Waldorfschule Luxemburg: Maskengegner in der Überzahl

Laut Recherchen des Luxemburger Tageblatts trägt nur eine Minderheit von Schüler_innen und Lehrkräften einer Luxemburger Waldorfschule Masken. Die Schule gibt an, zur Einhaltung staatlicher Vorgaben nicht verpflichtet zu sein, sie verbreitet Corona-Mythen und Falschinformationen. Auch eine geplante Gesetzesverschärfung wird am Verhalten der Maskengegner kaum etwas ändern.

Wieder werden Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen bewusst unterlassen, wieder von einer Waldorfschule: Bislang ist es für Privatschulen in Luxemburg legal, Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu umgehen. Für freie Schulen wie die Waldorfschule sind die Vorgaben des Bildungsministeriums bisher lediglich eine Empfehlung, schreibt das ‚Tageblatt Lëtzebuerg‘:

Bislang war das ganz legal, weil es sich um eine Privatschule handelt und die Vorgaben des Bildungsministeriums nur empfehlenden Charakter haben. Nun aber wurde die Maskenpflicht an den Schulen im Covid-Gesetz angepasst und wird dadurch auch für Privatschulen verpflichtend.“ (Tageblatt Lëtzebuerg – „Privatschule / Wie die Waldorfschule mit der Maskenpflicht umgeht„, 10. März 2021)

An der Luxemburger Schule hält die Mehrzahl der Eltern und Lehrer_innen die staatlich vorgeschlagenen Corona-Schutzmaßnahmen nicht ein, auch die Schule fordert sie nicht ein. Geplante Verschärfungen am Covid-Gesetz werden am Verhalten der Schule wohl wenig ändern, befürchtet das ‚Tageblatt‘.

Elternschaft und Lehrkräfte lehnen Schutzmaßnahmen ab

An der privaten Waldorfschule habe es „viele Debatten und Unstimmigkeiten in Bezug auf das Tragen der Masken“ gegeben. Das betrifft sowohl die Elternschaft als auch die Lehrkräfte: Zehn der Lehrer hätten sich bei einer Konferenz im Februar gegen das Maskentragen ausgesprochen, zwei enthielten sich, nur drei Lehrkräfte sprachen sich dafür aus. Die Elternschaft aktiv zum Maskentragen aufzufordern, kommt der Schule nicht in den Sinn.

Die Waldorfschule fürchtet laut einem von ihr verfassten Brief Klagen der „sehr zahlreichen“ Eltern, die gegen das Maskentragen sind:

Wir sind in einer privaten Schule und sind eigentlich nicht dazu verpflichtet, die Direktiven anzuwenden, die für die öffentlichen Schulen gelten. Die Eltern, die gegen die Masken sind (und diese sind in der Waldorfschule sehr zahlreich), könnten uns ganz einfach wegen Belästigung, ‚harcèlement’, verklagen, weil das Gesetz das Maskentragen weder in der Schule noch im außerschulischen Bericht vorsieht.“

Auf die schulinternen Debatten reagierten die Verantwortlichen für den Grundschulzyklus der Waldorfschule mit einem Elternbrief, der bekannte Falschinformationen zu Covid-19 enthält.

Verschwörungsmythen und Falschinformationen kursieren

An der esoterischen Privatschule kursieren Verschwörungsmythen und längst widerlegte Falschinformationen zum Thema Corona-Virus. So heißt es, Masken könnten zu einer Vergiftung des Blutes führen, und Kinder seien durch das Virus weder besonders gefährdet noch gefährdeten sie andere.

Bei der Unterstufenkonferenz (Grundschule) am 21. Februar wurde auch ein Kinderarzt eingeladen. Dieser hat aus Studien über das Ansteckungsrisiko durch Kinder zitiert und ist zum Schluss gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung bei Kindern bei weniger als einem Prozent liegt. Die Autorin des Briefes schlussfolgert daraus, dass das Problem beim Atmen mit einer Maske nicht so sehr am Sauerstoffmangel liege, sondern eher an der Schwierigkeit, das CO2 auszuatmen, welches das Blut vergiften könne.

Der Mythos der CO2-Vergiftung durch Masken ist längst widerlegt, wie unter anderem das deutsche Bundesumweltamt vermeldet. Doch auch die Auswirkungen des Virus werden an der Waldorfschule als „einfache Grippe“ verharmlost:

Die Verantwortliche schreibt, dass Kinder, falls sie sich anstecken sollten, bloß einfache Grippesymptome hätten, meist aber asymptomatisch seien und keine Erwachsenen anstecken würden. Dass Kinder durchaus Erwachsene anstecken können, war am Anfang der Pandemie noch nicht klar, ist aber heute ein gängiger Konsens in der Wissenschaft.

Waldorfschule nutzt Lücken im Covid-Gesetz

Das Umgehen von Schutzmaßnahmen wird für die Waldorfschule nach einer Änderung des Luxemburger Covid-Gesetzes zwar künftig in der Theorie schwieriger, schreibt das ‚Tageblatt Lëtzebuerg‘. Doch werde Verweigerungshaltung auch künftig kaum Folgen haben. Eltern, die Masken für ihre Kinder verweigern, verstoßen dann zwar gegen das Covid-Gesetz – suspendiert werden sollen die Kinder aber nicht: Schüler_innen ohne Maske werden weiter im regulären Unterricht beschult. Es müssen aber zusätzlich andere Maßnahmen getroffen werden wie das Aufstellen von Plexiglaswänden zwischen den Schulbänken. Und das habe die Schule bereits getan.

Plexiglaswände dienen laut Expertenmeinungen zwar als Spuckschutz, schützen aber nicht vor der Verbreitung potentiell gefährlicher Aerosole in der Raumluft. Die Gesellschaft für Aerosolforschung gibt daher in einem Positionspapier an, Plexiglas sei „weitgehend unwirksam“ und biete „längerfristig keinen Schutz„.

Der luxemburgische Waldorf-Dachorganisation „Veräin fir Waldorfpädagogik Lëtzebuerg“ betonte auf Nachfragen, er „nehme die ministeriellen Empfehlungen sehr ernst„. Man „versuche stets abzuwägen“ wie man diese „bestmöglich in der Waldorfschule integrieren“ könne. Doch die Aussagen der Verantwortlichen an der konkreten Schule stünden „im krassen Gegensatz“ zu denen des Waldorf-Vereins.

Freiheit auf Kosten anderer

Das „Tageblatt“ fragt nach dem Verständnis von Freiheit an den „freien Schulen“:

Wo hört denn nun die Freiheit der einen auf und wo fängt jene der anderen an? Durch eine Maske schützt man sich nicht selbst, sondern das Gegenüber. Kinder von Corona-Leugnern werden demnach von Mitschülern, die eine Maske tragen, vor einer Infektion geschützt. Jene Kinder, die die Maske tragen, können allerdings durch jene, die dies nicht tun, potenziell angesteckt werden.

Ihre individuellen Freiheitsrechte lebt die Waldorfschule auch in Luxemburg bewusst auf Kosten anderer aus. An Schutzmaßnahmen gegen das Virus will sich die Mehrheit aus egoistischen, esoterischen oder gar verschwörungsideologischen Motiven heraus nicht halten.

Auch in anderen Ländern reißen Berichte über Corona-Verharmlosung und Pandemie-Leugnung im Umfeld der esoterischen Privatschulen nicht ab – insbesondere aber in Deutschland, da es dort die meisten Waldorfschulen gibt. Waldorfschulen sind fester Bestandteil der Querdenker-Szene und treten immer öfter aggressiv mit Verweigerung von Schutzmaßnahmen auf.

Kritiker fordern daher – auch in der Kommentarspalte des Tageblatts – die staatliche Finanzierung der Privatschulen zu überdenken.


Update 29.10.2021:

Tageblatt Luxemburg- „Eltern alarmiert: „In der Waldorfschule ist die Maskenpflicht de facto aufgehoben““

Das „Tageblatt“ berichtet: „In der Waldorfschule ist die Maskenpflicht de facto aufgehoben“.

Nicht nur seit der „Rentrée“ wurde die Maskenpflicht an der Waldorfschule in Luxemburg laut Tageblatt-Informationen de facto aufgehoben. Praktisch niemand halte sich mehr daran, sagen Eltern. Die Schule dementiert das. Zudem hat die Waldorfschule keine Teststrategie und die vom Bildungsministerium ins Leben gerufene Impfkampagne ignoriert die Privatschule völlig.“ (Tageblatt Letzebuerg, 29. Oktober 2021)

Die Luxemburger Waldorfschule trotzt einer Gesetzänderung, nach der sie doch zum Tragen von Schutzmasken verpflichtet sind: Nur etwa 60% der Schüler- und Lehrerschaft trägt eine Maske in der Schule, so die Zeitung. Bei Veranstaltungen soll es gar keine Corona-Schutzmaßnahmen gegeben haben.

Die Schule behauptet trotzdem, alle Maßnahmen würden eingehalten und es gäbe keine Covid-Fälle. Doch: „Dies könne […] daran liegen, dass in der Schule kaum getestet wird. Eine Teststrategie verfolgt die Waldorfschule nicht“. Eltern, die die Corona-Schutzmaßnahmen akzeptieren, wagten aber wegen der bisherigen „destruktiven Dynamik“ an der Schule keine Beschwerden.

Privatschulen sind zu Tests nicht verpflichtet. Die Luxemburger Waldorfschulen hatten als einzige Privatschulen nicht an staatlicher Impfkampagne teilgenommen: „Unsere Schule ist der Ansicht, dass diese Angelegenheit medizinischer und privater Natur ist.“

Am 18.09.2021 fand ein Waldorfschulen-Event im „Scouten-Heim“ mit 134 Leuten statt. „Tageblatt-Informationen zufolge habe fast niemand eine Maske getragen, die Abstände wurden nicht eingehalten und am Eingang habe auch niemand Covid-Zertifikate geprüft.“ Die Schule dementiert.

Quelle: Tageblatt Letzebuerg vom 29. Oktober 2021 – „Eltern alarmiert: „In der Waldorfschule ist die Maskenpflicht de facto aufgehoben“


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