Gastbeitrag: Waldorfpädagogik und Impfungen

Immer wieder werden in Waldorfschulen Masernausbrüche vermeldet, statistisch signifikant häufiger als in anderen Schulformen. Auch sind die Durchimpfungsraten hier deutlich geringer. Dies hat unter anderem mit den Ansichten von anthroposophischen Ärzten zu tun. Einen sehr speziellen Fall hat It Hurts When IP einem Faktencheck unterzogen.

Bilder (c) Gerhard Torges

Faktencheck

In einem kürzlich erschienenen Forumsbeitrag der Waldorfpädagogik-Seite “Erziehungskunst” einer gewissen Daphné von Boch, wurden wieder einmal so viel Fehlinformationen zu Impfungen verbreitet, dass es weh tat.

https://donotlink.it/WeKEZ

Versteht bitte, dass ich diesem Müll aus Richtung der Anthroposophen keine Reichweite auf Google geben möchte, weshalb ich es nur über einen Donot-Link und oben eine Kopie aus der Zeitschrift „Erziehungskunst“ als Diashow eingefügt habe, danke dafür an @Anthroblogger.

Es fängt an mit folgenden Sätzen

Ein Problem der Impfungen besteht darin, dass sie auf der festen Überzeugung beruhen, Krankheit habe keinen Sinn. Ein ausgesprochenes Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist zum Beispiel, durch Impfung alle Krankheiten auszurotten, von Masern bis hin zum Krebs.

Hier kann man sagen, dass dies kein Problem ist, denn Krankheiten haben einen Sinn. Kleinste Lebewesen wie Viren und Bakterien versuchen sich zu vermehren und zu verbreiten, indem sie sich parasitär an unserem Körper verlustieren, im Notfall auch bis zu dessen Tod. Welchen Sinn es zum Beispiel machen soll, dass jemand Krebs bekommt, bleibt die Autorin schuldig.

Was ist das positive Ende einer Erkrankung? Die Heilung.

Soweit Konsens.

Die WHO definiert Heilung als die Herstellung des Ausgangszustands.

Wo die WHO dies so definiert bleibt die Autorin ebenfalls schuldig, aber vermutlich meint sie die Definition von “restitutio ad integrum”, sprich dem vollständigen Ausheilen und wiederherstellen des unversehrten Ausgangszustands des Körpers. 

Würde man jedoch zum Beispiel bei einer Lungenentzündung den Ausgangszustand wieder herstellen, müsste der Mensch erneut erkranken.

Auch hier eine Fehlinformation, denn der Zustand des Patienten soll ja unversehrt sein. Und selbst das alleinige Wiederherstellen eines Zustands vor der Infektion würde alleine nicht ausreichen um den Kranken wieder zu infizieren. Eine Exposition mit dem Krankheitserreger wäre ebenfalls von Nöten.

Denn am Anfang muss eine Schwäche bestanden haben, sonst wäre er nicht krank geworden.

Das ist ebenfalls falsch. Dann muss die Autorin mal bitte kerngesunden Rettungskräften, die sich an einer infizierten Nadel stachen oder von einem Infizierten gebissen wurden, erklären, warum sie sich mit Hepatitis angesteckt haben. Oder den kerngesunden Opfern der spanischen Grippe, welche aufgrund einer Immunüberreaktion, dem sogenannten Zytokinsturm, starben.

Heilung ist die Herstellung eines neuen Zustands. Der Sinn der Krankheit ist Stärkung.

Ich glaube da haben Viren und Bakterien eine andere Meinung. Diese ernähren sich von den körperlichen Ressourcen und finden es tatsächlich besser, wenn sie schön lange ungestört bleiben und Nahrung konsumieren können. Somit ist der Sinn der Krankheit prinzipiell sie als Nahrungs- und Fortpflanzungsquelle zu nutzen, im Zweifelsfall auch sie umzubringen. Das Letzte was Viren und Bakterien erreichen wollen, ist den Wirt zu stärken.

Wie stärkt man sich überhaupt? Nur durch eines: Anstrengung. Das ist ein Gesetz ohne Ausnahme. Jede Fähigkeit, nicht nur die Gesundheit, kann nur durch Anstrengung, durch Übung erworben werden. Ohne die stärkende Wirkung durch die Überwindung von Krankheiten wird der Mensch immer schwächer und kränker.

Okay. Fähigkeiten werden durch Übung erworben, soweit Konsens. Jetzt nehmen wir mal einen Vergleich (Viren und Bakterien sind die Terroristen, Spezialeinheiten unsere Abwehrkräfte):

Eine Spezialeinheit soll Terroristen überwinden.

Spezialeinheit der Geimpften: Studiert den Gegner, seine Bewaffnung, seine Taktiken, aber hauptsächlich durch abgeschwächten Kontakt mit ihm. Als die Terroristen angreifen, sind sie bestens vorbereitet und können sie meist ohne Verluste abwehren.

Spezialeinheit der Ungeimpften: Kennt grundsätzlich den Umgang mit seinen Waffen, kennt aber den Gegner nicht. Als die Terroristen angreifen, müssen sie zunächst erkennen, wer der Feind ist. Unter Verlusten versucht die Spezialeinheit die Taktiken und die Bewaffnung zu erlernen. Unter weiteren hohen Verlusten versucht sie Gegentaktiken zu entwickeln, während es bereits rundherum massive Kollateralschäden gibt. Schafft die Spezialeinheit es den Gegner zu besiegen, ist sie stark dezimiert. Zwar kennen sie die Taktiken nun auch und haben Gegenmaßnahmen, aber eventuell nicht genug Mannstärke um einen weiteren Angriff zu überstehen.

Diese Situation spiegelt sich in den jährlich steigenden Prämien der Krankenkassen. Es gibt immer mehr kranke Menschen.

Nein… einfach nur nein. Es gibt immer mehr Menschen, da unsere medizinischen Fortschritte die Menschen immer länger leben lassen und im hohen Alter eine medizinische Versorgung teurer wird. Außerdem steigen in Wohlstands- und Überflussgesellschaften Übergewicht und damit verbundene Gesundheitsprobleme stärker an. Die Überwindung von Krankheiten, welche heutzutage durch Impfungen (nahezu) ausgerottet wurden, würde Unmengen an Geldern verschlingen.

Sind heutige Impfungen sinnvoll?

Wer hier einen TLDR haben will: Ja sind sie, ihr könnt die nächsten paar Absätze überspringen wenn ihr wollt.

<tldr>

Ein zweites Problem der Impfungen besteht darin, dass Krankheiten bekämpft werden, die heute in zivilisierten Ländern aus dem einen oder anderen Grund nicht mehr gefährlich sind.

Impfungen sind übrigens der eine Grund von dem die Rede ist. Und die Aussage das eine Krankheit nicht mehr gefährlich ist, ist grottendämlich. Die Krankheit selbst ist immer noch hochgefährlich, die Gefahr ihr ausgesetzt zu sein ist gesunken. Und dies ist kein Problem der Impfungen, sondern ein Verdienst von ihnen.

Entweder existieren sie fast nicht mehr (Polio, Diphtherie, Tetanus)

… dank Impfungen

sind extrem selten (Meningitis, Zeckenkrankheit)

… dafür ist Meningitis in 10% der Fälle tödlich und in 10% der Fälle bleiben schwere Hirnschäden zurück und die Ansteckungsgefahr ist im Säuglings- und Kleinkinderalter besonders hoch.

Zu Lyme-Borreliose gibt es keinen für Menschen in Deutschland zugelassenen Impfstoff und zu FSME wird die Impfung von der STIKO nur bei Risikogruppen empfohlen.

oder fast nicht ansteckend (Hepatitis B, Gebärmutterhalskrebs)

Hepatitis B ist bei Schwangeren zu 90% für das Kind ansteckend, bei Austausch von infizierten Körperflüssigkeiten über Sexualkontakt oder kleinste Verwundungen ist das Ansteckungsrisiko bei ca. 10–30%. Somit ist Hepatitis B erheblich ansteckender als HIV.

Für unter 30-jährige Frauen liegt die Ansteckungsrate bei HPV bis zu 25%. Selbst mit Kondom wird das Ansteckungsrisiko gerade mal halbiert.

Beide Krankheiten zählen zu einer Gruppe von cancerogenen Viren die 10–15% aller Krebserkrankungen auslösen.

Klingt sehr ermutigend was “fast nicht ansteckend” angeht.

Es wird auch gegen relativ harmlose Krankheiten geimpft (Haemophilus-Grippe, Pneumokokken, Keuchhusten, Mumps)

 — Vergebt mir, wenn ich ab hier ein wenig spicke — 

Haemophilus influenzae: Im Jahr 2000 gab es jährlich geschätzt 371.000 Todesfälle unter 5 Jahren in den WHO-Mitgliedsstaaten. Nach Einführung der Impfung sank die Zahl dieser Todesfälle um 90%

Pneumokokken: 2005 starben ca. 1,6 Millionen Menschen durch Pneumokokkeninfektionen. 2008 starben 476.000 Kinder unter 5 Jahren daran, 2015 nur noch 294.000. In Deutschland sterben jedes Jahr über 10.000 Menschen, die Hälfte davon innerhalb von 48 Stunden trotz Antibiotikagabe.

Keuchhusten: Die Hustenanfälle bei Keuchhusten sind meist extrem schwer und dauern wochenlang an. Keuchhusten wird auch 100-Tage-Husten genannt. Die Betroffenen haben starken Husten, würgen Schleim hervor und erbrechen sich sogar teilweise.

Sekundärinfektionen mit den beiden o.g. Krankheiten sind wahrscheinlich, 15–20% der Infizierten entwickeln eine Lungenentzündung, 2–4% der Patienten bekommen Krampfanfälle, ca. 0,5% erleiden eine Gehirnerkrankung mit meist dauerhaften Schädigungen. Leisten- und Nabelbrüche können auftreten, jeder tausendste Infizierte stirbt. 

Mumps: In 80% tritt eine schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüse auf, andere Speicheldrüsen bis hin zur Bauchspeicheldrüse sind meist ebenfalls betroffen. 40–50% der Patienten haben mit Symptomen im Bereich der Atmung zu tun. 30% der männlichen Patienten haben Probleme mit den Hoden, welche bei 13% zu Störungen der Fruchtbarkeit oder in seltenen Fällen zur Unfruchtbarkeit führen.

Mumps ist zudem die häufigste Ursache einer einseitigen Ertaubung bei Kindern. Auch tritt bei einer Mumps-Infektion einer Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel eine erhöhte Zahl von Fehlgeburten auf.

ja sogar gegen deutlich entwicklungsfördernde Krankheiten (Masern, Röteln und Grippe)

Masern sind erst vor Kurzem als hochgradig immunsupprimierend eingestuft worden. Auch spricht man davon, dass durch die Zerstörung von bestimmten Zellen quasi eine Amnesie des Immunsystems damit einhergeht, was heißt, dass bereits erworbene Immunitäten vom Immunsystem wieder „vergessen“ werden können. Masern sind somit keinesfalls entwicklungsfördernd, sondern hochgradig gefährlich. Weiterführende Links zu diesem Thema:

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2019-10/masern-impfung-immunsystem-virusinfektion

https://science.sciencemag.org/content/366/6465/599

https://immunology.sciencemag.org/content/4/41/eaay6125

Neben diesem Aspekt sterben zwischen 1/1000–3/500 Menschen an einer sogenannten SSPE, welche kurz gesagt ein langsames Dahinsiechen eines Kindes mit überstandener Masern-Infektion ist. Nach dem langsamen Verlust sämtlicher Kontrolle über den eigenen Körper, von Intelligenz, über Sprache bis letztlich hin zur Motorik, stirbt das Kind ohne Chance auf Heilung nach ca. 6 Monaten bis 3 Jahren. Die häufigste Todesursache dabei ist eine Lungenentzündung, die durch die mit der SSPE einhergehende ungewöhnliche Muskelaktivität und u.a dem Verschlucken von Speichel auftritt.

Röteln sind besonders für schwangere Frauen kritisch, da innerhalb der ersten acht Wochen der Schwangerschaft mit 90%iger Gewissheit eine Schädigung des Embryos ausbildet. Im mittleren Drittel ist das Risiko noch bei 25–30%.

Eine Erklärung wie ein stark mutierender Virus wie die Grippe entwicklungsfördernd sein soll, bleibt die Autorin ebenfalls schuldig. Bestimmte Virenstränge mit hoher Letalität wie H5N1 (52,8% direkte Letalität) oder H7N9 (39,2% direkte Letalität) haben für die Todesopfer vielleicht maximal im anthroposophischen Sinne eine Weiterentwicklung vollführt, weil der Astralleib sich vom Ätherleib trennt und… sorry, aber den Bullshit kann euch vielleicht ein Waldorfschüler verklickern.

Oder unser lieber @Anthroblogger.

</tldr>

Warum sind bestimmte Krankheiten nicht mehr gefährlich? 

Wir lernen, dass wir es der modernen Medizin, einschließlich der Impfungen zu verdanken haben, dass bestimmte Krankheiten heute nicht mehr gefährlich sind. Die hoch fieberhaften Krankheiten gingen jedoch schon im 19.Jh. und Anfang des 20. Jh., längst vor der Einführung der Impfungen, deutlich zurück (McKeown 1979). Dieser Sachverhalt ist bekannt, die Studien wurden von offizieller Seite durchgeführt. Trotzdem wird es anders dargestellt.

McKeowns Hypothese ist eine oft zitierte Quelle. Auch seine berühmte Grafik die einen Vergleich zur Maserntodesrate und zur Einführung des Impfstoffs zeigt, wird oft genommen um Impfkritik zu üben. Doch wie sieht es aus wenn man statt Todesraten die Anzahl der Infektionen dazu nimmt?

Quelle: https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2013/12/07/impfkritik-2-0-ist-die-masernimpfung-bevoelkerungsmedizinisch-ueberfluessig/
Quelle: https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2013/12/07/impfkritik-2-0-ist-die-masernimpfung-bevoelkerungsmedizinisch-ueberfluessig/

Jetzt ergibt sich schon ein ganz anderes Bild oder? Denn die Anzahl der Infektionen nahm komischerweise nur bedingt ab, schwankte sie doch eher bis ca. 1958 um einen gewissen Wert und danach bis zur Einführung des Masernimpfstoffes um einen anderen, nicht signifikant niedrigeren. Der Einbruch der Infektionen nach Einführung des Impfstoffs ist hingegen deutlich erkennbar. Generell stellt sich eben auch die Frage was nachhaltiger gegen einen Maserntoten hilft: Ein ausgerotteter Masernvirus oder bessere Hygienebedingungen? Ich wage die Hypothese, dass Ersteres erfolgreicher wäre, auch wenn Anthroposophen denken, dass eine Maserninfektion “entwicklungsfördernd” wäre und dies vermutlich auch in Waldorfschulen forcieren. Fun Fact: Maserninfektionen kommen in Deutschland wo hautpsächlich vor? Richtig… in Waldorfschulen!

Diese Krankheiten sind heute nur gefährlich, wenn die Kinder geschwächt sind. Unterernährte Kinder zum Beispiel haben nicht die Kraft, sie zu überwinden. Die wirkliche Therapie wäre aber Ernähren statt Impfen. Mangelernährung ist die Ursache der Schwäche, die am Anfang steht. In den reichen Ländern sind die meisten Krankheiten bei gutem Gesundheits- und Ernährungszustand harmlos.

Bevor ich da nochmal drauf eingehe: Siehe oben. Einfach nur nope. Aber die Autorin lässt ja mit “die meisten” ihren Fluchtweg offen, um sagen zu können: “Na gut, die vielleicht nicht. Aber alle anderen.”

Wann wären Impfungen sinnvoll?

Da gab es mal so eine Ständige Impfkommission, die regelmäßig evaluiert welche Impfungen wann sinnvoll sind und welche im Verhältnis zum Nutzen nicht sinnvoll sind. #JustSaying

Bei einer echten Epidemie wäre sie sinnvoll. Wenn eine Krankheit ausbräche, die sehr ansteckend ist und mit häufigen, schweren Dauerfolgen einherginge, wäre die Durchimpfung der Bevölkerung berechtigt. 

Sprich Masern, Mumps, Röteln, Tetanus, HPV, Hepatitis B, …?

Deshalb war die flächendeckende Impfung gegen Polio Mitte der 1950/60er Jahre richtig. Aber sogar dort wurde bei einer kleinen Gruppe von Kindern statt des Impfens erfolgreich die unterliegende Schwäche durch eine wochenlange völlige Zuckerkarenz angegangen. Jeder eingenommene Zucker erzeugt zunächst eine Überzuckerung, die vom Körper mit einer kompensatorischen Unterzuckerung beantwortet wird. 

Oh man, man möchte echt nur schreien. Frau von Boch scheint keinerlei Ahnung von der Bauchspeicheldrüse zu haben. Die Bauchspeicheldrüse kompensiert mit dem Anheben des Insulinspiegels einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Damit ein Kind eine Überzuckerung erreicht, müsste es Diabetes haben. Diabetes sorgt aber entweder dafür, dass durch eine, die Bauchspeicheldrüse angreifende, Autoimmunkrankheit nicht ausreichend Insulin produziert wird (Diabetes mellitus Typ 1) oder dass das ausgeschüttete Insulin durch eine Insulinresistenz der Zellen nicht mehr ausreichend in der Lage ist Zucker in die Zellen zu leiten. (Diabetes mellitus Typ 2). Allerdings liegt hier immer eine Überzuckerung vor, gegen die der Körper nicht mehr ankommt. Eine Unterzuckerung kann nur passieren, wenn zuviel Insulin ausgeschüttet wird, was aber selbst hier nicht vorkommt. Diese tritt nur bei Menschen mit Hypoglykämie und bei insulinpflichtigen Patienten durch externe Zuführung von Insulin auf, wenn die ausgerechnete Menge Insulin zu viel im Vergleich zum Blutzucker ist.

Und diese Unterzuckerung ist die Schwäche: In diesem Moment können die Kinder vom Poliovirus infiziert werden. Durch Zuckerkarenz wurden die Kinder auch ohne Impfung nicht infiziert (Husemann / Wolff, 1993, S. 268).

Korrelation ist keine Kausalität. Heutzutage ist man in der Erforschung des Blutzuckers sowie Diabetes und der Funktion der Bauchspeicheldrüse Lichtjahre weiter. Frau von Boch täuscht auch eine Aktualität der Bücher vor, die so nicht gegeben ist. Das von ihr erwähnte Buch erschien in der 4. Auflage 1993, was schon mal knapp 27 Jahre her ist, die Erstauflage war von 1978, sprich vor 42 Jahren. Damals war Husemann allerdings schon knapp 20 Jahre tot, was die Aktualität des Werks noch weiter in Zweifel zieht.

Zum Vergleich: 1978 wurde in Amerika die erste Folge Dallas ausgestrahlt.

Kinderkrankheiten fördern die Entwicklung

TLDR: Nein

<tldr>

Der Körper jedes Menschen ist aus einem ganz individuellen Eiweiß aufgebaut. Immer wieder gibt es Probleme zum Beispiel bei Bluttransfusionen, weil trotz Beachtung der Blutgruppe und Subgruppe die beiden Eiweiße doch nie ganz gleich sind.

Okay, wär mir neu, wenn dies bei Beachtung der Kompatibilität von Blutgruppen passiert, aber bis jetzt zeigt Frau von Boch ja auch sonst nicht sonderlich viel Fachkenntnis. Welche Probleme das sind führt sie aber auch nicht weiter aus.

Das Immunsystem muss das fremde Eiweiß zerstören. Warum? Weil sonst die Gefahr bestünde, dass die darin enthaltene fremde Kraft die eigene Individualität überwältigen und sie sozusagen »fremdsteuern« würde.

Na zum Glück schützt uns unser Immunsystem davor ein Bluttransfusionszombie zu werden. Puh. Außer natürlich bei 0 negativ-Spendern, aber die haben dann sicherlich keine enthaltene fremde Kraft die die eigene Individualität überwältigen oder fremdsteuern will.

Bei der Geburt ist der Körper des Neugeborenen noch aus dem Eiweiß der Mutter gebildet. Dieses muss mit der Zeit aufgelöst und ausgeschieden werden. Erst danach kann das Kind sein eigenes, individuelles Eiweiß bilden — das seinem eigenen Ich, seinem ganz individuellen geistigen Wesen entspricht.

Jep das Problem kenn ich noch. Als ich noch die Blutgruppe meiner Mama hatte und dann plötzlich ihr ganzes Eiweiß ausgeschieden hatte und 0 negativ wurde… 

Um das mütterliche Eiweiß aufzulösen und auszuscheiden sind die Kinderkrankheiten da. Sie gehen einher mit hohem Fieber (zum Auflösen) und Ausschlag (zum Ausscheiden).

Kennt ja jeder: “Ich koch mein Ei schon 20 Minuten und es ist immer noch nicht weich.” Vor allem ist es nach dem Erhitzen auch viel einfacher das Eiweiß in fester Form durch die Haut zu drücken, als in flüssiger. Dazu später noch mehr.

Der Körper weiß, wie viele fieberhafte Krankheiten er für seine Individualisierung braucht. Das ist individuell unterschiedlich.

Ja, das weiß er und nein ist es nicht: 0 fieberhafte Krankheiten werden für die Individualisierung des Eiweiß benötigt, da es esoterischer Quatsch ist.

Darf das nicht geschehen, muss man damit rechnen, dass neue Krankheiten auftreten.

Das muss man auch wenn man es zulässt. Circle of life, you know?

Könnte das der Fall sein bei den Autoimmunkrankheiten? Dabei wird angenommen, dass das Immunsystem das eigene Eiweiß eines Organs nicht mehr als eigenes erkennt und deshalb das Organ zerstört. Doch könnte es nicht sein, dass in diesem Organ noch mütterliches Eiweiß enthalten ist, wogegen sich der Organismus mit Recht wehrt?

Nein, denn z.B. Morbus-Basedow hat nichts mit Eiweißen zu tun, sondern mit der Überproduktion von Schilddrüsenhormonen. Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung die die postsynaptische Membran angreift.

Die Autorin stellt hier außerdem Hypothesen auf Basis einer völlig absurden Theorie auf, somit sind diese in sich schon fehlerhaft.

Das Eiweiß eines jeden Menschen muss sich zudem im Lauf seines Lebens immer wieder seiner individuellen geistigen Entwicklung anpassen. Würde man das individuelle Eiweiß eines Menschen mit 20 und mit 70 Jahren untersuchen, der alle seine Krankheiten ohne fiebersenkende Mittel durchmachen durfte, würde man feststellen, wie sehr sein Eiweiß sich im Laufe des Lebens verändert hat.

Dieser Vergleich ist sehr interessant. Als wenn die Theorie des individuellen Eiweiß nicht schon schräg genug wäre, würde hier ein Vergleich getätigt werden im Sinne von: “Was ist der Unterschied zwischen einem Eiweiß.”

Wenn sich ein Eiweiß verändert, weiß ich erstmal nur, dass sich ein Eiweiß verändert. Aber was die Autorin ja eigentlich darstellen will, ist, dass sich das “individuelle Eiweiß” bei Menschen die Krankheiten durchmachen anders verändert, als bei Menschen die sie nicht durchmachen.

Die zentrale Wirkung des Fiebers

Hohes Fieber (über 39°C) löst nicht nur fremd gewordenes Eiweiß auf, sondern selbst das Eiweiß von Bakterien und Viren. Sie bestehen ebenfalls aus Eiweiß und sind deshalb wärmeempfindlich. Das körpereigene Eiweiß selbst wird durch Fieber so aufgelöst, dass es den Menschen nicht töten kann; es ist die darunterliegende Krankheit, gegen die das Fieber kämpft, die trotz Fieber zum Tode führen kann.

Erhitzen von Eiweiß führt zum Gerinnen oder Stocken des selbigen. Dazu wären aber Körpertemperaturen nötig, die für den Menschen ohne Frage tödlich wären (ca. 82,5° C).

Fieber dient hauptäschlich aber eher dazu, die Vermehrung von Krankheitserregern zu hemmen und die körpereigene Immunantwort zu verstärken.

Lustig ist die Behauptung, dass “fremd gewordenes” Eiweiß auf Erhitzung anders reagiert als das körpereigene Eiweiß. Na hoffentlich wissen die Eiweiße das auch.

Zudem ist hohes Fieber der Startschuss für das gesamte Immunsystem. Der französische Mikrobiologe, Molekularbiologe und Virologe André Michel Lwoff erhielt für diese beiden zentralen Entdeckungen 1965 den Nobelpreis.

Aha… ich dachte er bekam den Nobelpreis für seine Forschung über die Vermehrung von Bakteriophagen, aber vielleicht haben sie ihm ja zwei gegeben und den anderen habe ich verpasst.

Komplikationen treten selten auf, sind aber dennoch möglich, besonders bei Kindern wenn sie geschwächt sind (zum Beispiel durch Unterernährung, Unterzuckerung), wenn sie bei Erkrankungen die nötige strenge Bettruhe nicht einhalten, wenn sie nicht genügend Fieber bekommen (zum Beispiel durch fiebersenkende Mittel). Dann können sich Bakterien und Viren entfalten und das Immunsystem wird nicht richtig aktiviert. Es braucht ebenfalls hohes Fieber, um die Fremdeiweiße durch die Haut und Schleimhaut ausscheiden zu können (Witsenburg 1975).

Auch hier versucht die Autorin mit ewig altem Medizinwissen eine krude Theorie zu untermauern. Sie zitiert dabei Witsenburg, der feststellte, dass ein Medikamentencocktail aus Sedativa, Antipyretika und Hustenstillern zu einer erhöhten Mortalität bei Masern in einem Krankenhaus in Ghana führte. Dies geschah in den 1960er Jahren. Sie übersieht dabei, dass das medizinische Wissen seitdem rund 60 Jahre hatte um sich weiterzuentwickeln, auch im Hinblick auf die Gabe von bestimmten Medikamentencocktails.

Zudem wird jetzt Eiweiß schon nicht mehr nur über die Haut ausgeschieden, sondern jetzt auch bereits über die Schleimhäute. Die Behauptung, dass ohne Fieber das Immunsystem nicht richtig aktiviert wird, wirft Fragen auf bezüglich Krankheiten die völlig ohne Fieber überstanden werden. Wodurch werden dort die Krankheitserreger bekämpft? Luft und Liebe?

Komplikationen bei Masern

Mütter wussten früher: Kinderkrankheiten, die nicht nach außen schlagen können, schlagen nach innen. 

Bauern wussten früher: Kräht der Bauer auf dem Mist, hat sich wohl der Hahn verp… ach lassen wir das.

Das aufgelöste Eiweiß muss unter allen Umständen ausgeschieden werden.

Aha… vorhin war es doch noch was Gutes wenn sich das Eiweiß über die Schleimhäute ausscheidet. Liegt nicht ein Großteil der Schleimhäute innen und wäre es nicht kontraproduktiv, wenn sie dort ausgeschieden werden? Und wäre es nicht etwas eklig, wenn einem Eiweiß zum Beispiel aus den Augen tropft?

Kann es nicht durch die Haut, muss es durch die Lunge: Es tritt eine Lungenentzündung auf.

Okay, warum nicht durch den Mund, den Darm, die Gebärmutter, die Augen, den Dünndarm, die Nase, die Geschlechtsorgane… warum nicht durch irgendeine Schleimhaut? Ich versteh es immer noch nicht, sollten die nicht darüber auch raus?

Verläuft aber auch diese mit ungenügendem Fieber, lagert der Organismus das Fremdeiweiß in einem letzten Versuch, es von sich zu isolieren, im Bindegewebe des Gehirns ab. Dort, wo es nicht mehr ausgeschieden werden kann, versucht er es durch örtliche Wärme (Entzündung) aufzulösen: Es tritt eine chronische Enzephalitis auf. Aus einer harmlosen wird eine schwere Krankheit, nicht durch die Krankheit selbst, sondern durch ungenügendes Fieber am Anfang der Krankheit.

Klar… wer hat noch nicht von der häufigsten Komplikation einer Lungenentzündung gehört: Der chronischen Enzephalitis.

Ist ja auch ein total logisches Verhalten für den Körper: “Etwas ist potentiell gefährlich… hm wo pack ich das mal hin: Au ja! In die Schaltzentrale des Körpers.” Achja, nur damit es nicht zwischendrin untergeht: Das mit dem Auflösen und Ausscheiden des Eiweiß über die Haut ist völliger Quatsch.

Der holländische Arzt Bob Witsenburg machte in Afrika schon in den 1960er Jahren genau diese Entdeckung. Die an Masern erkrankten Kinder, die trotz fiebersenkender Mittel hohes Fieber behielten und starken Ausschlag bekamen, hatten zu seiner großen Überraschung kaum Komplikationen. Folglich entschied er, alle Mittel abzusetzen. Die Komplikationen nahmen derart ab, dass er seine Erkenntnisse in Holland und Deutschland veröffentlichte. Dies wurde jedoch nicht zur Kenntnis genommen (Witsenburg, 1992, S. 177 ff.).

Witsenburg stellte lediglich fest, dass mehr Kinder in Ghana durch die Gabe eines Medikamentencocktails starben, als Kinder die durch nicht behandelte Masern starben. Laut der Autorin sind verbleibende Todesraten von 7% anscheinend aber “kaum Komplikationen” bzw. “derart abnehmende Komplikationen”. 

Das die Erkenntnisse nicht zur Kenntnis genommen wurden, könnte unter anderem daran liegen, dass sie 27 Jahre nach dem Verfassen lediglich im generell wenig beachteten anthroposophischen Äquivalent zur Apotheken-Umschau, dem “Merkurstab” veröffentlicht wurden. Und wenn selbst dieser 27 Jahre braucht, wäre die Frage ob wissenschaftliche Blätter überhaupt Interesse daran hätten.

Generell, nicht nur bei Masern, soll Fieber nicht unterdrückt, sondern unterstützt werden, zum Beispiel durch Überwärmungsbäder, sodass die Körpertemperatur auf 39–40 °C ansteigen kann. Ein Ausschlag kann gefördert werden durch Senfbrustwickel alle zwei Tage.

Überwärmungsbäder bei hochfiebrigen Erkrankungen werden von seriösen Ärzten nicht empfohlen. Ebenfalls wird ein Ausschlag bzw. eine Hautirritation bei Senfbrustwickeln als unerwünschter Nebeneffekt als Folge einer zu geringen Verdünnung gesehen.

Prinzipiell könnte man diese beiden Punkte als Anleitungen zur Körperverletzung interpretieren.

Wie gefährlich sind Impfungen?

Das ist das dritte Problem: Impfungen sind nicht ganz ungefährlich. Im Umkreis meiner Praxis wird immer wieder von Menschen berichtet, die bisher gesund waren und nach einer Impfung unter chronischer Müdigkeit, epileptischen Anfällen, Austismus nach der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (Wakefield 2016) u.a. leiden, weniger von einem durch Masern geschädigten Kind.

“Mir wird berichtet” ist immer die beste Informationsquelle. Ob es jetzt UFO-Sichtungen, Gotteserscheinungen oder Erzählungen über Impfschäden sind, sie dienen als eindeutige Nachweisquelle.

Aber mal ernsthaft: Wenn jemand unter chronischer Müdigkeit leidet, sollte er vielleicht in Erwägung ziehen, dass es diverse Dinge gibt die dies beeinflussen könnten: Falscher Schlafrhythmus, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Depressionen und und und können chronische Müdigkeit hervorrufen. Als Nebenwirkung von Impfungen ist diese nicht erfasst.

Epileptische Anfälle können als Nebenwirkung einer Maserninfektion sowie einer Impfung dagegen auftreten, da hier ja ein Lebenimpfstoff zum Einsatz kommt. Allerdings liegt die Anzahl der Fälle bei weit unter 1%, während bei 7–8% der Masernpatienten Fieberkrämpfe auftreten.

Das die Autorin den Fall Wakefield aufführt disqualifiziert sie endgültig, ebenfalls die Angabe des Films Vaxxed in den Quellen. Andrew Wakefield ist ein Arzt der seine Approbation verlor, als er Bestechungsgeldern von Anwaltskanzleien entgegennahm, welche Eltern von Kindern mit Autismus vertraten. Diese wollten Pharma-Konzerne verklagen, indem sie den Autismus ihres Kindes in Verbindung mit einer MMR-Impfung gaben. Wakefield fälschte daraufhin Studienergebnisse und riet von der Nutzung des MMR-Impfstoffs ab und riet zu den (weniger verträglichen) Einzelimpfstoffen. Zusätzlich gab es Vermutungen, dass er ein berechtigtes Interesse an der Abschaffung des Kombinationsimpfstoffs hatte, aufgrund eines von ihm vertriebenen Einzelimpfstoffes.

Als der Fall rauskam, wurde Wakefield ein Berufsverbot ausgesprochen. 10 von 13 Autoren der Studie distanzierten sich davon. Ihnen waren die Zahlungen laut eigener Aussage nicht bekannt. Wakefield versuchte daraufhin später seine kruden Theorien im Film Vaxxed zu verarbeiten, zu dem gerade ein weiterer Teil angekündigt wurde. Das Wakefields Beobachtungen jeglicher Grundlage entbehren, konnten bereits mehrere Studien zeigen. 

Zum einen Hideo Honda, ein japanischer Autismus-Spezialist, welcher nachwies, dass trotz eingestellter MMR-Impfung in einem Bezirk in Yokohama keine Beeinflussung der Autismus-Zahlen zu erkennen war. Zum anderen eine großangelegte Studie in Dänemark, die 650.000 Kinder untersuchte und keinen Zusammenhang zwischen MMR-Impfungen und Autismus feststellte.

Außerdem werden nicht alle Schädigungen, die nach Impfungen auftreten, damit in Zusammenhang gebracht bzw. erfasst. So kann es bei Säuglingen und Kindern zum objektiven Verlust bereits erworbener Fähigkeiten kurz nach einer Impfung (Entwicklungsknick) kommen. Meist wird dies von den Eltern nicht registriert oder die Ernsthaftigkeit nicht richtig eingestuft.

Hier wird von einem objektiven Verlust bereits erworbener Fähigkeiten kurz nach einer Impfung gesprochen. Welche diese sein sollen wird nicht genannt. 

Das diese nicht erfasst werden, ist ebenfalls nicht korrekt. Nach § 6 Abs. 1, Nr. 3 IfSG müssen nach einer Impfung auftretende Symptome, die über eine Impfreaktion hinausgehen, (sprich z.B. leichte Rötungen oder leichte Schmerzen an der Einstichsstelle etc.) an das Gesundheitsamt gemeldet werden, wenn sie in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten.

Dieser kurzfristige Verlust bereits erworbener Fähigkeiten weist aber auf eine minimale Gehirnschädigung hin und kann sich in späteren Lernschwierigkeiten u.a. ausdrücken. Im Vergleich dazu hat die Masernerkrankung selbst, wenn sie normal durchgemacht wird, keine derartigen Folgen.

Auch bei MMR-Impfungen werden solche Folgen nicht beobachtet, außer durch Hörensagen. Die Enzephalitis ist bei Masern ca. bei 1/1000-1/10000 vorhanden. Bei Masernimpfungen werden die aufgetretenen Fälle kontrovers diskutiert, zumal es sich, falls überhaupt ein Fall zugeordnet werden kann, in der Häufigkeit bei weit <1/1.000.000 bewegt.

Der Dokumentarfilm »Eingeimpft« von David Sieveking berichtet über eine Sechsfachimpfung für Säuglinge, die bis 2005 gegeben wurde — gegen Polio, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B und Haemophilus-Bakterien. Immer wieder starben Säuglinge kurz nach dieser Impfung (Tönz 1983). Einer der untersuchenden Pathologen berichtet im Dokumentarfilm über das Ergebnis: eine deutliche Verhärtung der Gehirne.

Auch dieser Film wurde aufgrund seiner Einseitigkeit kritisiert. Sieveking ließ ausschließlich Impfgegner zu Wort kommen, nannte den anthroposophischen Arzt Dr. Meinecke “ziemlich manipulativ” und sagte selbst, dass er ihn nicht als “Freak” darstellen könnte der Quatsch erzählt, da man sonst fragen würde, “wieso er im Film vorkommt”. Sprich der Regisseur wusste, dass sein Film keine objektive Darstellung ist und er nur extremen Impfgegner eine Bühne bot, das war für ihn allerdings anscheinend kein Problem. Aber wir stellen diese Frage durchaus. Beschreibt er doch immer wieder unbewiesene Dinge, die auch bei Frau von Boch vermutlich ein Glänzen in die Augen treibt:

Masern, Mumps und Röteln wären im Kinderalter harmlos, die Impfung gegen das Rota-Virus unethisch, Allergien, Krebs und Angsterkrankungen würden nach der Impfung zunehmen, etc. pp.

Der ebenfalls zitierte Tönz nutzt auch die zweifelhafte Methode die Todesursachen von Keuchhusten mit dem Einführungszeitpunkt von Impfungen zu vergleichen, statt auf die Infektionszahlen zu gucken, ähnlich McKeown bei den Maserinfektionen.

Was die Autorin bei der Sechsfachimpfung verschweigt, ist, dass weder ein Zusammenhang, noch eine Widerlegung eindeutig bewiesen werden konnte. Eine Studie ließ eher den Schluß zu, dass Kinder die anderen Risikofaktoren ausgesetzt waren, wie rauchende Mütter oder schlafen in Bauchlage nach der Impfung höhere Konfidenzintervalle hatten, aber immer noch nicht in einem statistisch relevanten Bereich, zumal die gesamte Studie unter dem Selection Bias litt, sprich der Auswahl aufgrund der Teilnahmebereitschaft. Dennoch konnte aus den Ergebnissen geschlussfolgert werden, dass innerhalb einer Woche nach der Impfung kein erhöhtes Sterberisiko vorlag.

Könnte es sein, dass manche Impfungen gerade bei Säuglingen, die noch kein fertig ausgebildetes Immunsystem und Gehirn haben, eine Tendenz zur Verfestigung des Gehirns bewirken? Diese Frage wurde trotz der Todesfälle nicht geklärt.

Könnte es sein, dass Kornkreise doch von Aliens mit Hang zu Sachbeschädigung gemacht wurden? Frau von Boch bezieht sich immer wieder auf den Konjunktiv, da sie keinerlei Belege für ihre Vermutungen hat, aber Angst mit abstrusen Behauptungen schüren will.

Rudolf Steiner zum Impfen

Leute… schnappt euch eine Packung Popcorn, das “Universalgenie” Rudolf Steiner spricht.

Rudolf Steiner sagte 1917, man werde »… vielleicht in nicht so ferner Zukunft einen Impfstoff finden, durch den der Organismus so bearbeitet wird in möglichst früher Jugend, möglichst gleich bei der Geburt, dass dieser menschliche Leib nicht zu dem Gedanken kommt: Es gibt eine Seele und einen Geist« (Steiner, 2013, S. 97). Der Mensch würde nur noch über die physische Welt denken können. 

Sind unsere heutigen Impfungen hiermit gemeint?

Frau von Boch unterstellt Steiner hier hellseherische Fähigkeiten und redet wieder im Konjunktiv um für ihre Zwecke frei interpretieren zu können.

Steiner äußerte sich häufig zum Thema Impfen. So zum Beispiel 1924: » … der Mensch kann sich nicht mehr erheben aus einem gewissen materialistischen Fühlen. Und das ist doch eigentlich das Bedenkliche an der Pockenimpfung …« (Steiner, 2011, S. 321).

Er äußerte sich allerdings auch 2 Sätze vorher mit “Sehen Sie, wenn man jemand impft, und man hat den Betreffenden als Anthroposophen und erzieht ihn anthroposophisch, so schadet es nichts.”

Sieht man mal davon ab, dass der gesamte Text von Rudolf Steiner ziemlich wirr ist, weil er die anthroposophische Erziehung als eine Art Schutzpanzer vor einer ahrimanischen Kraft die aus der Impfung entstehen soll, darstellt, widerspricht Steiner hier sogar voll und ganz Frau von Boch. 

Das heißt nicht, dass Steiner nicht absoluter Impfgegner war, aber er fühlte die Anthroposophie offenbar als so erhaben, dass sie einen vor fast allem schützen könne.

1919, nach einem Vortrag über das dringendste Problem auch unserer Zeit, das weltweite soziale Miteinander, beschreibt er in einem Brief, wie sich die Verhärtung des Gehirns äußert: »Dabei dieser Mangel an ›Verständnisfähigkeit‹ bei den Leuten. (…) Es ist, als ob sie nur fähig wären, Dinge zu verstehen, an die sie bis zur Satzgestaltung seit 30 Jahren gewöhnt sind. Verhärtete Gehirne, gelähmter Ätherleib, leerer Astralleib, völlig dumpfes ›Ich‹. Das ist die Signatur der Menschen der Gegenwart« (zit. in Meyer, 1993, S. 240).

Na da schau an… das Universalgenie und der Hellseher Rudolf Steiner wusste schon 1919 das Impfungen Verhärtungen des Gehirns auslösen. Das selbe was im Film “Eingeimpft” ca. 80 Jahre später von einem Anthroposophen behauptet wird. Da fragt man sich doch was wahrscheinlicher ist: Das Steiner ein Hellseher ist oder das der gezeigte Pathologe dem Confirmation Bias aufsitzt und genau das feststellt, was sein anthroposophisches Vorbild im knapp 100 Jahre zuvor vorbetete?

Wird diese Unfähigkeit, neue Gedanken zu erfassen, die schon vor der Ära der Impfungen anfing, durch die Impfungen verstärkt? 

Wieder mal Konjunktiv auf Basis von wirrem Geschwätz einer überhöhten Figur der Anthroposophie. Sorry, langsam wird es ätzend, aber wir sind ja gleich durch.

Wenn dies eine genügend große Anzahl von Menschen betrifft, wäre dies eine nicht mehr nur für den Einzelnen, sondern für die ganze Menschheitsentwicklung tragische Entwicklung. Denn dann können Ideen, die zur Lösung unserer dringendsten Gegenwartsprobleme führen würden, nicht mehr erfasst werden.

Auch hier der geschickte Kunstgriff “WENN dies eine genügend große Anzahl von Menschen BETRIFFT”. Korrekt wäre der Satz mit “betreffen würde”, da eine unbewiesene Behauptung aufgestellt wurde und darauf heruminterpretiert wird.

Stärken statt schützen

Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist nicht: »Wie schaffen wir alle Krankheiten aus der Welt?«, sondern: »Wie stärken wir uns vor der Krankheit und wie begleiten wir diese, sodass wir sie überwinden können und gestärkt daraus hervorgehen?« 

Durch Impfungen. Im Idealfall schaffen wir damit die Krankheit aus der Welt, wie die Pocken bzw. machen sie zu einem so geringen Problem das sie einfach nicht mehr relevant sind, wie bei Polio. Auch werden derzeit Impfstoffe entwickelt, die gegen bestehende und zukünftige Formen der Grippe wirksam sein sollen.

In Rudolf Steiners Worten: »Das ist gerade die Folgerung und Gabe der Krankheit, da das Starke vom Menschen erworben werden muss. […] Wollen wir die Stärke, die Gesundheit, dann müssen wir ihre Vorbedingung, die Krankheit, mit in Kauf nehmen« (Steiner, 1983, S. 115). Und dann erübrigen sich die Impfungen.

Oder man impft und dann erübrigt sich die Krankheit.

Fazit zum Text

Die Autorin weist einen interessanten Hang zum Konjunktiv auf. Sie stellt Vermutungen auf, oft auf Basis von anderen Vermutungen. Ebenso stellt sie Thesen auf, die physikalisch und chemisch gesehen oder anhand anderer Fakten leicht zu widerlegen sind, weshalb das gesamte wacklige Gerüst auf dem sie ihren Text aufbaut binnen kürzester Zeit zusammenbricht.

Ihre Überlegungen (weil man es nicht Fakten nennen kann), stüzt sie dabei auf fragwürdige bis widerlegte Quellen, was im Zitieren des, aufgrund von Bestechlichkeit und unethischen Forschungsmethoden bei Impfstudien, mit Berufsverbot belegten Arztes Andrew Wakefield gipfelt.

Einige Kommentare von – der Waldorfpädogik anhängigen – Personen, zeigen, dass sie entsetzt sind von dem Artikel und den Behauptungen die dort drinstehen. 

Auch dies zeigt eine Erklärung für das verstärkte Auftreten von Masern in Waldorfschulen. Pseudowissenschaftliche Erkenntnisse, basierend auf pseudowissenschaftlichen Konzepten wie dem Ätherleib und dem Astralleib, werden genutzt, um Menschen Angst vor Impfungen zu machen, sowie eine Krankheit als etwas Gutes dastehen zu lassen. Hierbei wird der Kernpunkt vergessen: Viren und Bakterien haben das Ziel den Körper zu zerstören, nicht ihn zu stärken. Impfungen können das Immunsystem darauf vorbereiten dies nicht zuzulassen und damit viele Menschenleben retten.

Es ist eine Sache skeptisch gegenüber Impfungen zu sein und sich zu informieren. Dennoch sollte man dies möglichst nicht machen bei Seiten die bereits die Polemik oder Esoterik im Namen gepachtet haben, wie beispielsweise “Impfen? Nein danke!”, “Impfschaden.info”,“Impfkritik”,“Ganz gesund krank” oder halt eben auch “Erziehungskunst”.

Vernünftige Quellen für Impfinteressierte sind das Paul-Ehrlich-Institut, die Seite Impfen-Info der BzgA und die Seite des Robert-Koch-Instituts, wo ihr auch die Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission) findet. Auch hier wird lange nicht jede Impfung für sinnvoll erachtet, wie es Impfgegner immer Glauben machen wollen, aber es gibt einen Impfkalender für die empfohlenen Infos.

Und ansonsten sind auch im Normalfall eure Hausärzte vernünftige Ansprechpartner falls ihr Zweifel habt.

Aus eigener Erfahrung und natürlich vollkommen subjektiv kann ich euch hier allerdings nur den Tipp geben, darauf zu achten, dass diese Ärzte nicht Zusätze wie “Anthroposophie” oder “Homöopathie” haben.


Zum Gastautor:

It hurts when IP ist Kritiker von Homöopathie sowie anderen Pseudowissenschaften und esoterischen Weltanschauungen, agnostischer Atheist und setzt sich für Aufklärung über den wissenschaftlichen Standpunkt zu diesen Themen ein. Folgen könnt ihr ihm auf Twitter, auf Medium und ja vielleicht auch mal wieder hier?

3 Gedanken zu “Gastbeitrag: Waldorfpädagogik und Impfungen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s