Rapunzel-Chef: Hang zu irrationalen und daher gefährlichen Weltbildern

Bunter VW-Hippie-Bus mit einem Schild des Rapunzel Naturkost-Slogans „Bio aus Liebe“,
Screenshot der Webseite von Allgäu Rechtsaußen

Für die Freunde von Allgäu Rechtsaußen durfte ich einen Gastbeitrag schreiben. Das Recherche-Netzwerk dokumentiert Aktionen von Neonazis und Rechtsradikalen im Allgäu und Umgebung.

In diesem Zusammenhang haben sie sich auch mit dem Fernsehkoch Attila Hildmann beschäftigt, der durch rechtsextreme Aussagen und Verschwörungserzählungen aufgefallen war. Rapunzel Naturkost entstammt einem anthroposophischen Umfeld und hatte Hildmann lange weiter als Werbegesicht genutzt. Mittlerweile distanziert Rapunzel sich davon.

Der Beitrag erschien zuerst unter: Allgäu Rechtsaußen – „Rapunzel-Chef: »Hang zu irrationalen und daher gefährlichen Weltbildern«


Der Eifer, mit dem Joseph Wilhelm in der Causa Attila Hildmann zurückrudert, ist erstaunlich. Das Verbleiben von Hildmanns Werbefotos und Rezepten auf den Internetseiten von Rapunzel Naturkost, immerhin fast 150 an der Zahl, könnte ein Lapsus gewesen sein. Die Zusammenarbeit mit dem skurrilen Vegankoch ist lange beendet, die Außenwirkung mag man nicht durchdacht haben. Alle Spuren Hildmanns auf Rapunzel.de sind nun gelöscht.

Skandalöse Wochenbotschaften

Der „andere“ Skandal sind aber die Wochenbotschaften des Joseph Wilhelm, und das erstaunlichste vielleicht Wilhelms Distanzierung von sich selbst. Nein, ein Verschwörungstheoretiker will er nicht sein, der Vorwurf mache ihn „betroffen“, schreibt er in einer Stellungnahme zu seinen wöchentlich erscheinenden „Wochenbotschaften“. Wenige Sätze vorher noch hatte er den „in Aussicht stehenden Impfzwang“ beklagt und sich als rigoroser Impfgegner geoutet, der weder sich, noch seine fünf Kinder jemals impfen liess. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Mag Wilhelms Ablehnung von Impfungen mit dem Glauben an Anthroposophie zu tun haben? Diese esoterische Weltanschauung, denen mancher sektenhafte Züge unterstellt, ist für ihr Impfgegnertum bekannt – und für den „biologisch-dynamische“ Anbau nach Demeter.

Okkult-magischer Bio-Anbau

Aus dieser okkult-magischen Variante des Bio-Anbaus kommt auch der Rapunzel-Gründer: Schon als Teenager hatte Joseph Wilhelm seine Ausbildung bei den Anhängern der Biodynamik gemacht. Die vom Hellseher Rudolf Steiner erdachte Methode aus Astrologie und Sternenkräften, ätherische Schwingungen aus vergrabenen Kuhhörnern und einem Wassergedächtnis in homöopathischem Dünger könnte die Basis für manch irrationale Einstellung des Konzernchefs sein.

Nach der Ausbildung führte Wilhelm „Rapunzel Naturspeisen“, einen Augsburger Naturkostladen, der sich auch an Rudolf Steiner orientiert haben soll. Doch erst 2004 wurde Rapunzel auch offizieller Partner vom Demeter, deren Sprech- und Argumentationsweise sich durch Rapunzels Öffentlichkeitsarbeit zieht: Man arbeite bei Rapunzel „ganzheitlich“, produziere Produkte von einer gewissen „inneren“, ja „feinstofflichen“ Qualität. „Feinstofflichkeit“ wird übrigens immer dann bemüht, wenn man das Extra an „Ätherkräften“ im Produkt nicht nachweisen kann. „Alles muss im Fluss sein“, hätten schon die „alten Meister“ gewusst: „Wir alle spüren, wenn unsere Energien fließen“, so Rapunzel.

Mit Ibrahim Abouleish, dem Gründer von Sekem – einer  anthroposophischen „Entwicklungsinitiative“ – wäre Rapunzel-Gründer Joseph Wilhelm, Zitat, „auf einer höheren geistigen Ebene verbunden„. Das mutet schon etwas esoterisch an, aber esoterischer als in Rudolf Steiners Anthroposophie wird es nicht:  Steiner-inspirierte Firmen wie Alnatura und Weleda unterstützen Rapunzel, mehr noch: Die Anthroposophische Gesellschaft, quasi eine Schaltstelle der Bewegung, stellt Wilhelm auf ihren Webseiten vor wie einen der ihren. Als Wilhelm mit „Genfrei gehen“ Protestmärsche gegen Gentechnik organisiert, unterstützen ihm Demeter und Rudolf Steiners Firma Weleda dabei. Verpflegung und Unterkunft der Wanderer übernahm gerne mal die anthroposophische Rudolf-Steiner-Schule.

Zahlreiche anthroposophische Positionen übernommen

Rapunzel lässt auf Nachfrage von Allgäu Rechtsaußen vermelden: „Nein, wir sind kein anthroposophisches Unternehmen.“. Auch das mag gut sein. Fakt ist aber, dass es sich Rapunzel in einer Ecke des Biomarktes gut eingerichtet ist, die von Esoterik dominiert wird. Und wie Wilhelm selbst schreibt: »Dass sich persönliche Aussagen eines Firmengründers und Geschäfts​führers nicht von einer Firmenphilosophie und -strategie trennen lassen, ist offensichtlich.«

Mir fällt auf, dass Wilhelm zahlreiche Positionen der Anthroposophen zum Thema COVID-19 übernommen hat: Dass die Angst vor dem Virus schlimmer sein, als das Virus selbst. Dass Impfen uns „gefügig“ machen soll, eine These, die Rudolf Steiner auch persönlich vertrat. Dass es eine „geistige Welt“ gebe, in die wir nach unserem Tode übergehen würden. Dass die Viren „zu intelligent“ geworden wären, wir uns rückbesinnen sollten auf ein einfacheres, weniger von schädlicher Technik dominiertes Leben. All das liest man so bei den Georg Soldners und Michaela Glöcklers, führenden Köpfen der Anthroposophie, die sich ebenso sicher sind: Wir müssten nun Rückgrat zeigen gegen „die da oben“, unsere „Freiheit“ erkämpfen.

Verschwörungsdenken ist ein fester Teil der Anthroposophie. Die Anthroposophie ist ein fester Teil der Bio-Szene. Beim Rapunzel-Gründer finden wir beides: Einen Hang zur Esoterik und einen Hang zu irrationalen und daher gefährlichen Weltbildern“. 


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