser mit Eurythmie betanzt, mit Musik beschallt, meditativ mit ihnen gesprochen oder sie werden speziellen „Planetenkonstellationen“ ausgesetzt.

Zum Nachweis des Erfolges dieser Maßnahmen werden verschiedene pseudowissenschaftliche Untersuchungsmethoden angewendet, um die angeblich erzeugten „Ätherkräfte“ der Produkte sichtbar zu machen – oder gar nachzuweisen. An den Nachweis scheitert Demeter bereits seit 1924:

Der Versuchsring anthroposophischer Landwirte [wurde] gegründet, um Steiners sehnlichsten Wunsch nach einer empirischen Bestätigung der von ihm hellseherisch begründeten anthroposophischen Landwirtschaft zu erfüllen.“ (Wikipedia)

Die ätherischen „Bildekräfte“ (auch: „Vitalkräfte“) versucht man mit pseudowissenschaftlichen „bildschaffenden Methoden“ abzubilden.

Erforschung ätherischer „Bildekräfte“

Bio-dynamische Bauern versuchen, die „Bildekräfte“ in Pflanzen zu beeinflussen. Dabei handelt es sich um angebliche „ätherische Universalkräfte„, die nur Hellseher wahrnehmen können. Dazu muss der Hellseher jedoch durch anthroposophische Meditation erst die von Rudolf Steiner postulierten „Hellseherorgane“ entwickeln:

Bildekräfte sind gestaltbildende bzw. gestaltverwandelnde (metamorphosierende) ätherische Universalkräfte, in denen und durch die die höheren Hierarchien bis hinauf zu den erhabenen Tierkreiswesen gestaltend wirken. (…) Sie beruht nicht nur auf sinnlichen Beobachtungen, sondern erfordert darüber hinaus eine gezielte geistige Schulung, durch die erst entsprechende übersinnliche Wahrnehmungsorgane ausgebildet werden müssen.“ (AnthroWiki.at)

Konstellationsforschung: Die Kräfte der Planeten und des Tierkreises

Bildekräfte-Forscher beziehen in der „Konstellationsforschung“ auch die Wirkung „astronomischer Tierkreisbilder“, „Planetenkonstellationen“ und „Planetenwirkungen“ mit ein:

Konstellationsforschung [wird] in der Gesellschaft für Bildekräfteforschung in verschiedenen Arbeitszusammenhängen betrieben (…), vor allem aber als Grundlagenforschung darüber, wie die Kräfte der Tierkreisregionen mit den Eigenschaften von Substanzen oder Prozessen zusammenhängen.

Auch die eurythmische Abbildung von Konstellationen durch Gebärden und deren mögliche Wirkungen sind ein Untersuchungsgegenstand.“ (Bildekräfte.de)

Auch im „Demeter-Journal“ findet sich die Konstellationsforschung:

„Die Planetenkonstellationen hat Christina Henatsch von der Allmende Wulfsdorf im Blick.“ (Demeter Journal 2015, „Klänge, Tanz & Winterkräfte„)

Untersuchungen sollen laut dem „Institut für Biologisch-dynamische Forschung“ ergeben haben, dass Demeter-Möhren besser wachsen bei „synodisch-siderischen Mond-Sternbild-Stand ”Jungfrau” vor Vollmond.

Winterkräfte: Die Magie heiliger Nächte

Nicht nur Planeten und Kosmoskräfte, auch Feiertage sollen das Wachstum von Pflanzen beeinflussen:

„Dietrich Bauer (Dottenfelderhof Bad Vilbel) lässt die Winterkräfte in den zwölf heiligen Nächten rund um Weihnachten und Heilige Drei Könige auf das Saatgut wirken.“ (Demeter Journal 2015, „Klänge, Tanz & Winterkräfte„)

Tanzen für Pflanzen: Eurythmie auf dem Acker

Anthroposophen untersuchen auch die Auswirkung esoterischer Eurythmie-Tänze auf Pflanzen. So wächst Salat angeblich kräftiger nach dem Betanzen des Saatguts mit einer „N“-Geste, Äpfel werden durch Eurytmie schmackhafter, und Weizen soll durch die Tänze zu einem Heilmittel gegen Rheuma werden:

„Alle Organismen sind von Lebenskräften bzw. ätherischen Kräften umgeben und durchzogen. Mit der Eurythmie haben wir ein Mittel, die Lebenskräfte anschaulich zu machen.

Es gibt auch eurythmische Bewegungen für Darstellung der Planeten und der Tierkreiszeichen.

Im vorliegenden Projekt konnte gezeigt werden, dass es prinzipiell möglich ist, durch eurythmische Behandlung von Apfelbäumen Qualitätsänderungen bei Äpfeln zu erreichen.“ (Studie: „Geschmacksentwicklung bei Äpfeln durch eurythmische Behandlungen„, Text gekürzt)

Durch die Eurythmie-Tänze glaubt man, unsichtbare „Naturwesen“ dazu angeregt zu haben, die Äpfel zu verbessern. Nicht nur die Früchte werden mit Eurythmie betanzt, sondern auch das Saatgut oder das Gießwasser, siehe: Anthroposophie.blog – „Tanzen für Pflanzen“

Auch in anthroposophischen Waldorfschulen werden Experimente mit Eurythmie-Tänzen gemacht. Durch das Tanzen ausgewählter Buchstaben wollen Waldorfschüler in Freudenstadt hilfreiche „Lichtimpulse“ in die Pflanzensamen von Kresse gesendet haben.

Das Waldorf-Hausmagazin „Erziehungskunst“ sieht die Wirkung als Erwiesen an: „Ein Versuch einer 12. Klasse zeigt, wie das Wachstum von Kresse durch Eurythmie beeinflusst wird.“ (Erziehungskunst, „Krasse Kresse„, 2019)

Kosmos-Klänge: Musik für Pflanzensamen

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft fördert mit Mitteln der anthroposophischen GLS-Bank auch die Forschung mit musikalischen Intervallen und untersucht „den mathematischen Bezug dieser Klänge zum Kosmos„. Dabei werden die Samen von „Kopfsalat, Löwenzahn, Radieschen, Rote Bete“ uvm. mit Klangstäben „behandelt“:

„Während die Samen in Wasser quellen, spiele ich mit Klangstäben ca. 20 Minuten gleichmäßig ein Intervall (s. Foto). Die Samen werden dann ausgesät und die Pflanzen etwa 14 Wochen lang, morgens für 2-3 Minuten mit dem gleichen Intervall behandelt. Je nach Intervall (z.B. Terz, Quart, Quint) werden die Versuchspflanzen auf verschiedene Gewächshäuser verteilt.“ (Ute Kirchgaesser für „Zukunftsstiftung Landwirtschaft“)

Die Ergebnis würden zeigen, dass die Terz zur „Steigerung des vegetativen Wachstums“ führt, die Quint zu „langsamerem, aber auch sehr harmonisches Wachstum„. Doch Vorsicht: „Wird die Quint jedoch zu intensiv angewendet, erhöht sie scheinbar die Krankheits– und Schädlingsanfälligkeit„.

Gespräche mit Gemüse: Anthroposophische Meditation

Laut Anthroposophen haben Pflanzen eine „Seele und ein Ich, mit denen man sprechen kann„. Mit Hilfe anthroposophischer Meditations-Techniken versucht man, sich mit Pflanzen zu unterhalten um ihre Bedürfnisse zu erfahren:

„Konkret wurden bisher Lauch und Brokkoli in ihrer besonderen Artung untersucht. (…) Die so gewonnenen Bilder wurden sodann innerlich durchmeditiert und mit Blick auf ihre Bildekräfte belebt und in einem nächsten Schritt inspirativ-fühlend transparent gemacht. Dabei wurde Eigenart, Charakter und Fähigkeit der betreffenden Pflanze immer unmittelbarer gegenwärtig, bis so etwas wie ein inneres Gespräch mit dem Wesen der Pflanze möglich wurde, das auch Schwächungen der Art durch einseitige Züchtungen und Anbaubedingungen deutlicher aufzeigte. So konnten Perspektiven für eine Stärkung der jeweiligen Art gewonnen und in der Meditation an die Pflanze herangetragen werden, für die stellvertretend ein Schälchen mit Saatgut anwesend war.“ (Infameditation/ Gesellschaft für Bildekräfteforschung)

Die Ergebnisse von Gemüse-Gesprächen kann man auch in den „Flensburger Heften – Anthroposophie im Gespräch“ nachlesen:

„Auch Pflanzen sind Wesen, haben eine Seele und ein Ich in geistigen Welten, mit denen man sprechen kann! (…) Und diese Wesen möchten vom Menschen wertgeschätzt, artgerecht behandelt und erkannt werden. Die Gespräche in diesem Buch bieten Ihnen die Möglichkeit, 16 verschiedene Gemüsesorten näher kennenzulernen.“ (Flensburger Hefte Ausgabe 22 – „Gemüsepflanzen / Naturgeister„)

In einer anderen Ausgabe findet man „spannende Gespräche mit den geistigen Vertretern von Obstarten„, die Ihre „Geschichte vom Paradies bis zum Supermarkt“ erzählen. (Flensburger Hefte, Ausgabe 27, „Obst„)


Bildschaffende Methoden: Hellseherei und Aura-Fotografie

Pseudowissenschaftliche „Tropfbildmethode“ (Foto: Psiram)

Die besondere Qualität von bio-dynamisch erzeugten Produkten ist mit wissenschaftlichen Methoden nicht messbar. Anthroposophen haben daher pseudowissenschaftliche Verfahren, so genannte „bildschaffenden Methoden“ entwickelt, um „Vital-“ oder „Ätherkräfte“ sichtbar zu machen.

Bei diesen Verfahren wird nicht nach wissenschaftlich messbaren Kriterien entschieden, sondern mittels unwissenschaftlicher Methoden eine Art „hellseherischer Eindruck“ gewonnen. Ähnlich wie bei der sogenannten Kirlian– oder Aurafotografie sind die erzeugten Bilder rein zufällig und nicht reproduzierbar.

Zu den „bildschaffenden Methoden“ der Anthroposophie gehören:

Bei diesen Methode wird – kurz gesagt – meist ein wässriger Auszug einer Pflanze genutzt. Unter Zugabe von Zusatzstoffen wird dieser Auszug instabil und die Probe der Pflanze zerfällt. Die zufällig gebildeten Zerfalls-Strukturen werden dann hellseherisch interpretiert.

Das gemeinsame Prinzip dieser Untersuchungsverfahren besteht darin, eine Probe einem System zuzusetzen, in dem sich auf Grund einer dem System eigenen Instabilität zufällig bildende Strukturen und Formen ergeben, die – nach Ansicht ihrer Befürworter – auf Grund ihrer Morphologie geignet seien, eine Aussage über die postulierte Vitalqualität zu machen.“ (Psiram)

Bildschaffende Methoden versuchen also, „in okkulter Schau – oder für die elitäre Minderheit der entsprechend Empfänglichen – übersinnlich erfahrbare ätherische Bildekräfte der Anthroposophie sichtbar zu machen.“ (Psiram)

Die „Kupferchloridkristallisation“ gilt heute als Wissenschaftsbetrug. Im Nationalsozialismus hatte der KZ-Arzt Sigmund Rascher zu dieser Methode promoviert. Eine Überprüfung der Ergebnisse in den 2000er Jahren ergab, die Methode „lasse keine Rückschlüsse auf die Qualität der Produkte zu“. (Laborjournal, via Wikipedia)


Wer arbeitet biologisch-dynamisch?

Biologisch-dynamisch arbeitet, wer sich vertraglich verpflichtet, die Demeter-Richtlinien einzuhalten. Das bedeutet, dass der Bauer auch okkult-magische Rituale durchführen muss, da bei Überprüfungen sonst Strafen drohen und das Siegel entzogen werden kann. Man kann einen konventionellen Betrieb auf „Bio-Dyn“ umstellen oder sogar eine eigene Demeter-Fachausbildung absolvieren.

Ein der Fachausbildung zum zertifizierten Bio-Dynamiker müssen Landwirte eine vierjährige Ausbildung durchlaufen:

Demeter-Ausbildung mit „Planetensignaturen“ und „Ätherarten“

Darin wird Ihnen unter anderem beigebracht, „Planetensignaturen“ zu lesen und die vier „Ätherarten“ in den Pflanzenformen zu erkennen (Fachausbildung Bio-Dyn, Schweiz, 2013).

Demeter-Bauern sollen dadurch befähigt werden, mit „Kräften und Substanzen in ihren kosmischen und irdischen Qualitäten bewusst umzugehen“ (Demeter-Richtlinie 2015)

Bekannte Firmen, die „biologisch-dynamisch“ wirtschaften, sind unter anderem Alnatura, Alnavit, Andechser, Beutelsbacher Fruchtsäfte, Biokreis, Dr. Hauschka, Ecovin, GÄA, Demeter, Holle, Naturata, Rapunzel, Voelkl, Weleda oder Wala.


Ist „biologisch-dynamisch“ das „bessere Bio“?

Die Erträge sind im biologisch-dynamischen Landbau nach eigenen Untersuchungen um 20-40% schlechter als im konventionellen Bio-Anbau (Wikipedia). Der Flächenverbrauch sei zusätzlich um bis zu 100% erhöht – „Bio-dyn“ braucht also doppelt soviel Platz wie konventioneller Anbau.

Es ist unwahrscheinlich und ungeklärt, ob „bio-dynamische“ Produkte in Sachen Gesundheit oder Inhaltsstoffen besser sind als herkömmliche Bio-Produkte. „Bio-dyn“ lässt sich auch von herkömmlichen „Bio“ bisher durch kein wissenschaftliches Messverfahren unterscheiden.

Die esoterischen Methoden des Demeter-Verbandes sind laut einer Untersuchung “okkult und dogmatisch und überdies ungeeignet, zur Entwicklung einer alternativen und nachhaltigen Landwirtschaft beizutragen.” (Holger Kirchmann, „Biological dynamic farming — An occult form of alternative agriculture?„, 1994).

Folgerichtig wurde die okkult-magische Anbaumethode von Kritikern bereits als „esoterische Hexenküche„, „irrationaler Quatsch„, „Voodoo“ oder schlicht „reiner Unfug“ bezeichnet.


Homöopathie in der Tierhaltung

Das Tierwohl soll bei Demeter im Vordergrund stehen. Die Demeter-Richtlinien schreiben unter Punkt 7.6.4 aber vor, Tiere im Falle von Krankheiten „vorzugsweise“ mit „…anthroposophischen, homöopathischen und anderen Naturheilverfahren“ zu behandeln. (Quelle: Demeter-Richtlinien Gesamt, Stand 2020)

Anthroposophische Mittel sind, ähnlich wie Homöopathische Mittel, Scheinmedikamente ohne eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus. Sie sind insbesondere nicht mit Naturheilkunde zu verwechseln, die im Gegensatz zu den vorher genannten Verfahren sowohl Wirkstoffe als auch eine Wirkung hat. Bei den extremen Verdünnungen der meisten Ausgangsstoffe ist eine Wirkung der als „Naturheilkunde“ bezeichneten Pseudomedizin auszuschließen.

Diese in den Richtlinien vorgeschriebene, homöopathische (und damit de facto nicht stattfindende) Behandlung von kranken oder von Parasiten befallenen Tieren gilt bei Kritikern als Tierquälerei.


Fazit

Der biologisch-dynamische Anbau nach Demeter ist eine pseudowissenschaftliche Methode ohne Wirknachweise. Die Vorteile von Demeter bemessen sich weniger in dem, was sie tun als in dem, was sie nicht tun: Dem Pestizidverzicht, bessere Ausstattung von Tieren mit Stall- und Auslaufflächen, Schutzprogramme für Biene. Diese Maßnahmen sind sehr zu begrüßen.

Die okkult-magischen Rituale wie das Verrühren von Dünge-Präparaten, Vergraben von kosmischen Kuh-Antennen oder die Einbeziehung von Mond- und Sternenkräften dagegen haben keine Wirkung.

Demeter behauptet das Gegenteil – die Produkte seien „heilsam“ und ließen die Kunden „spirituell wachsen“.

Man ist erstaunt als Landwirt, wenn man durch eine Maßnahme augenblicklich große Kartoffeln hat!“ (Rudolf Steiner)

„Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln!“ (Volksmund)

2018 erhielt Demeter den Schmähpreis „Goldenes Brett vor dem Kopf“ für das Lebenswerk.


https://de.wikipedia.org/wiki/Biologisch-dynamische_Landwirtschaft

https://de.wikipedia.org/wiki/Demeter_(Anbauverband)

https://www.psiram.com/de/index.php/Biologisch-dynamische_Landwirtschaft