Schwarz-Weiß-Rot-Schwäche: Herr H. sieht keine Nazis

Ausbilder für Waldorfpädagogen leugnet Rechtsextreme und Reichsflaggen bei Berliner Corona-Demos. Sollten Rechtsradikale mitgelaufen sein, störe ihn das nicht, sagt der Anthroposoph

Christoph J. Hueck ist eine gut vernetzte Figur der deutschen Anthroposophie, der esoterischen Weltanschauung des Hellsehers und Okkultisten Rudolf Steiner. Er war Geschäftsführer und Lehrer einer Waldorfschule, Professor an einer anthroposophischen Hochschule und ist Dozent für Waldorfpädagogik. Zudem ist Hueck Redakteur der anthroposophischen Zeitschrift Die Drei sowie Mitbegründer der Akanthos-Akademie für anthroposophische ‚Forschung‘.

Im Hessischen Rundfunk trat der Anthroposoph erst kürzlich als Verteidiger seines hellsichtigen Gurus Rudolf Steiner auf. Der sei wegen „rassistischer und antisemitischer“ Aussagen „immer wieder in der Kritik“, so „hr2“. Hueck jedoch verharmloste den Rassismus Steiners – den die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien bereits 2007 amtlich bescheinigt hatte – als „zeitgebundene“ und vereinzelte Äußerungen.

Menschen, die immer wieder diesen Vorwurf erheben, die wollen der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik Böses.“ (Christoph Hueck in hr2 – „Steiners religiöser Kosmos – woran glauben Anthroposophen?„, 03. April 2020)

Rudolf Steiner soll also nicht rassistischer gewesen sein, als andere Zeitgenossen auch. Und auch bei den Querfront-Demonstrationen von Stuttgart bis Berlin, in denen der einflussreiche Anthroposoph teils selbst als Redner auftrat, konnte Hueck keinen Rassismus erkennen.

Handelt es sich um eine Schwarz-Weiß-Rot-Sehschwäche?

Anthroposophen sind fester Teil der Querfront-Demonstrationen

Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen erfahren regelmäßig Unterstützung aus dem Umfeld der esoterischen Glaubensgemeinschaft und aus ihren Waldorfschulen. Hueck selbst gibt an, bei 10 der Demonstrationen als Redner aufgetreten zu sein.

Bei seinem Auftritt bei den „Querdenken“-Demos in Stuttgart Rede verharmlost der Anthroposoph die Gefährlichkeit des Virus, raunt über einen kommenden Impfzwang und deutet eine angebliche Verstrickungen von Bill Gates in die weltweite Pandemie an. Die Beweise für diese weltweite Verschwörung würden jedoch unterdrückt.

Ich bin in der Ausbildung von Waldorfpädagogen, deswegen bin ich trotzdem kein Verschwörungstheoretiker

…sagt Hueck, gefolgt von dem Aufruf zum „selbstständigen Denken„, der unter Verschwörungsmultiplikatoren gerade sehr angesagt ist.

Es ist überhaupt nicht so, dass alle krank werden. (…)

Wenn wir ein gutes Immunsystem haben, dann kann uns das Virus überhaupt nichts ausmachen“ (Christoph Hueck, Rede über die Corona-Impfstoffentwicklung, bei „Querdenken 711“, Stuttgart, 6. Mai 2020)

Auch auf Demos in Stuttgart (06.05. und 30.05.2020), in Salem (06.06.2020) und in Tübingen (13.06.2020) trat der umtriebige Esoteriker auf. Vollends begeistert zeigt er sich jetzt über die Berliner Corona-Demos.

Anthroposophische Akademie: „Die Welt schaut auf diese Demo!“

Auf ihrer Webseite zeigt Huecks anthroposophische Akademie Videomaterial der rechtsoffenen „Tag der Freiheit“-Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen, die am 01. und 02. August 2020 in Berlin-Mitte stattfanden. Die Einschätzung der Demo-Teilnehmer durch die Medien ärgert Herrn Hueck offenbar:

Bilder von der Demo in Berlin – diese Aufnahmen sprechen für sich. Sind das nun die „Covidioten“, die „Spinner, Aluhutträger und Esoteriker“, die „Rechtsradikalen und Antisemiten“, die „egoistischen Gefährder der Gesundheit und Demokratie“?!“ (Christoph Hueck, Akanthos-Akademie.de, 02. August 2020)

Unter den Demonstranten soll es angeblich „Esoteriker“, oder gar „Rechtsradikale und Antisemiten“ gegeben haben? Für Christoph Hueck kommen diese Gruppen nur in Anführungszeichen vor. In Großbuchstaben schreit er seine Begeisterung heraus über die, so möchte man vermuten, baldige Wiederherstellung der Demokratie:

WIR SIND VIELE – UND WIR WERDEN IMMER MEHR!! EIN NEUER AUFBRUCH FÜR DEMOKRATIE, MENSCHLICHKEIT UND SOLIDARITÄT. UND DIE WELT SCHAUT AUF DIESE DEMO, DENN ÜBERALL AUF DER ERDE LEIDEN MILLIONEN MENSCHEN UNTER DEN UNSINNIGEN LOCKDOWN-MASSNAHMEN.“ (Christoph Hueck, Akanthos-Akademie.de, 02. August 2020)

Bald bemerkt ein Kommentator unter dem Artikel, dass auf den von Hueck verbreiteten Bildern durchaus „mehrere Reichsflaggen“ zu sehen seien – Rechtsradikale und Antisemiten wären Teil der Demonstrationen gewesen. Zudem sei das Demo-Motto „Tag der Freiheit“ direkt dem Titel eines nationalsozialistischen Propagandafilms von Leni Riefenstahl entlehnt.

Der Esoterik-Funktionär antwortet umgehend – und gibt sich uneinsichtig.

Anthroposoph: Rechtsextreme oder Reichsflaggen waren nicht erkennbar

Waldorf-Ausbilder Hueck will keine Rechtsextremen oder schwarz-weiß-rote Reichsflaggen gesehen haben. Auch den LKW der von Experten als rechtsextrem eingestuften Organisation „Patriotic Opposition Europe“ habe er auf dem Bildmaterial nicht gesehen:

„Ich kann das nicht erkennen“, sagt Christoph Hueck.

Das Anthroposophie.blog hilft da gerne weiter, und zeigt im folgenden einige Einzelbilder aus dem von Hueck verbreiteten Video:

LKW der rechtsextremen „Patriotic Opposition Europe“ und der „Corona Rebellen“

Die Schwarz-Weiß-Rot-Sehschwäche des Anthroposophen ist nichts Neues. Bereits im Mai hatte eine Kommentatorin Hueck vorgeworfen, man mache sich auf Corona-Demos mit „AFD, Pegida, Antisemiten, Verschwörungsgegnern und offensichtlich rechten Vereinigungen“ gemein. Auch hier erwiderte Hueck:

„Was Sie beschreiben, konnte ich nicht wahrnehmen“.

Dass die Demonstrationen unter Beteiligung von Rechtsextremen und Antisemiten stattfanden, ist natürlich unstrittig und wurde von der überwiegenden Mehrheit der Medien einhellig berichtet – und zwar weltweit. Die New York Times schreibt:

Der Protest unter dem Motto „Tag der Freiheit“ – so der Titel eines Nazi-Propagandafilms von Leni Riefenstahl aus dem Jahr 1935 – wurde von bekannten Neonazi-Gruppen und Verschwörungstheoretikern unterstützt.“ (The New York Times – „Infektionen überschwemmen die USA„, 01.08.2020)

Waldorf-Funktionär bekundet Toleranz für Rechtsextreme

Kritik am Motto der Demo ist für Hueck „nicht weiter diskussionswürdig“. Pauschal spricht der Steiner-Anhänger von einer Abgrenzung nach „links“ und „rechts“, doch dann folgt eine gefährliche Einlassung. Die Anthroposophen und die Rechtsextremen werden sprachlich zu einem „Wir“:

Sollten tatsächlich ein paar Rechtsradikale auf der Demo mitgelaufen sein, dann stört mich auch das nicht, denn wir sind gegen die vollkommen unverhältnismäßigen Regierungsmaßnahmen auf die Straße gegangen.“ (Christoph Hueck, Akanthos-Akademie.de, 02. August 2020)

Ein erschreckendes Fazit: Jemand, der Lehrer ausbildet, leugnet die Anwesenheit von Extremisten und „stört sich nicht“ an Rechtsradikalen.

Und die gab es zu genüge. Das Spektrum der rechten Demonstranten reichte von Reichsbürgern und Rechtsextremen bis zur rechts-anthroposophischen Kleinpartei „Neue Mitte“. In einer ausführlichen Fotogalerie bei Flickr zeigt der freie Journalist Tim Mönch erschreckende Bilder, auf denen auch Holocaust-Leugner zu sehen sind.

Auch Holocaust-Leugner unter den Demonstranten

Mönchs Bilder zeigen Demonstranten, die T-Shirts mit Reichsadler, der Aufschrift „Wir sind stolz, Deutsche zu sein“ oder dem Logo der bei Rechten beliebten Modemarke „Peripetie“ tragen. Für diese Marke wirbt auch der AfD-Politiker Björn Höcke. (Zur Erinnerung: Der vom Verfassungsschutz beobachtete Rechtsextremist darf laut einem Gerichtsurteil als Faschist bezeichnet werden).

Auf der Berliner Demo dokumentierte Mönch auch Holocaust-Leugner:

Unter den Teilnehmenden waren zahlreiche Antisemiten, die sich auf antisemitische Verschwörungserzählungen wie die „Protokolle der Weisen von Zion“ oder eine „New World Order“ bezogen.“ (Tim Mönch via Twitter)

Twitter-Feed vom Tim Mönch zu den Corona-Demonstrationen in Berlin am 01. und 02. August 2020. Zu sehen sind Demonstranten in schwarz-weiß-roten T-Shirts mit der Aufschrift „Fuck Zion“, „Lest die Protokolle“ oder „Fuck New World Order“

Rassismus bis in die Führungsebenen der Demonstrationen hinein

Laut dem ARD-Magazin Kontraste wurde die Presse auf den Demonstrationen auch körperlich „massiv angegriffen„. Journalistinnen wie Dunja Hayali vom ZDF oder Doro Steitz von NTV mussten ihre Dreharbeiten wegen der Bedrängung durch aggressive Demonstranten abbrechen.

Die Nähe der Corona-Demonstrationen nach rechts ist derweil kein Geheimnis mehr: Auf Aufnahmen ist zu sehen, wie der durch rassistische Aussagen aufgefallene Pressesprecher der „Querdenken 711“-Demonstrationen Stephan Bergmann den rechtsextremen und antisemitischen „Volkslehrer“ Nikolai Nerling herzlich umarmt.

Screenshot eines Tweets von Endstation Rechts: Nikolai Nerling und Stephan Bergmann umarmen sich am 01.08.2020 in Berlin

Demo-Organisator Bergmann war zuletzt durch rassistische Posts aufgefallen:

Mehrfach verbreitete Stephan Bergmann Posts, in denen vor einer „Vermischung der Rassen“ gewarnt wird. In diesem hier wird vor der Züchtung einer „hellbraunen Rasse in Europa“ gewarnt. Durch die Vermischung solle der Intelligenzquotient der weißen Bevölkerung gedrückt werden.“ (Der Tagesspiegel – „Der Hass, den Stephan Bergmann im Netz verbreitete„, 31.07.2020)

Die rassistischen Posts des „Querdenken 711″-Organisators zeigen erstaunliche Parallelen zu rassistischen Thesen des Anthroposophie-Gründers Rudolf Steiner. Der meinte, die “N****rasse gehört nicht zu Europa“ (Quelle) und: „Je mehr die blonden Rassen ausstreben, desto dümmer werden die Menschen“ (Quelle).

Rassismus verschwindet nicht, wenn man ihn ignoriert – oder schlimmer, wenn man ihn toleriert. Sascha Lobo schreibt im Spiegel über die Berliner Demo:

Am Ende ließ sich das Demopublikum politisch in zwei Gruppen einteilen: Rechtsextreme und Leute, die gemeinsam mit Rechtsextremen demonstrieren.“ (Der Spiegel – „Verschwörungs-Ideologie zum Mitmachen„, 05.08.2020)

Der auf dem rechten Auge schwache Anthroposoph Hueck aber zeigt sich von den Vorwürfen gegen die Berliner Demonstration amüsiert:

Es sei „lächerlich“ von einer rechten Unterwanderung zu sprechen.


Weiterführende Links:

Holocaust-Leugner erfreut über Reichsfahnen: „Der Antisemit, Holocaust-Leugner und Neonazi „#Reichsbürger“ Gerhard Ittner schreibt mir mal wieder unaufgefordert. Auch er war am 1.8. in Berlin und erfreute sich an der Akzeptanz von Reichsfahnen und der Gemeinschaft gegen die #NWO.“ (Jan Rathje, Twitter, 07.08.2020)

Anthroposoph*innen und Rechtsextremisten gemeinsam in Berlin: „Über sechs Kilometer liefen Anhänger_innen der Esoterik und der Anthroposophie neben Verschwörungsideolog_innen und Akteur_innen aus rechtsextremen Organisationen und Parteien.“ (RIAS Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus, Facebook, 07.08.2020)

Wer Rechtsextreme leugnet, der lügt: „Symbole rechtsextremer Gruppierungen, T-Shirts mit fragwürdigen Statements oder Fahnen in den Farben des Deutschen Reiches waren am Samstag in Berlin omnipräsent. Wer behauptet, dass hier keine Rechtsextremen teilnehmen würden, belügt andere – oder zumindest sich selbst.“ (Belltower News, „Kein Sicherheitsabstand zu Gewalt„, 03.08.2020


14 Gedanken zu “Schwarz-Weiß-Rot-Schwäche: Herr H. sieht keine Nazis

  1. Schon erstaunlich, wie blind die Anthros auf dem rechten Auge sind.
    Und wie blind die Öffentlichkeit für das seltsame Gebaren dieser Sekte.

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    • @ einefragehabich

      Anthroposophen sind nicht nur blind auf dem „rechten Auge“, das ist eher:
      „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ („Drei Affen“ oder „Drei Anthroposophen“?)

      Kleine Erinnerung von mir, dass da was war …:

      „Offener Brief an Henning Kullak-Ublick,
      Sprecher und Vorstand des ‘Bundes der Freien Waldorfschulen’.

      Berlin, 10. Juli 2020

      Sehr geehrter Herr Kullak-Ublick,

      ich bitte um Ihre Stellungnahme zur „Stuttgarter Erklärung“ des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, zum Artikel des Humanistischen Pressedienstes: „Rudolf Steiners Rassismus und die ‚Stuttgarter Erklärung‘“.

      Meine Frage an Sie: Wieso spricht der „Bund der Freien Waldorfschulen“ in der „Stuttgarter Erklärung“ noch im Jahre 2020 von „vereinzelten Formulierungen“ Rudolf Steiners, die diskriminierend „wirken“?

      Unabhängige Anthroposophie-Experten wie Prof. Helmut Zander, Prof. Peter Staudenmaier und andere haben schon vor Jahren nachgewiesen, dass Rudolf Steiners Rassismus durch seine anthroposophische „Evolutionslehre“ – Steiners „Menschheitsentwickelung“ – verursacht ist. Steiners „Menschheitsentwickelung“ ist zentraler Bestandteil der Anthroposophie, ihr Beweggrund und Ziel. Steiners Rassismus ist also wesenhafter Bestandteil der Anthroposophie.

      Rudolf Steiner weist menschlichen „Rassen“1 unterschiedliche Wertigkeit zu. Nur die „Weiße Rasse“ ist laut Steiner zur Höherentwicklung fähig, andere „Rassen“ sind dem Untergang geweiht, Zitat Steiner:

      „Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. (…) Und so ist es wirklich ganz interessant: Auf der einen Seite hat man die schwarze Rasse, die am meisten irdisch ist. Wenn sie nach Westen geht, stirbt sie aus. Man hat die gelbe Rasse, die mitten zwischen Erde und Weltenall ist. Wenn sie nach Osten geht, wird sie braun, gliedert sich zu viel dem Weltenall an, stirbt aus. Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse. (…) Und so werden in der Zukunft gerade aus den Rasseeigentümlichkeiten solche Dinge hervorgehen, die man kennen muss, damit man sich richtig hineinstellt ins Leben.“ (Rudolf Steiner, „Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentums“, GA 349)

      Dazu sagt Prof. Helmut Zander: „Diese Aussagen, die Steiner 1923, zwei Jahre vor seinem Tod, von sich gab, sind kein Betriebsunfall in seinem Denken, sondern eher ein zusammenfassender Schlussstrich unter Überzeugungen, die Wurzeln in seiner Kindheit haben und die er seit seiner theosophischen Zeit evolutionstheoretisch aufgeladen und immer wieder geäußert hatte. ‚Degenerierte Indianer‘ und ‚passive Negerseelen‘ gehörten schon 1909 zu seinem weltanschaulichen Inventar, dazu kommen vergleichbare Vorstellungen zum Judentum (…)“ (Helmut Zander: „Die Anthroposophie – Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik“, Ferdinand Schöningh, 2019, Seite 196)

      Mit freundlichen Grüssen

      Andreas Lichte“

      veröffentlicht bei „Humanistischer Pressedienst“:
      https://hpd.de/artikel/anthroposophie-und-rassismus-18249

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  2. Erstmal vielen Dank für den Artikel. Der Schoß, aus dem das kroch, scheint immer fruchtbarer zu werden.

    Jedoch: Ich muss Herrn Hueck leider in einem Punkt zustimmen. Auch ich finde es lächerlich, von einer rechten „Unterwanderung“ zu sprechen. In dem Begriff schwingen gleich mehrere Annahmen mit, die so nicht zutreffen. Eine Unterwanderung setzt nach meinem Verständnis voraus, dass

    1. heimlich und im verborgenen gehandelt wird, bis eine „kritische Masse“ (sorry, liebe Fahrraddemonstranten, mir viel kein passenderer Begriff ein) erreicht wird um die gesamte Bewegung für eine andere Sache zweckzuentfremden oder zu zersetzen, und

    2. Die „ursprünglichen“ Mitglieder etwas gegen eine Beteiligung von Rechtsextremen, Antisemiten und dergleichen an ihrer Bewegung hätten.

    Bei dem hier gut dokumentierten offenem Auftreten und der offensichtlichen Akzeptanz, oder doch zumindest Duldung, dieses Auftretens von Seiten der anderen Teilnehmer, kann gleich in zweierlei Hinsicht nicht von einer Unterwanderung gesprochen werden. Hier wird schlicht und einfach gemeinsame Sache gemacht. Wer sich dann auch noch weigert, dies kritisch zu hinterfragen oder gar komplett die Augen davor verschließt, wird nicht in die rechte Ecke gestellt sondern hat sich aktiv selbst dorthin begeben. Gnothi seauton, möchte man ihnen zurufen.

    Für „wehret den Anfängen“ war es leider schon immer zu spät, wie Herr Friedman schon 2018 zu bedenken gab, also: Wehret den Fortschritten!

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    • @ Kritikpunkt

      „rechts unterwandern“ muss man die Anthroposophie tatsächlich nicht, die Anthroposophie ist selber „rechts“ …:

      „Anthroposophie und Nationalsozialismus: ‘Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft’

      (…)

      Anthroposophen arbeiteten in allen für sie wichtigen Praxisfeldern mit nationalsozialistischen Organisationen zusammen, im Überblick:

      – Waldorfschulen: „Das Motto der Waldorfbewegung im »Dritten Reich« lautete: »Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft.«1 Ihrer Selbstdarstellung zufolge lieferte die anthroposophische Pädagogik einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau des neuen Deutschlands durch »die Pflege des völkischen Gedankens und die Betonung des Wesens und der Aufgaben des deutschen Geistes« und stand damit »im Einklang mit der Grundgesinnung des nationalsozialistischen Staates«.2“3

      – Anthroposophische Medizin: „Die Vereinigung anthroposophischer Ärzte stellte eine Hauptstütze der NS-treuen »Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde dar«.“4

      – „Biologisch-dynamische“ Landwirtschaft: „1935 wurde der »Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise« korporatives Mitglied der nationalsozialistischen »Deutschen Gesellschaft für Lebensreform« (Motto: »Die Weltanschauung der Deutschen Lebensreformbewegung ist der Nationalsozialismus«).“5

      (…)

      Die Anthroposophie weist Parallelen zum völkischen Gedankengut auf. Im Mittelpunkt steht eine Mischung aus entschieden deutschbetonten Voraussetzungen und universalen Ansprüchen: grundlegend ist ein emphatischer Begriff des „deutschen Geistes“ bzw. „deutschen Wesens“ und der gegenwärtigen sowie künftigen „deutschen Weltmission“17 – die Anthroposophie kann als eine extreme, esoterische Auslegung des auch von den Nazis verwendeten Schlagworts: „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“18 angesehen werden.

      Zentral für die Anthroposophie ist auch Steiners esoterische Rassenlehre. Der amerikanische Historiker Peter Staudenmaier (siehe „Credits“) erläutert: „Ausgehend von Blavatskys19 entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer »höheren« Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht im Mittelpunkt von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung.”20

      Endpunkt und Ziel der „Menschheitsentwickelung“ ist für Steiner die „weisse Rasse“. Folgende Aussage Steiners hat programmatischen Charakter: „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.“21

      Steiner lehnte die Demokratie als Herrschaftsform ab, stattdessen sollten Hierarchie und Autorität „spirituell“ begründet sein.

      Schulte-Strathaus hebt in seinem Ersuch für die Waldorfschulen hervor, dass die Erziehung der Waldorfschulen „gegen materialistisches Denken und blossen Intellektualismus“ gerichtet sei. Schon das „25-Punkte-Programm“, das Parteiprogramm der NSDAP vom 24. Februar 1920, wendet sich gegen den vermeintlichen Feind „Materialismus“. In „Punkt 24“, wird dieser Feind als „jüdisch“ identifiziert: „(…) Sie [die NSDAP] bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns (…)“

      Auch hier waren Rudolf Steiner, seine Anthroposophie – und damit die Waldorfschulen – an die NS-Ideologie anschlussfähig: „Für Steiner war das Judentum ein spiritueller wie evolutionärer Anachronismus; das jüdische Volk hätte sich schon längst auflösen sollen.“22 So sagt Rudolf Steiner: „Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung des modernen Völkerlebens, und daß es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion alleine, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise.“23

      „In anthroposophischen Schriften wurden die Juden als Verkörperung von Materialismus, Intellektualismus, Egoismus, Rationalismus, Abstraktion, Zersetzung und Dekadenz dargestellt. Der Herausgeber der Zeitschrift »Anthroposophie« schrieb 1925: »Aber das Judentum wird heute täglich nervöser, auch geistig immer nervöser und aktiver; denn es fühlt sehr wohl, dass seine für die Weltlage unheilschwere Rolle ausgespielt ist und das Blatt sich zu wenden beginnt. (…) Das Judentum begräbt sich selbst als bestimmender Exponent der Zivilisation, der es viel zu lange gewesen ist. Zionismus und ähnliche Verstiegenheiten, an die kein vernünftiger Mensch glaubt, sind nur als Ausgeburten eines perniziösen Fieberzustandes zu verstehen, der sich aus allen Kräften gegen die andringende Vernichtung sträubt, ohne sie aufhalten zu können.«24

      Richard Karutz25 erklärte 1929: »Der Jude im Menschen ist der Feind«, und verurteilte »den gruppengebundenen, engherzigen, vergangenheitsstarren, totem Begriffswissen und totem Stoffe opfernden, weltmachthungrigen Geist des Judentums, der eben in jedem Menschen steckt«26.“27

      (…)“

      zum vollständigen Artikel, einer von Prof. Peter Staudenmaier durchgesehenen Zusammenfassung seiner Forschungsergebnisse: https://www.ruhrbarone.de/anthroposophie-und-nationalsozialismus-die-waldorfschulen-erziehen-zur-volksgemeinschaft/44449

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  3. Rechte Polizisten, Bundeswehrsoldaten, Staatsanwälte, Lehrer…

    Dazu noch z.B. ein promovierter – aber trotzdem in den Eso-Sumpf abgedrifteter – Naturwissenschaftler, der für die Ausbildung von Lehrern zuständig ist, die dann an „staatlich anerkannten Ersatzschulen in freier Trägerschaft“ unterrichten dürfen.

    Oder ein Facharzt für Anthroposophische Medizin, der als Oberarzt in der Geriatrie eines Krankenhauses angestellt ist, das in public-private Partnership betrieben wird – im zweitgrößten Stadtstaat.

    Für meinen Geschmack erheblich zu viele Rechte/Esoteriker/Verschwörungsideologen, die sich in diesem unseren Lande frei entfalten dürfen. Sehr viele wissen das, schauen aber weg, weil’s halt zu viel Arbeit machen würde, sich damit auseinanderzusetzen.

    Und dann wundern sich alle, wo die Rechten und Esos auf einmal herkommen, und es wird so getan, als hätte man nicht bemerkt, dass die alle offen Flagge zeigen. Und wenn’s dann 1,3 Millionen sind, bequemt sich die Polizei endlich, dagegen einzuschreiten.

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  4. Sie haben Vergangenheit. Man denke an Karl Heise – Entente-Freimaurerei, die Verschwörungstheorie über die Schuld der Freimaurer, Juden und Jesuiten an der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg, 1919 mit einem Vorwort und Druckkostenzuschuss von Rudolf Steiner in Basel erschienen. Heinrich Himmler und Alfred Rosenberg haben diese Schrift nachweislich rezipiert und zum Teil übernommen. Man kann diese Schrift im Netz finden. Wer später in die NSDAP eintreten wollte, durfte kein Freimaurer sein.
    Alfred Rosenberg übernahm auch Rudolf Steiners Lehre von den doppelten Teufeln – nur, bei ihm heißen sie: „Luzifer“ und „Satan“ (nicht „Ahriman“), „Intellektualismus“ und „Materialismus“.
    Herman Wirth, der Mitbegründer der SS-Forschungsstelle „Ahnenerbe“, stand wahrscheinlich auch der „Anthroposophie“ nahe. Schriften: „Der Aufgang der Menschheit“ oder „Die Ura-Linda-Chronik“. Er protegierte wahrscheinlich Werner Georg Haverbeck, den späteren Priester der Christengemeinschaft, dessen Witwe als Holocaustleugnerin auftritt. Der „Anthroposoph“ Ernst Uehli bezog sich in seinem Buch „Atlantis und das Rätsel der Eiszeitkunst“ (erste Auflage 1936) ausführlich auf Herman Wirth.
    Und heute? Siehe das Verlagsprogramm „Perseus Verlag“ von Thomas Meyer, einem Hardcore-„Anthroposophen“. Er macht sich Gedanken über das Wirken des „Ewigen Juden“ in der Weltgeschichte“ und publiziert die Memoiren der Reinkarnation von Anne Frank. So etwas wird nicht von allen wohl geschätzt – aber geduldet wird es.
    Nicht alle sind Holocaustleugner. Es gibt im Netz einen Bericht von Peter Selg aus dem Jahr 2012 über seine Exkursion nach Auschwitz mit den Studenten des Begleitstudiengangs „Anthroposophische Medizin“ Er hielt einen Vortrag über Eduard Wirths, den Chefarzt von Auschwitz, und dessen Häftings-Mitarbeiter Langbhen. O-Ton:

    Der SS-Standortarzt wird schon lange von Gewissensbissen
    geplagt, da er die Häftlingsbedienungen nur schwer ertragen kann.
    Langbein, der den kommunistischen Widerstand im Lager organisiert,
    spürt dies und lernt schnell, Wirths positiv zu beeinflussen. So erreicht
    er, dass Wirths jüdische Ärzte und Schwestern im Krankenbau zulässt
    und dass von nun an die Selektionen der Juden an der Rampe von Ärzten
    durchgeführt werden. Eine paradoxe Freundschaft zwischen den beiden
    Männern entsteht.

    Ja, was gibt es dazu noch zu sagen? Mir fällt dazu auch nichts mehr ein.

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  5. Christoph Hueck hat auf die Kritik an seiner Begeisterung für die Berliner Corona-Demo reagiert:

    https://www.akanthos-akademie.de/2020/08/09/zur-diskussion-um-eine-angeblich-fehlende-distanzierung-von-rechtsradikalen/

    Ich habe dazu einen Kommentar geschrieben (nachdem schon mehrere meiner Kommentare von Hueck nicht veröffentlicht wurden):

    „Sie leben in einem Parallel-Universum: Was nicht passt, machen Sie sich passend.

    Hier Kritik an Ihrer Wahrnehmung: „Schwarz-Weiß-Rot-Schwäche: Herr H. sieht keine Nazis“, https://anthroposophie.blog/2020/08/06/schwarz-weis-rot-schwache-herr-h-sieht-keine-nazis/

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  6. 27. August 2020, Christoph Hueck, Andreas Neider:

    „Distanzierung von rechts- und linksradikalen Demonstrationsteilnehmern

    Für alle unsere wohlwollenden Leserinnen und Leser (und auch für die weniger wohlwollenden unter ihnen): Wir distanzieren uns entschieden und ausdrücklich von jeglichen rechts- oder linksradikalen Mitläufern der Demonstration am 29.8. in Berlin sowie aller anderen Demonstrationen, die gegen die unverhältnismäßigen Corona-Maßnahmen und für die Grundrechte abgehalten wurden und werden.

    Rechte und rechtsradikale Gruppierungen inklusive der AfD versuchen, die Demonstration am 29.8. für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, indem sie sich der überwältigenden Mehrheit von Menschen, die für die Grundrechte demonstrieren und in keinster Weise als radikal angesehen werden können, als opportunistische Trittbrettfahrer anschließen.

    Die FAZ hat über das Votum des Verfassungsschutzes berichtet, dass von Rechtsradikalen „kein prägender Einfluss“ auf die Corona-Demonstration vom 1.8. ausging.[1]

    Wir sind davon überzeugt, dass das auch am 29.8. so sein wird.[2]

    Eine Teilnahme an oder Befürwortung der Demonstration heißt in keinster Weise, dass man damit rechts- oder linksradikale Anschauungen oder gar eine Gewaltanwendung seitens dieser Kreise unterstützt.

    Christoph Hueck und Andreas Neider“

    https://www.akanthos-akademie.de/2020/08/27/distanzierung-von-rechts-und-linksradikalen-demonstrationsteilnehmern/

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